19.02.2019 13:10 |

Trauer um Mode-„König“

Karl Lagerfeld ist tot

Die Modewelt trauert um „König Karl“: Karl Lagerfeld ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Der Designer, der schon seit Wochen gesundheitlich angeschlagen war, soll an Bauchspeicheldrüsenkrebs gelitten haben.

Eine Person im Umfeld des Modehauses Chanel bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht des französischen Magazins „Paris Match“. Der 85-Jährige war bereits auf der Chanel-Modenschau in Paris im Jänner nicht aufgetreten, was Spekulationen über seinen Gesundheitszustand ausgelöst hatte. Eine Mode-Kritikerin sagte, sie könne sich nicht erinnern, dass Lagerfeld in seinen 35 Jahren bei Chanel jemals eine Schau verpasst habe. Das Modehaus begründete das Fehlen des Modezaren damals mit „Müdigkeit“. 

Der Chef des französischen Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault, würdigte Lagerfeld als einen „großen Inspirator“ für Mode und Kultur. Der Chanel-Konzern gab unterdessen bekannt, dass Virginie Viard, engste Mitarbeiterin von Karl Lagerfeld und Vize-Kreativdirektorin der berühmten Marke, dem verstorbenen Stardesigner als Kreativdirektorin nachfolgen soll.

Letztes Jahr sprach er noch übers Älterwerden
Im letzten April hatte „König Karl“ in einem großen Interview mit dem Magazin „Numéro“ über das Älterwerden gesprochen: „Im Moment leide ich nicht so schlimm“, sagte er damals. „Die Ärzte haben mich voll durchgecheckt, ich hatte jeden Test, den es unter der Sonne gibt. Sie haben nichts gefunden - wir können in zehn Jahren noch einmal drüber reden.“

Scharfe Kritik an Merkel sorgte im letzten Jahr für Aufregung
Für Aufregung sorgte Lagerfeld zuletzt im Frühling 2018, als er die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel scharf kritisierte. Merkel habe mit ihrer angeblichen Entscheidung, „eine Million Zuwanderer“ in Deutschland aufzunehmen, der AfD bei den Wahlen im vergangenen Jahr den Weg in den Bundestag geebnet, so der Modezar. „Das Paradoxe daran ist, dass Merkel das Böse an die Macht befördert, während sie es reparieren will.“

Seit 1952 lebte Lagerfeld in Paris, doch „wenn das weitergeht, gebe ich die deutsche Staatsangehörigkeit auf“, sagte er. Allerdings wolle er auch kein Franzose werden. Er möge Nationen nicht und fühle sich als Kosmopolit.

Lagerfelds Look legendär
Karl Lagerfeld wurde am 10. September 1933 in Hamburg geboren. Doch der Modeschöpfer, Designer, Fotograf und Kostümbildner kokettiert gerne mit seinem wahren Alter. Das nicht genaue Wissen seines Alters gehörte ebenso zu Lagerfelds Markenzeichen wie die weißgepuderten Haare, die Sonnenbrille, der Vatermörderkragen und die fingerlosen Handschuhe.

Zur Mode kam der Sohn eines Dosenmilchfabrikanten aus Hamburg eher unfreiwillig. Eigentlich habe er Klavierspielen wollen, erzählte Lagerfeld selbst. Eines Tages habe ihm seine Mutter aber den Klavierdeckel über den Fingern zugeschlagen und gesagt, er solle lieber zeichnen, das mache „weniger Lärm“. 

Entdeckte Claudia Schiffer
Sein Vater hatte mit der Kondensmilch Glücksklee ein Vermögen gemacht, und so verbrachte Lagerfeld auf Gut Bissenmoor bei Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein eine unbeschwerte Kindheit und Jugend. Doch die Provinz war nicht das Richtige für ihn. Folgerichtig schickte seine Mutter ihn nach Paris auf die Schule. 
Dort bekam Lagerfeld mit seinem Zeichentalent in den 50er-Jahren eine erste Anstellung beim Couturier Pierre Balmain. Anfang der 60er-Jahre wurde er künstlerischer Leiter bei Chloé, zwanzig Jahre später nahm ihn das Traditionshaus Chanel unter Vertrag.

Für Chanel entdeckte er Ende der 80er-Jahre das deutsche Model Claudia Schiffer. Er machte sie zu einem der ersten Supermodels. Noch viele Jahre später stand Schiffer für ihn vor der Kamera: Lagerfeld fotografierte die 39-jährige zweifache Mutter 2010 hochschwanger und nackt für das Titelbild des deutschen Modemagazins „Vogue“.

Seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte Lagerfeld ebenfalls Ende der 80er-Jahre. Damals war er als Designer bei Chanel mit dessen Fotodirektor aneinandergeraten, der ihm schließlich genervt empfahl: „Wenn Sie so schwierig sind, dann machen Sie‘s doch selbst!“ Was der Modemacher sich nicht zweimal sagen ließ.

Bekannt wurden unter anderem Lagerfelds Aufnahmen für den Pin-up-Kalender des italienischen Reifenherstellers Pirelli. Ehrgeizig sei er aber nicht, behauptet der Modemacher. „Wenn Arbeit kein Vergnügen ist, ja, dann wird es sowieso grauenhaft“, sagt er in Interviews. Er halte Kreativität für einen Muskel, „und der muss trainiert werden“. Das Wort Inspiration sei dagegen „fast immer ein Passwort für Faulheit“. Einfach auf eine gute Idee warten, so gehe es eben nicht. „Inspiration kommt beim Arbeiten wie der Appetit beim Essen.“

2010 schuf sich der in der Branche „Kaiser Karl“ genannte Lagerfeld neben der Haute Couture mit der Massenfertigung ein zweites Standbein. Nicht ganz unerwartet, denn schon 1996 hatte er eine Kollektion für den Quelle-Katalog entworfen. 2004 schuf er mehrere Modelle für die schwedische Modekette H&M, die binnen zwei Tagen ausverkauft waren. Nebenbei arbeitete er für das italienische Traditionshaus Fendi und für seine eigene Marke, KarlLagerfeld, die später in den Besitz britischer Investoren überging.

Er könne nichts wertschätzen, was vorbei sei, sagte Lagerfeld einmal. „Ich interessiere mich nur für das, was ich gerade tue, was ich tun werde.“ Und dabei kann es ihm nicht oberflächlich genug zugehen. „Ich mag nur das Oberflächliche, das Leichte.“ Mit Leuten wie sich selbst wolle er gar nichts zu tun haben, „das langweilt mich zu Tode“, sagte der Macher von sich.

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