12.06.2019 12:48 |

„Es ist eine Schande!“

152 Millionen Kinder weltweit müssen arbeiten

Anlässlich des „Welttags gegen Kinderarbeit“ fordern Hilfsorganisationen und Politiker einen stärkeren Kampf gegen Kinderarbeit. Noch immer müssen 152 Millionen Mädchen und Buben - fast jedes zehnte Kind! - weltweit arbeiten, um zum Überleben ihrer Familien beizutragen.

Fast die Hälfte aller Kinder (73 Millionen), die ihre Familie bei der Erwerbsarbeit unterstützen, leide unter Arbeitsbedingungen, die gefährlich oder ausbeuterisch seien, so UNICEF. Die meisten von Kinderarbeit betroffenen Buben und Mädchen leben in Afrika (72 Millionen), gefolgt von Asien (62 Millionen). Über 70 Prozent der arbeitenden Mädchen und Buben seien in der Landwirtschaft tätig. In Afrika ist die Verbreitung von Kinderarbeit laut Kindernothilfe drastisch: eines von fünf Kindern muss teils ausbeuterischen Arbeiten nachgehen, um zu überleben.

Kinderleid für Schokolade
Besonders gefährlich ist auch die Arbeit im Kakaoanbau. Noch immer arbeiten rund zwei Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren allein in Ghana und der Elfenbeinküste (Cote d‘Ivoire) in diesem Sektor. Sie verrichten schwere körperliche Arbeit unter ständiger Verletzungsgefahr. So schleppen sie zum Beispiel Säcke mit Kakaobohnen oder Wasser für die Behandlung mit Insektiziden und schlagen die Schoten mit Macheten auf. Viele dieser Tätigkeiten seien gemäß Internationaler Arbeitsorganisation ILO für unter 17-Jährige strengstens verboten.

„Nationaler Vorstoß“ nötig
Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung, forderte, Produkte aus Kinderarbeit vom österreichischen Markt zu verbannen. „Es ist eine Schande, dass weltweit 73 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten müssen“, erklärte die Nationalratsabgeordnete: „Es braucht einen gesetzlichen Rahmen, der klare Sorgfaltspflichten für Händler und Produzenten definiert. “Ist es auf EU-Ebene noch nicht möglich, müssen wir fortschrittlichen EU-Mitgliedstaaten wie den Niederlanden folgen und einen nationalen Vorstoß machen“, so Bayr. Das christliche Hilfswerk “Jugend Eine Welt", die Dreikönigsaktion (DKA) der Katholischen Jungschar und die deutschsprachige Provinz der Don-Bosco-Schwestern appellieren ebenfalls an die heimische Politik, eine gesetzlich verbindliche Verankerung von umfassenden menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten zu verabschieden.

D: Unternehmen bei Verstößen sanktionieren
Um für das Thema Aufmerksamkeit zu generieren, wurde die E-Mail Aktion „Kinderarbeit stoppen“ gestartet. Bisher haben sich bereits laut Angaben der Organisatoren rund 100.000 Menschen der Aktion angeschlossen und Protest-E-Mails an österreichische Abgeordnete des National- und Bundesrats verschickt. Auch 55 Politiker schlossen sich den Forderungen der Initiative an. Online-Appelle gibt es auch in Deutschland - für die Einhaltung der Menschenrechte soll entlang der gesamten Lieferkette gesorgt werden. 
Unternehmen müssten verpflichtet werden, wirksame Melde- und Kontrollsysteme einzuführen. Bei Verstößen sollen diese sanktioniert werden - etwa durch den Ausschluss von öffentlichen Aufträgen.

Zwar ist die Zahl der arbeitenden Kinder in den vergangenen Jahrzehnten laut UNICEF stark gesunken - von 246 Millionen im Jahr 2000 auf 152 Millionen 2016. Der Rückgang habe sich zuletzt aber verlangsamt. „Wenn der Fortschritt lediglich im aktuellen Tempo weitergeht, werden auch im Jahr 2025 noch 121 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarbeit betroffen sein“, so die UN-Organisation.

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