06.11.2019 18:58 |

Talk bei Katia Wagner

Mölzer: „Sexistisch, aber kein Nazi-Liederbuch“

Wie mächtig sind Burschenschaften in Österreich? Um diese Frage drehte sich alles in der aktuellen Ausgabe von „Brennpunkt“ - dem krone.at-Talk mit Katia Wagner. Auslöser der Debatte war ein „Krone“-Bericht über ein Liederbuch mit antisemitischen und NS-verherrlichenden Texten. Zu Gast waren diesmal der Klubobmann der Wiener Grünen, David Ellensohn, der Journalist Johannes Huber, Udo Guggenbichler und Andreas Mölzer, beides FPÖ-Mitglieder und Burschenschafter. Die ganze Diskussion sehen Sie im Video oben.

„Diese Lieder wurden teilweise am Ende des 19. Jahrhunderts und in der Zwischenkriegszeit gedichtet, der Zeitgeist des 21. Jahrhunderts entspricht wahrscheinlich nicht mehr dem, was in den Strophen dargestellt wird, aber es ist nun mal Teil unserer langen Geschichte“, sagt Udo Guggenbichler. Er ist selbst Mitglied der akademischen Burschenschaft Albia in Wien, Texte wie jene im Buch der Knittelfelder Verbindung seien ihm aber nicht bekannt, auch gesungen würden diese nicht mehr.

Guggenbichler: „Gemeinschaft und Förderung junger Mitglieder“
Vorwürfe, Burschenschaften seien nur dazu da, politisch Karriere zu machen, weist er zurück. Vielmehr gehe es um Gemeinschaften und die Förderung junger Mitglieder: „Und natürlich hat man da auch die Möglichkeit, sich politisch zu engagieren.“ Auch Wolfgang Zanger (der FPÖ-Abgeordnete ist Mitglied der Verbindung in Knittelfeld und in Besitz des Liederbuchs, Anm.) sitze nur im Parlament, weil er „ein bodenständiger Politiker ist, der sich um die Leute in seiner Gegend kümmert“.

Ellensohn: „Kleine Parallelgesellschaft mit gefährlichem Einfluss“
Für David Ellensohn stellt nicht die allgemeine Anzahl von Burschenschaftern im Land eine Gefahr dar, diese sei mit 4000 bis 5000 eher gering. „Gefährlich ist aber ihr Einfluss auf die FPÖ und über diese Partei dann auf die Republik.“ Dass solche Bücher noch existieren, ist für Ellensohn „ein Wahnsinn“. Burschenschafter müssten, wenn es nach ihm gehe, „sich treffen und überlegen, ob sie ins 21. Jahrhundert gehören wollen oder nicht“.

Auch dass es weniger Frauen als Burschenschafter im Parlamentsklub der FPÖ gibt, kritisiert der Klubobmann der Wiener Grünen: „Da fehlt einfach die Relation.“ Eine „kleine Parallelgesellschaft“ sollte nicht so viel Macht im Parlament haben und auch hohe Positionen gingen zu oft an Mitglieder von schlagenden Verbindungen. „Die Republik ist kein Selbstbedienungsladen für Burschenschafter“, so Ellensohn.

Mölzer: „Obszön, aber kein Nazi-Liederbuch“
„Das ist eine Sammlung von Schmuddel-Liedern, alles andere als politisch korrekt in unserem heutigen Sinne und auch sexistisch und obszön“, sagt Andreas Mölzer zu den Texten in besagtem Liederbuch. Er hat sich die „Liederlichen Lieder“ zu Hause bei Wolfgang Zanger angesehen. Trotzdem sei es „alles andere als ein Nazi-Liederbuch“.

Burschenschaften seien eine „Restkultur“, und in einer Demokratie müsse es möglich sein, diese „zu tolerieren“, so das FPÖ-Urgestein. Auch er betont, dass es in Verbindungen nicht nur um eine politische Karriere gehe, sondern um „Freundschaften und Netzwerke“.

„Angebot und Nachfrage“ zwischen Burschenschaften und FPÖ
Der Polit-Blogger und Journalist Johannes Huber sieht nicht ein, „warum es nach 74 Jahren noch Überbleibsel aus dieser Zeit gibt“. Für ihn hat hier jahrelang keine Aufklärung stattgefunden. Bei den Verbindungen zwischen Burschenschaften und der FPÖ treffen „Angebot und Nachfrage“ aufeinander: „Burschenschafter wollen ihre deutschnationale Auffassung in die Politik bringen, das gelingt ihnen nur über die FPÖ, andererseits sind Burschenschaften so was wie die Kaderschmiede der Freiheitlichen“, so Huber.

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Sämtliche Ausgaben unseres Talk-Formats „Brennpunkt“ - immer mittwochs ab 19 Uhr auf krone.tv und hier auf krone.at sowie um 22 Uhr bei n-tv Austria - mit Moderatorin und Kolumnistin Katia Wagner zum Nachsehen sowie Highlight-Videos finden Sie unter krone.at/brennpunkt.

Markus Steurer
Markus Steurer
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