09.10.2019 12:27 |

„Befreit Hongkong!“

Blizzard sperrt Profi-Gamer und erntet Shitstorm

Weil er sich während der Live-Übertragung eines E-Sport-Turniers zur politischen Situation in seiner Heimat Hongkong geäußert hat, hat der Spielehersteller Blizzard den „Hearthstone“-Großmeister Chung Ng Wai alias „Blitzchung“ für ein Jahr gesperrt. Sein Preisgeld in Höhe von 16.000 Dollar, umgerechnet rund 14.500 Euro, wird einbehalten.

Ausgestattet mit Gasmaske und Skibrille, hatte „Blitzchung“, der zu den weltweit besten Spielern des Online-Sammelkartenspiels zählt, nach einem Spiel der „Asia Pacific Hearthstone Grandmasters“ in einem per Stream live übertragenen Interview „Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit“ gerufen. Die beiden Moderatoren hatten sich dabei unter ihrem Tisch versteckt und unmittelbar Werbung eingeblendet, doch auch sie wurden von Blizzard bestraft und entlassen.

Ansehen des Spiels geschadet
Der Spielehersteller begründete seine Entscheidung, den Profi-Gamer für ein Jahr zu sperren und sein Preisgeld einzubehalten, mit einem Verstoß gegen die offiziellen Regeln für „Hearthstone“-Großmeister. Ihnen sei es untersagt,
öffentliche Aussagen zu tätigen, die dem Ansehen des Spiels oder dem Unternehmen Blizzard schaden könnten.

„Meine Art, mich an den Protesten zu beteiligen“
„Ich weiß, was mein Auftritt im Stream bedeutet. Es kann mir viel Ärger einbringen, auch für meine persönliche Sicherheit. Aber ich empfinde es als meine Pflicht, mich zu der Angelegenheit zu äußern“, sagte „Blitzchung“ gegenüber dem E-Sport-Portal „Inven“. Sein Aufruf im Stream sei seine Art gewesen, sich an den Protesten in Hongkong zu beteiligen. Er hoffe, dass diese dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommen, so der Gamer.

Blizzard erntet Shitstorm
Rückendeckung bekommt „Blitzchung“ aus der Community, die unter anderem auf Twitter unter dem Hashtag #Blizzardboycott dazu aufruft, während der Übertragung der Anfang November stattfindender Blizzard-Hausmesse Blizzcon ebenfalls „Befreit Hongkong“ zu rufen oder etwa Spiele des Herstellers zu deinstallieren.

Kritisiert wird vor allem der vorauseilende Gehorsam Blizzards gegenüber einem „opressiv-totalitären Staat“ wie China, wie ein Nutzer schreibt. Ein anderer schreibt: „Mein Lieblingsentwickler hat mich heute gelehrt, dass es besser ist, sich nicht für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen, denn sonst verliert man sein Preisgeld und wird sogar blockiert. Was zur Hölle?“

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