07.04.2019 06:00 |

Im Super-GAU-Fall

„Müssten wochenlang immer wieder dekontaminieren“

Die für die kommenden Monate geplante Inbetriebnahme zweier weiterer veralteter Reaktorblöcke im slowakischen Atomkraftwerk Mochovce - nur knapp 150 Kilometer von Wien entfernt - sorgt weiter für Aufregung und Verunsicherung. Was ein möglicher Super-GAU für Österreich und unsere Bundeshauptstadt bedeuten würde, hat Oberst Jürgen Schlechter, Kommandant des ABC-Abwehrzentrums, im Gespräch mit krone.tv-Moderator Gerhard Koller beantwortet. Laut Schlechter stünde das Bundesheer „mit 450 Soldaten bereit“ und müsste als erste Maßnahme „Menschen wochenlang immer wieder dekontaminieren“.

Ehemalige Arbeiter, Ingenieure und Whistleblower wandten sich an die Umweltschutzorganisation Global 2000 und warnten vor gravierenden Mängeln am Bauprojekt. Foto-Dokumente und Zeugenaussagen würden belegen, dass die Hülle des Reaktors durch Bohrungen beschädigt wurde und im Falle eines Erdbebens oder von Explosionen im Zuge eines schweren Unfalls versagen könnte. Tausende Löcher seien „einfach im Blindflug“ in die Wände des Reaktorgebäudes und der hermetischen Kammern gebohrt worden, um Halterungen für Kabel, Rohre und Dampferzeuger zu befestigen. Global 2000 fordert deshalb einen Baustopp für Mochovce, das „keinerlei AKW-Voraussetzungen erfüllt“.

„Wochenlang immer wieder dekontaminieren“
Solange ein AKW funktioniert, sei laut Schlechter nichts zu befürchten. „Problematisch wird es bei Betriebsstörungen oder bei einem Unfall. Dadurch werden radioaktive Partikel in die Luft freigesetzt, die entweder über Wind und Wetter oder an Personen, Kleidung, Lebensmittel, Fahrzeugen haftend nach Österreich kommen können“, warnt der Kommandant des ABC-Abwehrzentrums. Grundsätzlich müssten als erste Maßnahme Menschen wochenlang immer wieder dekontaminiert werden, vor allem in verseuchten Gebieten. Evakuierungsmaßnahmen seien in Österreich nicht oder höchstens in einem sehr kleinen Rahmen zu erwarten.

Österreich von Atomreaktoren umringt
Österreich ist von zahlreichen grenznahen Atomkraftwerken umringt. Für den Fall eines Zwischenfalls gebe es keine Warnungen seitens der ausländischen Militärbehörden, sehr wohl aber von zivilen Stellen, mit denen die Zusammenarbeit ausgezeichnet funktioniere und mit denen Daten ausgetauscht würden. Zudem sei jeder AKW-Betreiber - jene von Mochovce orten „Panikmache“ - verpflichtet, jeden Störfall umgehend zu melden. Fürs Bundesheer gebe es keine andere Möglichkeit, schneller an Informationen zu kommen als über diese zivilen Behörden. In Österreich ist das Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus unter Elisabeth Köstinger zuständig. Im Falle des Falles werden dann die Exekutivkräfte eingeschalten.

Was würde ein Super-GAU in Mochovce für Ostösterreich und Wien bedeuten? Schlechter: „Seit Tschernobyl gibt es ein Strahlungsfrühwarnsystem mit über 300 feinfühligen Messstationen in ganz Österreich. Dadurch werden wir auch ohne Behörden gewarnt. Darüber hinaus existieren Alarmpläne, die auch geübt werden. Wir können in Österreich sehr schnell reagieren, sobald das Messsystem anschlägt.“

„Fenster und Türen schließen und mit Klebeband abdecken“
Am gefährlichsten sei es, wenn radioaktive Partikel in die Nahrung eindringen oder vom Menschen über die Atmung aufgenommen werden. „Das Einfachste, was Herr und Frau Österreicher tun können, ist, sich in ein Gebäude zurückzuziehen, Fenster und Türen zu schließen, mit einem Klebeband abzudecken und das Radio aufzudrehen.“ In der Zwischenzeit sollte eine sogenannte Alarmkette aufgebaut worden sein, aufgrund der Wetterlage würden dann die am meisten gefährdeten Gebiete festgestellt.

Gleichzeitig müsse auch der Verkehr, der aus diesen Gebieten oder aus dieser Richtung kommt, überprüft und dekontaminiert werden. „In so einem Fall würde das Bundesheer mit rund 450 Soldaten den gesamten Verkehr stoppen und die Verstrahlungen entfernen“, sagte Schlechter. Durch Atemschutzmaßnahmen können über 90 Prozent der möglichen Schadeinwirkung verhindert werden.

Georg Horner
Georg Horner

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