09.01.2020 06:45 |

„Ist das schön!“

Paros: Irgendwann bleib i dann dort!

Der STS-Evergreen lässt inzwischen schon die Enkel-Generation von griechischen Stränden träumen. Aber auch wenn es abgedroschen klingen mag: Auf Paros drängt sich dieser Wunsch ganz einfach auf.

Paros liegt mitten drin in den Kykladen, der sagenumwobenen Inselgruppe in der Ägäis. Wenn am Abend die Sonne im weinfarbenen Meer untergeht und die benachbarten Inseln in ferne Silhouetten mit goldener Aura verwandelt, fragt sich wohl so mancher Urlauber: Warum kann ich nicht für immer bleiben? Jutta, die uns die Insel zeigt, ist wirklich geblieben. „Ich bin auf Paros angekommen, hab mir gedacht, ‘Ist das schön!‘, und das war es!“, erzählt sie. Angekommen ist die gebürtige Hamburgerin 1974. Seither lebt sie in einem alten Bauernhaus am Hang des 771 Meter hohen Profitis Ilias, ohne Strom und Wasserleitung, aber mit einem eigenen Wald voll Olivenbäumen und Zypressen.

Elf Stunden hatte die Fähre damals von Athen bis Parikia, der Hauptstadt der Insel, gebraucht. Heute ist Paros einfacher zu erreichen. Und Aussteiger muss man auch nicht sein: Rund um die Insel warten zahlreiche Drei- bis Fünf-Sterne-Hotels darauf, die Gäste zu verwöhnen. Dank der strengen Bauvorschriften – kein Haus darf höher als acht Meter gebaut werden – ist Paros jedoch vor Touristen-Burgen verschont geblieben.

Dafür finden sich noch einsame Strände und Beisln, die ein paar Tische in den Sand stellen und vom Bauernsalat bis zu gefüllten Tomaten und Weinblättern mit der legendären Zitronensauce traditionelle Küche auftischen. Inzwischen gibt es zwar auch Speisekarten, aber manchmal wird der hungrige Gast noch wie einst in die Küche gebeten, um zu sehen, was es gibt und was ihm schmecken könnte.

Doch auch alle, denen der Sinn weniger nach Nostalgie als nach High Life steht, kommen auf Paros nicht zu kurz. Naoussa, ehemaliges Fischerdorf im Norden der Insel, ist eine Mischung aus Mykonos und St. Tropez. Vor der Flaniermeile ankern die Jachten der Reichen und Schönen, in den engen Gassen verkaufen die Boutiquen exquisite Mode, und um den alten Fischerhafen genießen dicht gedrängt Einheimische und Urlauber fangfrisches Meeresgetier. Dazu schmeckt der weiße „Monemvasia“, der auf der Insel angebaut wird. Für Wein-Liebhaber gibt es auch eine ausgesprochene Rarität: Eine Cuvee aus Rot- und Weißwein, der im Weingut Moraitis in Naoussa verkostet werden kann.

Die Häuser und Kirchen auf Paros sind strahlend weiß gekalkt, einziger Farbakzent ist ein Blau, welches mit Himmel und Meer um die Wette eifert. Auch die Hauptstadt Parikia prangt in Weiß. Mit zwei Ausnahmen: Das Kastell aus dem Mittelalter und die prächtige „Kirche der 100 Türen“, die Panagia Ekatontapiliani mit dem wundertätigen Marienbild.

Der Weg zum Kastell, welches zwar fränkisches Fort heißt aber von den Venezianern errichtet wurde, führt durch die Lochagou Kourtinou, die Einkaufsstraße in der verwinkelten Altstadt. Da finden sich als Souvenirs Nachbildungen der Jahrtausende alten kykladischen Idole, stilisierte Figuren aus dem berühmten parischen Marmor, der auf der Insel seit der Antike abgebaut wird. Der Marmor ist nicht nur schneeweiß, sondern auch besonders lichtdurchlässig. Deshalb haben aus diesem Marmor gefertigte Statuen eine ganz eigene Aura – die Venus von Milo lässt grüßen ...

Die alten Griechen errichteten auch ihre Tempel aus diesem Marmor, doch kein einziger ist auf Paros erhalten geblieben. Zerstört von Erdbeben, nutzten die Nachkommen die Steine der Tempel für ihre Bauten und das mächtige Kastell.

Stolz kann Paros auf 24 Strände verweisen: Vom langen Stadtstrand Livada in Parikia, gesäumt von unzähligen Restaurants und Cafés, bis zu Juttas Lieblings-Beach in Farangas im Süden: „Der ist noch nicht so überlaufen.“ Intim und beschaulich auch der kleine Strand von Piso Livadi: Mit den Tavernen und Fischerbooten hat er sich einen altmodischen Charme bewahrt.

Party bis spät in die Nacht verspricht der Pounda-Beach im Südosten, exklusive Beachclubs die Gegend um Naoussa. Hier liegt auch der ungewöhnlichste Strand der Insel: Kolimbithres erinnert mit seinen runden, abgeschliffenen Granitfelsen an nordische Schäreninseln. Dank des immerwährenden Windes ist Paros auch ein Paradies für Surfer und Kiter. Dabei kann man den auf dem Nachbarinselchen Antiparos ansässigen Hollywood-Star Tom Hanks treffen – Diskretion ist aber Ehrensache.

Bringt der Schirokko heiße Luft aus Afrika mit, ist Gelegenheit für einen Ausflug nach Lefkes: Die einstige Hauptstadt von Paros liegt in einem grünen Tal auf rund 250 Meter Seehöhe, gut versteckt inmitten der Insel. Jutta: „Das war früher zum Schutz gegen Piraten notwendig. Die wussten zwar, dass es Lefkes gibt, konnten es vom Meer aus aber nicht sehen.“

Für Wanderer noch ein Tipp: Die byzantinische Straße von Lefkes nach Prodromos. Der mit parischem Marmor gepflasterte Weg, der älteste der Insel, führt durch die Hügel und Olivenplantagen, begleitet vom Duft der wilden Kräuter und der Aussicht auf das tiefblaue Meer.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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