Do, 20. Juni 2019
19.05.2019 11:29

Entlarvende Aussagen

Wie man die Macht bei der „Krone“ übernimmt

Die Kronen Zeitung - sie war Hauptthema in den Gesprächen des russischen Lockvogels mit den FPÖ-Politikern Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus im Juli 2017 (siehe Video oben). Man trägt der vermeintlichen Oligarchennichte an, bei der „Krone“ einzusteigen. Das wäre ein Raketenantrieb für die FPÖ bei den damals bevorstehenden Wahlen. Auch vom Investor René Benko, der dann 2018 tatsächlich „Krone“-Anteile erwarb, war beim Ibiza-Treffen die Rede.

Ausführlich berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Samstag-Ausgabe über die Ibiza-Videos. Die Gemeinschaft aus fünf Autoren schreibt über die Vorgeschichte: Über die Monate entsteht aber - sogar auf Initiative von Gudenus, jedenfalls sagt er das im Video - noch ein ganz anderer Plan: der mit der Übernahme der Kronen Zeitung. Das Boulevardblatt erreicht jeden Tag etwa zwei Millionen Leser, ein sagenhafter Wert bei insgesamt 8,7 Millionen Österreichern. Die Gunst der Krone war schon immer ein Schlüssel zur politischen Macht in Österreich, man kann sagen: Die Kronehat Kanzler gekürt und Kanzler gestürzt. Wenn die Russin wirklich Anteile der Zeitung kaufen und die Berichterstattung zugunsten der FPÖ beeinflussen könnte - das wäre nicht einfach nur ein ungeheurer Vorteil für die Partei. Es wäre ein Raketenantrieb im Wahlkampf.

Video: Was Sie über das Ibiza-Video wissen müssen

Und das Magazin „Der Spiegel“ formuliert in seiner am Samstag erschienenen Wochenendausgabe in einem dreiseitigen großformatigen Extrateil: Der jungen Russin aus Lettland wird nahegelegt, die Hälfte des Verlags der „Krone“ diskret zu erwerben. Wenn diese Zeitung vor der Wahl „auf einmal uns pusht“, begeistert sich Strache und spekuliert in Prozenten, „dann machen wir nicht 27, dann machen wir 34“.

Mit der „Krone“, so wirbt Strache, spiele sie „mit bei den zehn mächtigsten Leuten Österreichs“. Und der „Spiegel“ wörtlich: Zwar gebe es in der „Krone“-Redaktion noch Querköpfe, „drei, vier Leute, die müssen abserviert werden“, aber „wir holen gleich noch mal fünf neue herein“. Ob das so einfach ist? „Journalisten sind ja sowieso die größten Huren auf dem Planeten“, sagt Strache. Ja, wie formuliert es der machtrauschige damalige FPÖ-Chef? „Zack, zack, zack“ werde das gehen.

Er könne den Missing Link zur Funke-Mediengruppe herstellen, behauptet Strache. Der deutschen Verlagsgruppe, einst WAZ, gehörte damals noch die eine Hälfte der Kronen Zeitung, den Nachkommen des langjährigen Herausgebers Hans Dichand die andere, weiß der „Spiegel“ zu berichten. Und zitiert Strache mit der Aussage, er habe den „richtigen Mann, um bei der Neuausrichtung des Boulevardblatts zu helfen“, und meint jenen Investor, „der für Orban alle ungarischen Medien der letzten 15 Jahre aufgekauft und für ihn aufbereitet hat“. Und von Ungarn lasse sich schließlich lernen. Strache im Ibiza-Video: „Wir wollen eine Medienlandschaft ähnlich wie der Orban aufbauen.“

Immer wieder stelle die Russin laut „Spiegel“ die Frage nach einer Gegenleistung. Wenn sie die „Krone“ noch vor der Wahl übernehme und „uns zum Platz eins bringt“, sagt der FPÖ-Chef schließlich, „dann können wir über alles reden“. Es ist der größte Offenbarungseid, den Strache an diesem Abend leistet: Man könne über alles reden. Über alles.

Mit René Benko auf der 62-Meter-Jacht
Was das deutsche Magazin auch zu berichten weiß: Der freiheitliche Politiker, der in der Öffentlichkeit „gern den Kämpfer gegen das Establishment“ gibt, prahlt in der vermeintlichen Oligarchenvilla damit, dass er „mit Österreichs Milliardären seit Langem auf Du und Du“ sei. Und so habe er den Immobilienmogul und Karstadt-Eigentümer René Benko auf Ibiza getroffen, der sei dort auf der 62-Meter-Jacht „RoMa“ gewesen.

Mit Benko, der schließlich statt der russischen „Oligarchin“ nach der Kronen Zeitung griff, beschäftigen sich auch die Autoren in der „Süddeutschen Zeitung“. Sie schreiben über den Milliardär René Benko, der mit seinen Immobiliendeals auch in Deutschland Aufsehen erregt, etwa mit dem Karstadt-Kauf. Benko soll laut Strache an FPÖ und ÖVP zahlen.

Noch mehr weiß der Wiener „Falter“ zu diesen Zusammenhängen zu berichten. Hier heißt es unter anderem: Im vergangenen November verkaufte die Funke-Gruppe dann tatsächlich Anteile. Der Tiroler Milliardär René Benko hat damals 49 Prozent der österreichischen Sparte übernommen. Auch sein Name fiel schon an dem Abend in Ibiza: „Und der Nächste, der auf alle Fälle kommt, ist der Benko, der will nämlich sowieso die ,Krone‘, prophezeite Strache.

Kronen Zeitung

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