12.02.2020 06:00 |

1980 in Lake Placid

Leonhard Stock: Vom Reservemann zum Olympiasieger

Bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid erlebte Österreich binnen vier Tagen wahre Gold-Festspiele - die „Krone“ blickt aus Anlass des 40-Jahre-Jubiläums mit den Protagonisten von damals zurück. Den Anfang machte am 14. Februar 1980 Leonhard Stock. Der Tiroler raste in der Abfahrt mit über sechs Zehntel Vorsprung auf seinen „silbernen“ Landsmann Peter Wirnsberger zu Gold, krönte sich mit 21 Jahren zum großen Champion. Was nicht allen im Team schmeckte …

... denn die Nominierung Stocks für die Abfahrt löste im österreichischen Team einen heftigen Wirbel aus, mit Streikdrohungen und nahe an der Meuterei: „Die Freude über meinen Sieg hielt sich bei einigen im Grenzen. Es war grenzwertig, aber mir ziemlich wurscht“, sagt der 61-Jährige im Rückblick.

Stock hatte ursprünglich sein Fix-Ticket für den Riesentorlauf, aber zugleich darum gekämpft, in der Abfahrt als Reservemann mitfahren zu dürfen. „Ich wusste von der Generalprobe 1979, dass mir die eisige Piste mit den schwierigen Kurven liegt und ich auf dieser Piste zu Hause bin.“ Als er dann in den Trainings für die Olympia-Abfahrt prompt Bestzeiten in den Schnee knallte, war der Wirbel perfekt, verdrängte Stock den regierenden Weltmeister Sepp Walcher aus dem Team. Um all diesen Wirbel wegzustecken, half ihm auch sein Alter: „Mit 21 Jahren war eine große Portion Unbekümmertheit dabei.“

Im Rennen selbst bewies Stock Nervenstärke: „Ich habe im oberen Teil viel Vorsprung raus gefahren, die Steilhang-Ausfahrt gut erwischt. Unten war es dann relativ flach mit Wellen und Sprüngen, da konnte ich nicht mehr viel verlieren.“ Letztlich distanzierte er den zweitplatzierten Landsmann Peter Wirnsberger um 62 Hundertstel, Bronze ging an den Kanadier Steve Podborski.

Die Mühen machten sich für Stock, heute Vater von drei Kindern und Opa von sieben Enkelkindern, somit bezahlt: Denn Anfang Dezember 1979 war er im Training für die Abfahrt in Val d‘Isere schwer gestürzt, trotz Kapsel-Einriss in der Schulter und einer Bänder-Verletzung im Knie ließ er sich den Traum von Olympia nicht nehmen: „Drei Wochen nach der Operation begann ich wieder mit dem Krafttraining, lief jeden Tag meine Runden.“ Im Jänner 1980 fuhr er in der Wengen-Abfahrt auf Platz 5 - knapp ein Monat darauf war er Olympiasieger.

40 Jahre später sagt der Zillertaler, der mit seiner Lebensgefährtin Gundi erfolgreich sein Leonhard Stock Olympia Relax Hotel in Finkenberg leitet: „Was dieser Olympiasieg, speziell in der Abfahrt, wert war, zeigt sich erst im Laufe der Zeit. Selbst viele Jahre später, wenn schon längst aufgehört hast, bist in Österreich noch immer sehr gefragt.“ In seinem Hotel hat er viele Pokale, Bilder und natürlich auch die Olympia-Goldene ausgestellt: „Natürlich sprechen mich nach wie vor viele Gäste darauf an, wollen zum Beispiel wissen, wie nervös ich damals war.“ Stock selbst wird den Tag „ewig als Traumtag in Erinnerung behalten.“

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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