07.11.2019 22:44 |

Kampf gegen Spielsucht

China: Keine Videospiele mehr nach 22 Uhr

Keine Games mehr nach 22 Uhr, nicht mehr als 90 Minuten zocken unter der Woche, weniger Geld für Add-ons und In-Game-Käufe: China hat neue Regeln zur Eindämmung der Videospielsucht bei Jugendlichen erlassen. Die Regierung macht diese für die zunehmende Kurzsichtigkeit und schlechte schulische Leistungen im Land verantwortlich.

Wie die „New York Times“ unter Berufung auf die staatliche Kommunikationsbehörde berichtet, verbieten die neuen Regeln Gamern unter 18 Jahren das Spielen zwischen 22 Uhr abends und 8 Uhr morgens. Werktags darf künftig nicht mehr als 90 Minuten, an Wochenenden und Feiertagen nicht mehr als drei Stunden gespielt werden.

Die Regeln beschränken auch, wie viel chinesische Jugendliche, abhängig vom Alter, für virtuelle Einkäufe ausgeben dürfen. Die Ausgaben sind demnach auf umgerechnet zwischen 25 und 51 Euro begrenzt. Zwecks Kontrolle seien Minderjährige verpflichtet, sich beim Spielen mit ihrem echten Namen und einer Identifikationsnummer anzumelden.

Negativer Einfluss auf geistige Gesundheit, Lernen und Leben
Die neuen Regeln sind der jüngste Versuch der Regierung, die chinesische Online-Gaming-Industrie zu zügeln - eine der größten der Welt, die umgerechnet knapp 30 Milliarden Euro Jahresumsatz generiert und Hunderte Millionen Nutzer anzieht.

Aller wirtschaftlichen Erfolge zum Trotz ist die Industrie zuletzt jedoch vermehrt in die Kritik geraten. Chinas Präsident Xi Jinping hatte letztes Jahr öffentlich über die „Geißel der Sehschwäche bei Kindern“ gesprochen, für die Games verantwortlich zeichnen sollen. Staatliche Medien verglichen einige Spiele mit „Gift“.

Den offiziellen Angaben der Kommunikationsbehörde nach seien die neuen Vorschriften zur Bekämpfung der Computerspielsucht gedacht. Diese beeinflusse „die geistige Gesundheit von Minderjährigen sowie ihr normales Lernen und Leben.

„Es wird immer Lücken geben“
Beobachter bezweifeln allerdings, dass die neuen Regeln die Jugendlichen vom Spielen abbringen werden. Sie würden wahrscheinlich Wege finden, die Vorschriften zu umgehen, etwa mit der Telefonnummer und der Identifikationsnummer eines Elternteils.

„Es wird immer Lücken geben“, so Daniel Ahmad, Senior Analyst beim Beratungsunternehmen Niko Partners, gegenüber der „New York Times“. Zugleich müssten sich Publisher im am stärksten regulierten Videospielmarkt der Welt im Klaren sein, welche Inhalte sie für den Markt entwickelten.

„Mehr Fuß- und Basketballplätze“
Auch Yang Bingben, Inhaber eines Industrietechnologieunternehmens in Ostchina, befürchtet, dass viele Kinder dennoch Mittel und Wege finden würden, die neuen Regeln zu umgehen. Sein siebenjähriger Sohn etwa spiele oft Games, die keine Interverbindung erforderten und daher schwer zu regulieren seien.

„Wir müssen neue Dinge entwickeln, um Spiele zu ersetzen“, wird der 35-Jährige zitiert. „Wir sollten uns darauf konzentrieren, mehr Stadien, Fußballplätze und Basketballplätze zu bauen."

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