13.11.2019 07:00 |

„Krone“-Interview

Simply Red: Funk & Soul gegen den tristen Alltag

Nach 35 Jahren Karriere mit Simply Red ist Mick Hucknall noch immer der berühmteste Rothaarige des Pop-Business. Auf dem brandneuen Album „Blue Eyed Soul“ geht der Vollblutmusiker aus Manchester wieder zwei Schritte zurück, um mit viel Funk und Soul seiner Lieblingsepoche, den 70er-Jahren, zu huldigen. Im ausführlichen Gespräch mit der „Krone“ analysiert er die Stiländerung, ärgert sich über den Brexit, schwärmt von seiner Rolle als Vater und erklärt, warum die Österreicher die „Salvador Dalis Deutschlands“ sind.

„Krone“: Mick, auf eurem neuen Album „Blue Eyed Soul“ gibt es eine breite Palette an verschiedenen Stilen und Momenten. Funk-Songs, große Balladen, poppige Momente. Ist dieses Album eine Reflektion deiner langen Karriere?
Mick Hucknall: Ich sehe das Album nicht als Reflektion meiner Karriere sondern vielmehr in die Zukunft. Ich war einmal auf einer Party und ein Freund von mir, ein irischer Musiker, dessen Name ich nicht nennen möchte, sagte mir, ich sei ein großer Soul-Sänger. Ich habe darüber nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass ich schon viel Reggae und Jazz gemacht habe. Ich habe auch schon eine DVD mit einem Orchester aufgenommen und Sinatra-Songs interpretiert. Als er vom Soul sprach, wusste ich, dass ich das versuchen müsste. Er meinte, ich soll nicht so viel experimentieren und einfach meinem Instinkt folgen. Ich habe dann die ersten Songs geschrieben und sie klangen sehr stark nach Soul und Funk. Ich habe die ersten Texte und Melodien in ganz normalen Alltagssituationen geschrieben - etwa während ich vor dem Fernseher saß oder mit dem Hund rausging. Ich wollte die Songs im Stil von Künstlern wie Wilson Pickett, Otis Redding oder James Brown schreiben. Künstler, die ich schon mein ganzes Leben lang bewundere.

Das Album klingt jedenfalls so, als wäre es direkt in den 70er-Jahren aufgenommen worden. Das meine ich als Kompliment, denn viele versuchen so zu klingen, schaffen tun es aber nur die Wenigsten.
Dem stimme ich total zu. Einen Geschmack davon siehst du schon am Cover-Artwork. Die 70er sind meine goldene Ära, damals wurde meine Lieblingsmusik erschaffen. Auch Künstler wie David Bowie oder Led Zeppelin hatten dort ihre Höhepunkte und in Großbritannien entstand die großartigste Musik aller Zeiten. Teilweise schon in den 60ern. Damals wurde noch nicht so viel Technik verändert, denn in den 80er-Jahren verwendeten die Bands diese lieblosen Drum-Maschinen, hatten Schulterpölster und dämliche Frisuren. Selbst als ich in den 80ern erfolgreich wurde, habe ich mich nie als Teil davon gesehen. Es war mehr so, dass ich in der falschen Dekade gelandet war. Amy Winehouse hat das ähnlich gesehen und fühlte sich mehr in den 60ern verhaftet.

Bereust du heute rückblickend Songs oder Dinge, die du in den 80er-Jahren erschaffen hast?
Ich würde nicht sagen, ich bereue etwas. Wir haben damals schon unser eigenes Ding durchgezogen. Es gibt technische Feinheiten, die mir heute nicht mehr gefallen. Die Snare-Drum auf „Money’s Too Tight (To Mention)“ klingt sehr blechern. Wenn wir den Song aber live spielen, klingt er heute ganz anders.

Gefällt dir aus der Ära von damals auch die Wärme des Sounds? Dass die Songs einfach eine Natürlichkeit hatten, die irgendwann verloren ging?
Wir haben in den 80ern die Alben genauso aufgenommen. Man hat die Songs in verschiedenen Takes eingespielt und sich nicht auf Drum-Maschinen und Tricks verlassen. Natürlich hatte auch eine Band wie Sly & The Family Stone solche Maschinen verwendet, aber nur als Effekt und nicht für den ganzen Rhythmus. Vor den 80ern wurden die Songs einfach eingezählt, alle haben gespielt und eine Nummer entstand komplett organisch. „Blue Eyed Soul“ ist ein Album, wo alle Stimmen live eingesungen sind. Natürlich gibt es bei den Backing-Vocals Overdubs, aber ich habe bei meiner Stimme nichts repariert und nichts umgestellt. Die Band spielte, ich sang und das hörst du auf dem Album.

Der Albumtitel spielt auf dich selbst an. War dir das ein Anliegen, deinen Hörern klarzumachen, dass es um deine Seele gehen wird?
Das bin ich. Ich habe blaue Augen und bin Soul-Sänger. Wenn mir das auch mein irischer Freund sagt, dann glaube ich das.

Im Endeffekt ist dieses Album ein bewusster Schritt zurück zu deinen musikalischen Wurzeln.
Exakt. So sehen mich die Leute offenbar und warum sollte ich ihnen dann nicht geben, was sie wollen und was ich tun sollte?

Musst du deine einzigartige Stimme mit steigendem Alter eigentlich anders oder intensiver pflegen, als es früher der Fall war?
Die einzige Pflege, die ich meiner Stimme zukommen lasse ist, dass ich nicht rede. Üblicherweise gebe ich überhaupt keine Interviews, wenn ich live auftrete. Wenn ich auf Tour bin, dann gehe ich auch nicht wirklich raus, sondern bleibe in meinem Hotelzimmer und schweige. Zuhause rede ich natürlich mit meiner Familie und mit meinem Hund, bleibe aber auch eher ruhig. Ich danke Gott für die Erfindung von E-Mails, Textnachrichten und Social Media, denn ein Mensch wie ich hängt nicht oft am Telefon.

Die Stimme von Liam Gallagher etwa klingt heute sehr anders als vor 20 Jahren, bei dir hat man aber das Gefühl, dass sie unverändert geblieben ist.
Ich habe mich einfach immer gut darum gesorgt. Ich rauche hier und da etwas Weed, war aber nie ein starker Raucher. Ich habe auch nie harten Stoff wie Whiskey getrunken, sondern nur etwas Wein. Außerdem rede ich sehr wenig und all diese Dinge sind wohl verantwortlich dafür, dass die Stimme so gut gehalten hat. Außerdem habe ich eine gewisse Technik, wie ich Hals, Stimme, Zunge und Atmung einsetze. Die Stimme ist mein Instrument. Liam klingt manchmal ein bisschen heiser und so verlierst du auf Dauer die Kraft. Ich hoffe, er beschädigt seine Stimme nicht zu stark.

Viele Liveshows zu spielen, wenn man auf Tour ist, ist für die Stimme natürlich auch anstrengend. Spürst du das im längeren Verlauf einer Tournee?
Solange ich tagsüber nicht rede, ist alles okay. Das Singen schädigt die Stimme niemals so sehr wie das Reden. Das ist alles kein Problem.

Kann man nach 40 Karrierejahren eigentlich immer noch dazulernen, wenn es um die Stimme und ihren Einsatz geht?
Das ist eine gute Frage, ich weiß es nicht wirklich. Ich singe sehr natürlich und denke auch gar nicht viel darüber nach. Meine Stimme ist in guter Form und solange passt das auch.

Das vorletzte Album „Big Love“ erschien vor vier Jahren und klang ganz anders als „Blue Eyed Soul“. Abseits dessen, dass du auf Anraten den Soul wiederentdeckt hast, gab es auch andere Dinge, die du im Direktvergleich unbedingt verändern wolltest?
Ich habe viel darüber gescherzt, denn „Big Love“ ist mein „Dad-Album“. Viele Songs darauf sind sehr weichgespült und fast schon süßlich. Auf „Blue Eyed Soul“ wollte ich meine Stimme wieder herausfordern und mehr Verzerrung reinbringen und dann wollte ich die Songs so verändern, dass es der Band beim Spielen Nacht für Nacht Spaß machen sollte. Das neue Album hat mehr Drive und ist einfach etwas härter und flotter ausgefallen.

Ist es mehr ein Band-Album denn „Big Love“? Mehr ein Gemeinschaftsprodukt?
Ich weiß, was du meinst und das stimmt wohl. Wir haben „Blue Eyed Soul“ zusammen in einem Raum eingespielt, auch wenn ich die Arrangements vorher schon zusammen hatte. Wir waren in West-London und das Studio war fantastisch. Ich kann jedenfalls garantieren, dass wir diesen Sound auch auf der Bühne reproduzieren können, weil das Einspielen in der Live-Atmosphäre geschah.

Ihr wart in den British Grove Studios von Mark Knopfler, der Dire-Straits-Legende. War er in irgendeiner Art und Weise am Album beteiligt?
Nein. Er hat mir geholfen, indem er ein fantastisches Studio hatte. Er war aber nicht dort, als wir aufnahmen.

Wie wichtig ist dir die richtige Umgebung bei einem Album. Der Platz, wo du schreibst, wo du aufnimmst oder wo du überhaupt an Ideen feilst?
Das kommt immer darauf an, welche Art von Album du gerade machst. In unserem Fall war es gar nicht so wichtig, weil ich das Glück hatte, von so vielen großartigen Musikern umgeben zu sein, die überall hervorragend funktionieren. Es war eine magische Synergie, die sich bei uns zusammenbraute. Das hast du bei vielen Bands, die lange zusammenspielten, wie etwa den Rolling Stones. Da wissen die Leute dann intern schon, was als nächstes passiert. Es ist eine verrückte Form von Telepathie, die da herrscht und ich habe das mit meiner Band auch so verspürt. Ich bin einfach sehr privilegiert, dass ich selbst mit Mitgliedern der Rolling Stones zusammenarbeiten durfte. Etwa mit Charlie Watts und auch mit Bill Wyman und Ronnie Wood, als wir das Faces-Ding gemacht haben. Ronnie, ich und Mick Taylor haben mal zusammen in der Royal Albert Hall gespielt, was großartig war. Ich bin ein massiver Stones-Fans seit ich elf war.

Hatte eigentlich diese Ära, wo du bei den reformierten Faces an Bord warst, einen direkten Einfluss auf die neueren Simply-Red-Alben?
Ich glaube nicht, dass die Faces dieses Album beeinflusst haben, aber beide Projekte haben dieselben Einflüsse, wenn du verstehst, was ich meine. Ich erinnere mich daran, dass der leider verstorbene Faces-Keyboarder Ian McLagan immer sagte, sie alle wären große Fans von Booker T. & The M.G.‘s gewesen. „Complete Love“ hat genau das Feeling, es klingt auch ein bisschen nach Otis Redding.

Genau diese Nummer weist meiner Ansicht nach deine beste Gesangsleistung auf dem Album auf.
Vielen Dank! Dieser Track ist komplett live aufgenommen.

Ist es dir nach all den Jahren wichtig, dich kompositorisch noch selbst überraschen zu können? Und ist es andererseits schwierig, das zu erreichen?
Wenn du 59 bist, dann ist es nicht mehr notwendig, sich selbst zu überraschen. Man fühlt sich eher dankbar dafür, dass man diesen Job noch immer ausführen kann. Ich wollte mich selbst nicht zu sehr drängen. Meine Mission war es dieses Mal, mich nicht zu sehr zurückzulehnen. „Big Love“ war, wie gesagt, ein ziemlich entspanntes Werk, vielleicht etwas zu entspannt. Sogar auf dem Cover-Artwork sah ich aus wie ein alter Vater. (lacht) Ich wollte dieses Mal nicht so entspannt sein, sondern aggressiver und etwas herausfordernder.

Schon der Opener „Thinking Of You“ ist alles andere als zurückgelehnt. Da gehst du gleich einmal in die Vollen. Bist du aber wirklich jemand, dem in jeder noch so trivialen Lebenslage Songideen zufliegen? Andere müssen dafür hart arbeiten oder sich schwer konzentrieren.
Genau so passiert das bei mir tatsächlich. Ich setzte mich nie bewusst hin, um einen Song zu schreiben. Das ist noch nie passiert. Manchmal erscheint etwas in meinem Kopf und ich habe keine Ahnung warum und wieso. Glücklicherweise gibt es heute Smartphones und sobald ich einen Text oder eine Melodie habe, dann singe bzw. schreibe ich sie sofort fest. Das Smartphone ist für mich längst ein unersetzbarer Assistent.

Bist du der Meinung, dass du mit einem Album wie „Blue Eyed Soul“ trotz all der Anleihen an die goldene Ära der 70er-Jahre auch in gewisser Weise zeitgemäß und modern sein solltest?
Keinesfalls. Nicht eine Sekunde habe ich darüber nachgedacht, das interessiert mich gar nicht. Ich mache die Musik, die mir gefällt und das reicht mir auch. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn du dich mit 59 zu etwas Zeitgemäßem hinreißen lässt und glaubst, du kannst dich mit den Kids von heute messen. Wie pathetisch wäre es, ein junges Album für einen jungen Markt zu machen? Ich bin glücklich mit meinem Alter und froh, dass ich noch immer lebe. Leute wie Prince oder George Michael sind gegangen, Amy Winehouse und Michael Jackson noch viel früher. Sie alle gingen weit vor ihrer Zeit und es brach mir jedes Mal das Herz. Ich bin einfach glücklich, dass ich gesund bin, noch meine Stimme habe und mit ihr arbeiten kann. Ich kann mich über nichts beschweren.

Hörst du dir auch neue Musik an? Lässt du dich vielleicht doch hin und da von aktuellen Künstlern inspirieren?
Nein, nicht wirklich. Ich tue auch nicht so, als ob. Ich will kein junger Typ sein. Wenn ich etwas höre und mag, dann ist das natürlich großartig, ich suche nur nicht aktiv danach. Ich lerne wohl mehr von meiner Tochter, doch ihre Lieblingsband ist Queen. Sie ist zwölf Jahre alt. Sie mag auch P!nk sehr gerne. Sie hat mir etwa einen tollen Song von Lily Allen gezeigt, der mir total gut gefallen hat. Sie hat den Geschmack der Kids von heute.

Manche Musiker werden tatsächlich durch den Musikgeschmack ihrer eigenen Kinder inspiriert.
Das ist überhaupt kein Problem für mich! Ich würde gerne mehr von ihr lernen und ich animiere sie auch dazu, ihre eigenen Wege zu finden.

Hört sie auch gerne Simply Red?
Natürlich kennt sie all die Songs, das ist unerlässlich bei uns zuhause. Für meine Tochter bin ich aber ihr Vater und nicht der berühmte Typ im Fernsehen. Zuhause ist Simply Red nicht wirklich existent. Wenn ich an Songs arbeite, dann laufen sie dauernd in meinem Raum, meinem Studio oder auch in meinem Kopf auf und ab. Die Kleine kommt da nicht ganz davon, aber zuhause gibt es schon eine Grenze. Da bin ich Ehemann, Vater und der Typ, der den Hund Gassi führt und ihn füttert.

Wie schwierig war es vor zwölf Jahren anfangs für dich, in diese einst so neue Rolle reinzufinden?
Es war natürlich ein Lernprozess. Wenn man meine Hündin mitrechnet, lebe ich mit drei Frauen zusammen. (lacht) Du musst bei einem Kind natürlich auf ganz andere Dinge Rücksicht nehmen und dich selbst in die zweite Reihe stellen. Vor allem wenn du berühmt bist, wollen dir alle irgendwie helfen und irgendwo in deinem Umkreis sein. Zuhause fällt diese Fassade aber völlig ab und das ist auch gut und wichtig. Meine Familie hat sehr stark „Big Love“ inspiriert, aber „Blue Eyed Soul“ ist mehr eine Flucht aus der Lage, in der wir Menschen uns gerade auf der Welt befinden. Derzeit passiert ziemlich viel Scheiße und im Song „Ring That Bell“ spreche ich das Thema auch an. Abseits dieser Nummer ist das Werk aber mehr eine Flucht vor Donald „Fucking“ Trump und dem Brexit. Das Album dreht sich darum, dass ich mich davon distanziere und eine Welt betrete, die ich schätze und in der ich mich wohlfühle.

Bietest du auch den Hörern mit diesem Album Eskapismus an?
Warum nicht? Die Leute arbeiten hart und haben es im Leben nicht leicht. Ich würde mich glücklich schätzen, könnte ich ihnen mit diesem Album das Leben etwas erleichtern.

Du warst schon immer eine sehr politische Person und hast dich auch oft für die Labour-Partei in England eingesetzt. Wäre es dir ein Anliegen, künftig bei den Songs stärker ins Politische zu gehen?
Ich habe hier eher auf die Dinge zurückgeschaut, die mir nicht gefallen haben. Ich beobachte Politik jeden Tag und bin sehr gut informiert über die Dinge, die da draußen passieren. Ich habe darauf reagiert, indem ich auf dem Album davor flüchte. Das passierte noch nicht einmal bewusst.

Fürchtest du, dass der Brexit die Zukunft von Simply Red direkt beeinflussen könnte?
Ich bin mir sicher, dass ich durch meinem Hass dem Brexit gegenüber einige Menschen, die uns gerne hören, beleidigt habe. Ich bin wirklich peinlich berührt über die Lage Großbritanniens. Ich habe einen irischen Großvater und eine schottische Großmutter und mein Vater stammt von den Kelten ab. Dieser Brexit ist aber etwas rein Englisches. Er basiert auf London und dem Nordosten. Wenn ich die Chance bekommen würde, würde ich Artikel 50 schon morgen widerrufen. Ich will die Barrieren niederreißen und keine blutigen Wände aufbauen. So sehe ich die Welt nicht. Allein deshalb sollte dieses Album schon eine Flucht daraus sein.

Glaubst du eigentlich an ein halbwegs versöhnliches Ende dieses Albtraums?
Je länger es dauert, umso optimistischer bin ich, dass es doch nicht passieren wird. Viele Leute haben sich mittlerweile mehr Gedanken darüber gemacht und ihre Position noch einmal überdacht. Noch ist nicht alle Hoffnung verloren.

Interessant ist übrigens die Legende von Simply Red. Ihr seid im Prinzip Teil der legendären „Class Of `76“. Ihr, New Order und andere später erfolgreiche Musiker habt damals alle eine Show der Sex Pistols in Manchester besucht und seit dann selbst Musiker geworden. Fast wie im Märchen.
Für meinen damals besten Freund Neil und mich war das ein Erweckungserlebnis und wir waren Riesenfans der Buzzcocks, die ebenso wie wir aus Manchester stammten. Die Buzzcocks zu sehen war eine große Inspiration selbst Musik zu machen. Neil und ich dachten, das könnten wir auch machen. Wenn du 1967 als 16-Jähriger die Rolling Stones besucht hast, hast du die Götter gesehen. Knapp zehn Jahre später spielten die Sex Pistols dieses Konzert vor vielleicht 50 Leuten, hatten noch nicht einmal ihre Instrumente im Griff, aber begeisterten. Sid Vicious hat später ja zugegeben, den Bass nicht mal bedienen zu können, wohingegen Glen Matlock wirklich was draufhatte. Sie haben aber uns alle dazu gebracht, selbst Bands zu starten. Fast jeder, der damals da war, hat später eine Band gegründet. Es war ein DIY-Spirit in der Luft und jeder dachte, wenn die das schaffen, schaffe ich das auch.

Gibt es eigentlich irgendwas, dass du mit Sex-Pistols-Sänger Johnny Rotten gemeinsam hast?
Ich bin wahrscheinlich nicht so verbittert wie John. Ich habe ihn nie getroffen und weiß nicht viel von ihm. Ihre Musik war nur etwa zwei Jahre wirklich existent, dann implodierte die Band. Sie waren also kein langlebiger Einfluss auf mein Schaffen. In der Persönlichkeit sind wir sicher grundverschieden. Mein Musikgeschmack ist weitaus breiter und ich würde die Idee hassen, als Punk-Band Erfolg zu haben. Als 59-Jähriger auf die Bühne zu gehen und so zu tun, als wäre ich 17, das stelle ich mir wirklich nicht schön vor. Das wäre meine Vorstellung einer Hölle. Das passiert auch vielen One-Hit-Wundern. Sie müssen dann einen Song ihr Leben lang spielen und haben sonst nichts. Ich habe zum Glück zwölf Alben aus mehr als 30 Jahren Karriere, die sehr unterschiedlich klingen.

Im November 2020 kommst du für eine Show in die Wiener Stadthalle. Worauf freust du dich und woran erinnerst du dich in Bezug auf Österreich gerne zurück?
Ich freue mich auf ein wirklich gutes Schnitzel und einen grünen Veltliner. Meine Frau wurde in Wien geboren, deshalb ist diese Stadt für mich immer sehr speziell. Ihr seid ein bisschen wie die Salvador Dalis Deutschlands. Irgendwie surrealer und abgedrehter, aber wahnsinnig liebenswert und eigenständig. Bei euch herrschen irgendwie mehr Farben, ich kann das schwer erklären. Ihr seid sehr liberal und offenherzig.

Hattest du mit deiner Frau auch schon die Gelegenheit, Wien oder Österreich abseits deines Jobs zu besuchen?
Ich war schon mehrmals bei euch Skifahren, aber so oft war ich insgesamt noch nicht da. Ich mag das Land sehr gerne und die Shows in Wien haben immer viel Spaß gemacht. Ich besuche immer diesen einen schönen Markt. Ich glaube, er heißt Naschmarkt.

Gibt es eigentlich einen speziellen Rat, den du deinem jüngeren Ich mit dem Wissen von heute geben würdest?
Achte gut auf dich selbst und bleib gesund. Ich habe das ganz gut hingekriegt und darüber bin ich sehr froh. Es ist völlig egal, wie viel Geld du hast. Wenn du krank bist, helfen dir die ganzen Milliarden auf deinem Konto nichts.

Live in Wien
Am 10. November 2020 kommen Simply Red mit „Blue Eyed Soul“ und allen großen Hits endlich wieder in die Wiener Stadthalle. Karten für das Top-Konzert erhalten Sie unter www.ticketkrone.at

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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