Do, 23. Mai 2019
02.05.2019 08:00

Tour durch Frankreich

Genusswochenende in der Provence mit Pierre(s)

Die Provence ist ein überaus lohnendes Reiseziel, bietet alles, was das Urlauberherz begehrt, besonders auch dann, wenn man gerne gut isst und außerdem auch noch Pierre Reboul kennt.

Pierre Reboul gibt es zweimal. Das ist eine gute Nachricht. Denn der, der in Österreich nach einem 12 Jahre dauernden Umweg über New York lebt, hat französische Pâtisserie und die besten Croissants (zu haben übrigens bei Ströck) nach Wien gebracht. Aber: Es gibt noch einen, der Genuss und gutes Essen mindestens genauso liebt und lebt. Nämlich in Aix-en-Provence werkt ein Namensdoppelgänger als Michelin-Sterne-Koch im Château de la Pioline. Das ist unser Ziel, bequem zu erreichen, nachdem die spanische Low-Cost-Airline Volotea seit April Wien und Marseille verbindet. Vom Flughafen Marseille ist es ein Katzensprung nach Aix, wo in einem Vorort - gut versteckt hinter einem Einkaufsviertel - wie eine Oase das Schloss liegt, in dem Pierre Reboul 2 sein Gourmetrestaurant samt Hotel betreibt.

Namensvetter verstehen sich auch kulinarisch prächtig
Die gastronomische Reise beginnt, wie kann es anders sein, mit einem feinen mehrgängigen Menü, bevor die zwei Pierres aufeinandertreffen. Verwechselt worden sind sie schon oft. Wer dem Genuss auf der Spur ist, landet unweigerlich bei dem einen oder anderen, wenn er das Internet bemüht. Wundert sich, wie einer, der in New York oder nun in Österreich lebt, ein Restaurant in Aix betreiben kann und umgekehrt. Jetzt stehen sie einträchtig im Gemüsefeld von Alexandre Troupel und diskutieren über Geschmäcker, regionale Zutaten und Gott und die Welt. Sie sind sich sympathisch, das spürt man, auch wenn ich nicht jedes einzelne Wort verstehe. Es geht darum, etwas zu schaffen, was schmeckt. Da sind sie sich einig.

Wer den Markt in Aix-en-Provence besucht, wird ob der bunten Vielfalt begeistert sein. Hier wird ein Fest für die Augen geboten. Berge von roten Tomaten, blau-schwarzen Auberginen, grünen Artischocken, Spargel, Radieschen, gelbe Zitronen wie aus dem Bilderbuch, alles was das Herz begehrt, und mehr. Käse in schier unglaublicher Auswahl. Würste. Brot – bei Brot ist „unser“ Pierre ein wahrer Experte, arbeitet er schließlich beim Wiener Traditionsbäcker Ströck, bei dem er neue Entwicklungen in der Backstube vorantreibt. Unsere beiden Pierres besprechen, was für das abendliche Menü gebraucht wird, bevor wir bei einem der Händler – es werden auch Fisch und Meeresfrüchte angeboten – hinter der Budel landen und Austern, Muscheln und Seeigel schlürfen. Zwischendurch gehen wir der Marktfrau zur Hand, reichen ihr, was sie braucht, um die Einkäufe ihrer Kunden einzupacken. Die Sonne scheint, das Leben ist schön. Manchmal braucht es nicht viel, um glücklich zu sein. In diesem Fall 32 € für Unmengen von den Meeresfrüchten. Auch mir schmecken die rohen Muscheln, Seeigel und natürlich Austern, obwohl ich – das muss ich ehrlich zugeben – nie gedacht habe, dass ich so etwas kosten möchte, geschweige denn, dass dies wirklich ein Genuss sein kann.

Im Käsehimmel von Frankreich
Aix-en-Provence, die Stadt von Paul Cézanne, zählt etwa 140.000 Einwohner und bezaubert mit ihrem eleganten Flair. Am Cour Mirabeau – keine andere Flaniermeile in der Region kann es mit dem Prachtboulevard aufnehmen – wird dreimal die Woche (Dienstag, Donnerstag, Samstag) Markt gehalten. Wer einen kleinen Abstecher wagt, landet sozusagen im Käsehimmel. Ohne Käse geht in Frankreich gar nichts. Offiziell gibt es etwa 380 Sorten. Hungrig ist von uns keiner, aber diese Fromagerie du Passage war doch zu verlockend. Wer noch einen kleinen Happen zwischendurch braucht, dem sei ein Abstecher in das Caumont Art Center empfohlen, einem Stadtpalais mit barockem Buchsbaumgarten, Prunkräumen, Wechselausstellungen und einem Café im Rokokostil.

Die Patisserie Confiserie Riederer in der Rue Vauvenargues können wir auch nicht auslassen - das war das große Vorbild von Pierre Reboul, als er von Südfrankreich in die Welt (Asien, New York und jetzt Österreich) zog, um selbst ein ganz Großer seines Faches zu werden. Jetzt kommt er für einen Abstecher zurück in seine Heimat, steht er mit Pierre Reboul, dem Sternekoch, in der Küche, und bereitet sich auf den kulinarischen Höhepunkt dieser Reise vor: 8 Gänge (145 €), einer besser als der andere, dazu Brot, wie es nicht besser schmecken könnte und wie es auch bei Ströck Feierabend in Wien zu erhalten ist - für alles andere muss man sich auf den Weg in die Provence machen, um einen Genuss der Extraklasse zu erleben, aber das zahlt sich absolut aus! Wer gerne sehr gut isst, ein schönes Ambiente genießen will, ist im Château de la Pioline richtig.

Auch für Sehenswürdigkeiten bleibt noch ein wenig Zeit
Natürlich sind wir nicht nur zum Essen gekommen, schließlich liegen weltberühmte Sehenswürdigkeiten nur einen Katzensprung entfernt, ein Mietauto ist deshalb eine gute Wahl. Wir entscheiden uns für Arles. Claudia, die es aus der Schweiz vor etwa 30 Jahren in diese Gegend verschlagen hat, ist uns eine ausgezeichnete Führerin. Theater, Arena, die Kathedrale St. Trophime und der Kreuzgang, eines der Juwele der romanischen Kunst in der Provence, die Constantin-Therme, das ehemalige Hotel-Dieu (Espace van Gogh), die Stadt hat viele Schätze zu bieten, aber ist auch das Tor in die Camargue, wo wir in einem Landgasthaus (L’Estrambord) in Sambuc lokale Spezialitäten genießen und außerdem unter lauter Einheimischen ein Geburtstagsfest mitfeiern dürfen, Livemusik mit Nachfolgern der Gipsy Kings inklusive. Es ist schwer, sich loszureißen, aber wir wollen noch Flamingos, weiße Pferde und schwarze Stiere sehen – das gelingt auch, wenngleich die Anzahl nicht unbedingt mit den Bildern, die ich im Kopf habe, übereinstimmt. Die Luft ist salzig, die Sonne wärmt das Gesicht, ein Spaziergang am Deich eignet sich vortrefflich, um die Tiere zu beobachten, um abzuschalten, um den mystischen Reiz dieses Biotops zwischen Wasser und Land zu erleben.

Der Kontrast ist gross, als wir anderentags einen Abstecher zum Château La Coste machen. Inmitten von Hügeln, die mit den typischen Olivenbäumen, Zypressen und Wein bewachsen sind, liegt ein modernes Weingut, wo auch zeitgenössische Kunst – z. B. von Hochkarätern wie Frank Gehry, Jean Nouvel oder Renzo Piano – zu sehen ist, Wein verkostet oder auch in einem ansprechenden Designhotel übernachtet werden kann. Der Rundgang zwischen den Kunstwerken dauert etwa zwei Stunden, für das leibliche Wohl gibt es verschiedene Restaurants, die empfehlenswert sind. Es ist ein Gesamtkunstwerk und guter Abschluss eines Wochenend-Trips in die Provence, denn die Flugtage Freitag und Montag erweisen sich für ein derartiges Vorhaben als günstig.

Andrea Thomas, Kronen Zeitung

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