10.11.2019 17:28 |

John Cooper Works

Mini Clubman mit 306 PS: Die volle Ladung Fahrspaß

So stellt man sich als Auto-Fan ein Facelift vor: Mini hat den Clubman zart überarbeitet, dabei dem Topmodell John Cooper Works aber ein brachiales Power-Update verpasst. Der kultige Renn-Lieferwagen kommt jetzt auf 306 PS. Grund für die ungewöhnliche Maßnahme: Das abgelegte Triebwerk scheitert an den Abgasvorschriften. Geben wir also Gas!

„Rot und blau is am Kasperl sei Frau“, hat meine Oma immer gesagt. Wahrscheinlich hätte ihr dieser Mini Clubman John Cooper Works nicht gefallen. Aber gut, dieses 306-PS-Geschoss ist natürlich eher was für Junge und solche, die es ewig bleiben wollen, und auch am Fahrwerk hätte sie keine Freude.

Wer gerne wild durch die Gegend räubert, wird sich hingegen eher mit dem Fahrwerk anfreunden. Hart, aber herzlich könnte man es beschreiben (womit ich wieder bei der Oma bin, die die gleichnamige Serie gerne geschaut hat). Räubern ist auf jeden Fall der richtige Ausdruck, denn entspannt und geschmeidig schnell fahren ist mit dem lustigen Briten nicht so leicht.

Das liegt an der extrem direkten, nervösen Lenkung. Prinzipiell ein Tool, für das Mini geliebt wird, allerdings fehlt es hier an Verbindlichkeit und Gefühl. Dadurch werden Kurven gerne eckig und geradeaus fahren ist auch nicht wirklich gerade. Hinzu kommen die deutlichen Antriebseinflüsse, die trotz serienmäßigem Allradantrieb auftreten, wenn man einen frechen Gasfuß hat. Und wer hat den nicht, der sich dieses Auto zulegt? Trotzdem will natürlich niemand auch nur auf einen einzigen der 450 Newtonmeter bei 1750 bis 4.500/min. verzichten.

Ob geradeaus oder in Schlangenlinien: In 4,9 Sekunden knackt der (nach DIN) 1550 kg schwere Clubman JCW die 100er-Marke und rennt weiter bis 250 km/h - nicht schlecht für einen Kleinwagen. Wobei - das ist er genau genommen gar nicht: Mit 4,27 Meter ist er einen Zentimeter länger als der auslaufende VW Golf, mit einem Radstand von 2,67 Meter übertrifft er den Wolfsburger Kompakten sogar um ganze fünf Zentimeter.

Trotzdem bietet er weniger Platz im Innenraum. Dennoch sitzt man auf der Rückbank als Großer hinter einem Großen okay, nur beim Aussteigen muss man kreativ sein, weil die Füße im Fußraum ziemlich eingekeilt sind. Dafür entschädigen jedoch die an Coolness kaum zu übertreffenden Hecktüren, hinter denen sich ein 360 bis 1250 Liter großer (ziemlich flacher) Laderaum verbirgt.

Unnötiges Pseudosegeln
An der Achtgangautomatik gibt es - wie in einem BMW-Modell üblich - nicht zu bemängeln, sie verhält sich jeweils zum gewählten Modus adäquat. Der Motor hat jedoch eine etwas ungewöhnliche Eigenschaft: Geht man vom Gas, setzt nicht etwa die Motorbremse ein, nein, das Zweiliter-Turbo-Triebwerk spritzt jetzt extra Benzin ein, um dem Schleppmoment entgegenzuwirken. Das fühlt sich ähnlich an wie segeln (also wenn automatisch ausgekuppelt wird und das Auto im Leerlauf rollt), verbraucht aber Sprit. Außerdem muss man öfter bremsen, weil man ja kaum langsamer wird, wenn man den Fuß vom Gas nimmt.

Ungewöhnlich ist auch das Motorsound-Erlebnis. Klar, mittlerweile ist es üblich, dass der Klang über die Lautsprecher zugespielt wird. Aber vor allem im Green-Mode fällt auf, dass das künstlich ist, geradezu zweistimmig. Von außen klingt der Mini hingegen richtig gut - dank Klappenauspuff, von dem man aber im Innenraum nicht viel mitbekommt.

Border Collie auf Rädern
Eines ist sicher: Der Mini John Cooper Works Clubman ist ein echtes Spaß-Auto. Zwar zieht und zerrt er an der Leine und fordert seinen Fahrer dementsprechend, er mag es aber auch, wenn er gefordert wird und braucht viel Auslauf. Als Hund wäre er wahrscheinlich ein Border Collie, denn intelligent ist er auch: So kann man die Abstandsregelfunktion des Adaptivtempomaten abschalten und bei Bedarf mit klassischer Cruise Control fahren. Das ist prinzipiell praktisch, im Fall des Mini aber besonders, weil der adaptive Tempomat nur bis 140 km/h aktivierbar ist, der klassische aber auch darüber.

Unterm Strich
Machen wir die Rechnung auf: 48.100 Euro ist der Listenpreis, Extras treiben den Preis des Testwagens auf 61.591 Euro. Da sind Schmankerl wie LED-Matrixscheinwerfer, Navi, Plexiglas-Head-up-Display und Harman-Kardon-Sound mit dabei. Viel Geld für einen Kleinwagen. Aber das ist er ja nicht. Und vielleicht legt ja die Oma was drauf. Es gibt ja auch andere Farben...

Warum?
Ganz schön viel Leistung für den kleinen Freudenspender
Kultige Hecktüren

Warum nicht?
Gewöhnungsbedürftiger Sound

Oder vielleicht ...
... BMW M135i, Mercedes AMG CLA 35 4Matic, VW Golf R TCR, Renault Mégane R.S.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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