29.11.2019 12:24 |

„Partei ist zerrissen“

SPÖ-Mails ein „nicht wiedergutzumachender Fehler“

Dramatische Stunden in der SPÖ: Die 27 E-Mails an Mitarbeiter, in denen ihnen ohne irgendeine Vorwarnung baldige Kündigungen mitgeteilt werden, dürften das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Christoph Haselmayer vom Meinungsforschungsinstitut OGM bezeichnete die Schreiben als „ungeschickten, nicht wiedergutzumachenden Fehler“, der vor allem in der Sozialdemokratie nicht passieren dürfe. Die Außenwirkung sei „fatal“, eine Katastrophe für die Betroffenen in der Vorweihnachtszeit - da helfe auch die Ankündigung nicht, dass man nach Lösungen suche. Die SPÖ selbst sei nach Ansicht des Meinungsforschers nicht gespalten, sondern „komplett zerrissen“.

Er habe relativ viel telefoniert in den letzten zwölf Stunden, so Haselmayer im Talk mit Gerhard Koller im krone.tv-Studio. Es sei „irre“, was da „off records“, aber auch ganz direkt quer durch die Bundesländer gesagt werde. Speziell aus Niederösterreich gebe es scharfe Töne: Ein hochrangiger SPÖ-Funktionär habe ihm am Freitagvormittag, während die Partei bereits um Glättung der Wogen bemüht war, gesagt, Rendi-Wagner sei als Parteichefin eine ähnliche „Fehlbesetzung“ wie es er selbst, Haselmayer, für eine Olympiateilnahme im Stabhochsprung wäre.

Für Haselmayer liegt das Hauptproblem in der „zweiten Reihe“
Die öffentliche Kritik an den SPÖ-internen Vorgängen sei ein „irres Kommunikationsdesaster“. Als quasi unmögliche Aufgabe bezeichnete der Meinungsforscher, derzeit jemanden zu finden, der Rendi-Wagner nachfolgen wolle - sowohl Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser als auch Medienmanager Gerhard Zeiler wurden Ambitionen nachgesagt. Beide haben aber bereits dementiert. Für Haselmayer liegt das Hauptproblem gar nicht so sehr an der Spitze der Partei, sondern „in der zweiten Reihe. Da müssten dann viele ihren Sessel räumen.“

„Eigentlich kann sich alles stündlich ändern“
Für den gut vernetzten Meinungsforscher sei Rendi-Wagner mit der ehemaligen britischen Premierministerin Theresa May zu vergleichen - wegen der hohen Reizschwelle und Belastbarkeit, aber auch, weil ihr niemand wirklich zutraue, die Probleme in der SPÖ „richten“ zu können. Bis zur Burgendland-Wahl sehe er sie an der Parteispitze, so Haselmayer - „ganz, ganz vorsichtig“ betrachtet. Denn eigentlich könne sich alles stündlich ändern (den ganzen Talk sehen Sie im Video oben).

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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