Flüchtlinge? Piraten?

Handelsschiff im Mittelmeer entführt

Flüchtlinge oder skrupellose Piraten? Ein angeblich gekapertes Handelsschiff sorgt für eine neue Eskalation in der Debatte um Migration über das Mittelmeer. Der Kapitän des Tankschiffs hatte Alarm geschlagen, der Frachter wurde nach Malta eskortiert. Letztlich geht es um das Schicksal von 108 Menschen aus Afrika - einige von ihnen wurden festgenommen.

Was geschah am Dienstagabend auf der El Hiblu 1? So genau weiß das niemand. Das Handelsschiff hatte 108 Menschen - davon 19 Frauen und zwölf Minderjährige - vor Libyen aufgenommen und sei auf dem Weg nach Tripolis „von den Schiffbrüchigen in Richtung Europa umgeleitet worden“, heißt es in italienischen und maltesischen Medienberichten. Der Kapitän habe zuvor einen Alarm abgesetzt.

Die maltesische Küstenwache eskortiere das Schiff schließlich mit Hubschrauberbegleitung nach La Valletta. Fünf Migranten wurden festgenommen - ihnen wird vorgeworfen, die Besatzung gezwungen zu haben, Kurs auf Malta zu nehmen. Sie verließen das Schiff in La Valetta laut Behördenangaben in Handschellen.

Salvini sicher: „Es sind Piraten“
Was mit den übrigen Menschen an Bord geschehen soll, ist vorerst unklar und sorgt für heftige Diskussionen - einige knieten und küssten den Boden, als sie ausstiegen. Sie sollen vorübergehend in einem Hotel in der Stadt Marsa untergebracht werden.

In den sozialen Medien finden sich unzählige Postings zum Thema. Für Italiens Innenminister Matteo Salvini ist die Sachlage klar: „Es sind keine Schiffbrüchigen, es sind Piraten.“ 

In einer Videobotschaft auf Facebook wandte sich Salvini direkt an diejenigen, die das Schiff entführt hätten. „Ihr könnt vergessen, nach Italien zu kommen!“, polterte der Lega-Chef. „Es ist offenkundig, dass es hier nicht um arme Schiffbrüchige, sondern um einen kriminellen Menschenhandel geht. Jetzt werden sogar schon private Schiffe entführt.“

Der maltesische Premier Joseph Muscat meinte hingegen auf Twitter: „Wir entziehen uns trotz der Dimension unserer Insel nicht unseren Pflichten. Wir werden alle internationalen Vorschriften akzeptieren.“

NGO: „Menschen auf der Flucht vor libyschen Konzentrationslagern“
Die italienische NGO „Mediterranea Saving Humans“ erklärte, dass sich an Bord der El Hiblu 1 Menschen auf der Flucht vor „libyschen Konzentrationslagern“ befinden würden. Es sei Italiens Pflicht, die Migranten aufzunehmen. „Diese Migranten dürfen weder als Piraten, noch als Kriminelle, sondern als Asylsuchende auf der Flucht“, so die NGO.

Das Frachtschiff wurde just an dem Tag gekapert, an dem die EU ihre Mittelmeer-Mission „Sophia“ wegen des Streits um die Flüchtlingsaufnahme mit Italien einstellte. Eine von den Mitgliedstaaten ausgehandelte Kompromisslösung sieht vor, das Mandat der Mission zwar zu verlängern - allerdings ohne den Einsatz von Schiffen. Dafür soll die Luftüberwachung über dem Mittelmeer ausgebaut werden. Der „Sophia“-Einsatz würde ohne Mandatsverlängerung am 31. März enden.

Die italienische Regierung wollte seit Monaten erreichen, dass die Mission nicht mehr automatisch alle geretteten Flüchtlinge nach Italien bringt, und forderte dazu eine Überarbeitung der Einsatzregeln. Rom drohte deshalb, die Verlängerung des „Sophia“-Mandats zu blockieren.

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