Di, 21. Mai 2019
20.04.2019 15:52

20. April 1941

Der Tag, an dem der Fußball Hitler verspottete

Nazi-Deutschland wollte einen perfekten „Führergeburtstag“. Laute, gute Nachrichten, laute Erfolge an jeder Front. Da passte die Niederlage der Großdeutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz (1:2) überhaupt nicht ins Bild. Propagandaminister Göbbels war so wütend, dass er den 20. April, den wichtigsten Feiertag des Deutschen Reiches, fortan für Länderspiele untersagte. 

Auch am 20. April 1941, am 52. Geburtstag von Hitler, war alles vorbereitet. Der Diktator saß in seinem Front-Hauptquartier, in einem Zugwaggon in Mönichkirchen und nahm die Glückwünsche von der NSDAP-Führung, überreicht von Reichsmarchall Göring und von den Soldaten, entgegen. Die Luftschlacht von Athen war im Gange, die ersten Misserfolge der deutschen Wehrmacht sickerten nicht durch die Zensur des Nazi-Staates. Eine ideale Gelegenheit, dachte sich Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, ein „Freundschaftsspiel“ gegen die schwächer eingeschätzte Schweiz zu absolvieren.

Auch in der Schweiz war die Stimmung feierlich. 13 Sonderzüge aus allen Teilen des Landes kamen nur wegen des Spieles nach Bern. Insgesamt fanden sich 38.000 Zuschauer im Wankdorf-Stadion ein. Vor dem Anpfiff begrüßte der Schweizer General Henri Guisan die Spieler einzeln per Handschlag. Die „Großdeutschen“ reckten den Arm zum Hitlergruß. Zudem wurde für die Gäste neben „Deutschland, Deutschland über alles“ entgegenkommenderweise auch das Horst-Wessel-Lied, der Kampfgesang der Nazis, intoniert.

Und dann machte der Fußball Hitler-Deutschland einen Strich durch die Rechnung. 2:1 gewann die Schweiz gegen die favorisierte deutsche Mannschaft. Helmut Schön (1974 als Nationaltrainer Weltmeister), der damals mitspielte, erinnerte sich später: „Es grenzte an Hochverrat und Majestätsbeleidigung.“ Die Deutschen hatten nach 20 Minuten noch 1:0 geführt. Dann drehten die Schweizer die Partie durch zwei Tore von Numa Monnard. Joseph Goebbels war außer sich. Es dürfe, schrieb der Reichspropagandaminister erbost an Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, in Zukunft „kein Sportaustausch gemacht werden, wenn das Ergebnis im geringsten zweifelhaft“ sei.

Belohnung
Die Schweizer Spieler wurden belohnt: Torhüter und Soldat Erwin Bellabio genoss acht Tage Urlaub. Diese waren ihm von seinem Kommandanten versprochen worden, sollte er zum Sieg gegen Nazi-Deutschland beitragen.

Tamas Denes
Tamas Denes

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