„Verschwörerrunde“

Schon zehn FPÖ-Gemeinderäte auf Straches Seite?

Österreich
05.12.2019 13:27

Als Heinz-Christian Strache am 1. Oktober verkündete, „jegliche politische Aktivität“ einzustellen und auch kein Amt mehr anzustreben (siehe Video oben), hat man das dem ehemaligen FPÖ-Chef und Vizekanzler nicht ganz geglaubt. Dass die Skepsis angebracht war, zeigen gleich mehrere Vorkommnisse der jüngeren Vergangenheit, denn es mehren sich die Indizien für ein baldiges Polit-Comeback Straches, das wohl einen Triumph bei der Wien-Wahl im Herbst 2020 zum Ziel hat. Zehn FPÖ-Gemeinderäte soll er bereits hinter sich vereint haben.

Nachdem die „Krone“ am Wochenende berichtet hatte, dass sich die Zeichen für ein Polit-Comeback Straches mehren, schreibt der „Kurier“ nun gar von einer „Verschwörerrunde“ am vergangenen Donnerstag in einem bei Freiheitlichen beliebten Lokal im neunten Wiener Gemeindebezirk, im Rahmen derer sich Strache an Wohlgesinnte gewendet haben soll. Dies sei aber vor den Augen und Ohren mehrerer Zeugen gewesen, die der Zeitung dem Bericht nach Details aus den Gesprächen zugetragen haben.

Heinz-Christian Strache wenige Minuten bevor er am 1. Oktober seinen Abschied aus der Politik verkündete. (Bild: APA/HANS PUNZ)
Heinz-Christian Strache wenige Minuten bevor er am 1. Oktober seinen Abschied aus der Politik verkündete.

So einige Gefolgsleute um sich geschart
So sehe sich der ehemalige Chef der Freiheitlichen laut den Zeugen weiterhin als das „Opfer der übelsten Verschwörung“. Trotzdem habe Strache bereits so einige wichtige Gefolgsleute um sich geschart. Bei dem Essen dabei gewesen sein soll der Unternehmer Harald Fischl, der - wie berichtet - als Mediator zwischen Strache und der FPÖ vermitteln hätte sollen. Die Gräben zwischen Partei und Ex-Chef sind mittlerweile aber unüberbrückbar - der Parteiausschluss Strache steht kurz bevor.

Harald Fischl (Bild: Sepp Pail)
Harald Fischl

Zu der Runde eingeladen haben soll Willibald Berner, der ehemalige Kabinettchef der Ex-Verkehrsminister Michael Schmid und Monika Forstinger (beide FPÖ), der im Buwog-Prozess als Belastungszeuge gegen Karl-Heinz Grasser auftrat und im Besitz eines „gemeinsamen Tatplans“ sein will. Beide - Fischl und Berner - hätten „Zugang zu finanzstarken Investoren“, schreibt der „Kurier“. Ein solcher könnte für Strache auch der Ex-Team-Stronach-Gründer Frank Stronach sein, mit dem sich Strache vor Kurzem getroffen hatte.

Willibald Berner beim Buwog-Prozess auf dem Weg in den großen Schwurgerichtssaal am Straflandesgericht Wien (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER / APA-POOL)
Willibald Berner beim Buwog-Prozess auf dem Weg in den großen Schwurgerichtssaal am Straflandesgericht Wien

Für Klubstatus reichen drei Abgeordnete
Bevor es an eine mögliche Liste geht, soll Strache einen weiteren Comeback-Plan verfolgen: als Nachrücker in den Wiener Gemeinderat zurückzukehren und den Freiheitlichen dort einen Super-GAU zu bescheren. Wie Strache laut den Zeugen bei dem Essen behauptet habe, habe er bereits zehn der derzeit 34 Wiener FPÖ-Gemeinderäte hinter sich - für den Klubstatus würden drei Abgeordnete reichen.

Einzug in den Gemeinderat über Strache-Unterstützer?
Der Einzug könnte über den blauen Gemeinderatsabgeordneten Karl Baron erfolgen. Dieser müsste sein Mandat zurücklegen, für Strache wäre der Weg dann frei. Strache hatte 2015 in Wien kandidiert, aber auf einen Einzug ins Stadtparlament verzichtet - er verblieb im Nationalrat. Von der Liste ließ er sich jedoch nicht streichen. Nur mit diesem Schritt wäre eine Rückkehr ausgeschlossen.

Karl Baron (Bild: fpoe-wien.at)
Karl Baron

Intern wird gegen Baron bereits vorgegangen: Die Landespartei beschnitt die Kompetenz des Strache-Unterstützers, der der Präsident der Freiheitlichen Wirtschaft Wien ist. Künftig kann er in der blauen Vorfeldorganisation nicht mehr so unabhängig agieren wie bisher.

Der Mann fürs Grobe aus Haiders „Buberlpartie“
Und ein weiteres Indiz für ein generalstabsmäßig geplantes Comeback: Eine „Krone“-Anfrage an Straches Rathaus-Vertrauten Baron wurde plötzlich von dessen „Sprecher“ beantwortet - keinem Geringeren als Gernot Rumpold, PR-Profi und Mann fürs Grobe aus Jörg Haiders „Buberlpartie“. Der Kärntner, der in einem Strafverfahren zu bedingten und unbedingten Haftstrafen verurteilt worden war, ist für die Blauen unter Dominik Nepp ein rotes Tuch.

Gernot Rumpold (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
Gernot Rumpold

Mölzer: „Abspaltungen von FPÖ bisher jämmerlich gescheitert“
Manche Wahlprognosen trauen einer Strache-Liste bis zu zehn Prozent in Wien zu - was für die Blauen desaströs wäre. FPÖ-Urgestein Andreas Mölzer sieht das Ganze nicht so dramatisch, den Schaden sieht er eher bei Strache selbst als bei der Partei: „Alle Abspaltungen von der FPÖ - vom Liberalen Forum bis zum BZÖ - sind bisher jämmerlich gescheitert“, sagte er im krone.at-Talk. 

Der nächste Schritt wird aber wohl Straches Parteiausschluss sein
Zunächst aber steht Straches Aussage vor dem Parteigericht an, das über seinen Ausschluss entscheiden und eine Empfehlung an den Parteivorstand der Wiener Landesgruppe abgeben wird.

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