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06.01.2019 12:59

Briten wegen Brexit verunsichert: Run auf EU-Pässe

Ende März will Großbritannien den Brexit vollziehen und die Europäische Union verlassen. Das ist vielen Briten nicht geheuer - sie wollen sich mit einem Pass eines anderen EU-Landes absichern. Entsprechende Anträge von Briten sind in vielen Staaten sprunghaft gestiegen, besonders beliebt sind Irland, Deutschland, Portugal und Bulgarien. An österreichischen Staatsbürgerschaften besteht eher geringes Interesse, denn 2018 wurden in den ersten drei Quartalen nur 31 entsprechende Anträge von Briten gestellt.

Zwischen 2007 und 2014 wurden bei uns laut Statistik Austria jedes Jahr zwischen drei und sieben Briten eingebürgert. 2015 und 2016 waren es jeweils zehn, 2017 24. In den ersten drei Quartalen 2018 stieg die Zahl zwar auf 31, das ist jedoch nur ein Bruchteil der rund 10.700 Briten, die hierzulande leben. Österreich zählt zu den EU-Staaten mit den restriktivsten Einbürgerungsgesetzen, auch wenn es für EU-Bürger Erleichterungen gibt. Sie erwerben bereits nach sechs Jahren rechtmäßigem und ununterbrochenem Aufenthalt in Österreich einen Rechtsanspruch auf die Verleihung der Staatsbürgerschaft. Ähnliche Zahlen wie in Österreich werden aus Polen, Tschechien und Griechenland gemeldet.

Deutschland
Die Einbürgerungen von Briten in Deutschland liegen auf Rekordniveau: 2017 erhielten rund 7500 Briten die Staatsbürgerschaft. 2015 waren es nur 622 gewesen, 2016 - im Jahr des Brexit-Votums - kletterte die Zahl schon auf 2865. Die Briten nahmen 2017 in dieser Rangliste den zweiten Platz ein, mehr Eingebürgerte kamen nur aus der Türkei. Ende 2017 lebten etwa 116.000 Briten in Deutschland. Informationen darüber, wie viele Personen insgesamt sowohl die deutsche als auch die britische Staatsangehörigkeit besitzen, liegen nicht vor.

Irland
Das Interesse an irischen Pässen ist ebenfalls deutlich gestiegen. Das begehrte Dokument ist auch relativ leicht zu bekommen, wenn man irische Wurzeln hat. Es reicht schon, wenn nur der Opa oder die Oma in Irland geboren wurden, aber der Betroffene selbst und seine Eltern nicht. Nach Angaben der Regierung in Dublin gab es im vergangenen Jahr rund 183.000 Anträge auf einen irischen Pass aus Großbritannien. Rund 85.000 davon kamen aus Nordirland. Dort Geborene haben grundsätzlich Anspruch auf beide Pässe.

Portugal
In Portugal schnellte die Zahl der Anträge von 62 im Jahr 2015 auf rund 500 in den ersten elf Monaten des Jahres 2018 hoch. Dort dürfen die Briten ihren britischen Pass behalten, auch wenn sie Portugiesen werden. In Portugal darf man einen Einbürgerungsantrag schon nach sechs Jahren stellen, der Sprachtest wird als relativ leicht beschrieben. In Portugal leben etwa 50.000 Briten.

Spanien
Im Pensionistenparadies Spanien gibt es keinen echten Run von Briten auf einen EU-Reisepass. Zwar hat sich in den ersten zehn Monaten des Jahres 2018 die Zahl der Briten, die die spanische Staatsbürgerschaft beantragten, im Vergleich zu 2015 mehr als verdreifacht. Die absolute Zahl ist mit 166 aber sehr niedrig. Denn Spanien verlangt von allen britischen Neubürgern die Aufgabe der britischen Staatsbürgerschaft. Wer einen Antrag stellt, muss mindestens zehn Jahre im Land gelebt haben, einen Sprachtest bestehen und auch Fragen zur Geschichte, Kultur, Politik und Geografie des Landes beantworten können.

Bulgarien
Rund 40.000 Briten haben sich in Bulgarien niedergelassen. Viel Sonne und billig - das ärmste EU-Land ist vor allem bei Pensionisten beliebt. Nach dem Brexit-Votum bot Regierungschef Bojko Borissow den in dem südosteuropäischen Land lebenden Briten an, die bulgarische Staatsangehörigkeit zu beantragen. Es liegt aber noch keine Statistik darüber vor, wie viele von ihnen von dem Angebot Gebrauch gemacht haben.

Italien
Rund 65.000 Briten leben schätzungsweise in Italien, offizielle Zahlen sind aber kaum zu bekommen. Auch der britische Schauspieler Colin Firth nahm die italienische Staatsbürgerschaft an. Er habe dies als „vernünftigen“ Schritt angesichts weltweiter politischer Unsicherheit unternommen, kommentierte Firth einmal. Seine Frau ist Italienerin.

Schweden
Um eine schwedische Staatsbürgerschaft bewarben sich 2015 nur 511 Briten. Ein Jahr später waren es mit knapp 1600 Anträgen bereits mehr als dreimal so viele. Mitte 2018 tauchte Großbritannien in den schwedischen Statistiken anders als in den Vorjahren unter den zehn häufigsten Ursprungsländern der Personen auf, die die schwedische Staatsbürgerschaft erhalten haben - hinter Ländern wie Syrien, Somalia und Afghanistan. Bis Ende Mai hatten da 583 Briten einen schwedischen Pass erhalten.

Estland
Ganz anders ist die Lage in Estland. Zwischen 2015 und 2017 hat sich kein einziger Brite um eine Staatsbürgerschaft bemüht. Grund sind wohl auch hier die strengen Regeln: Bewerber müssen unter anderem mindestens acht Jahre in dem baltischen EU-Land gelebt haben, die letzten fünf davon dauerhaft. Dafür können Briten estnische E-Bürger werden - dabei handelt es sich allerdings um keinen echten Pass mit allen Rechten, einen Anspruch auf einen physischen Wohnsitz haben E-Bürger beispielsweise nicht. Dafür können sie etwa eine Firma in Estland gründen. Fast 2500 Briten haben sich bereits eine solche elektronische Staatsbürgerschaft gesichert.

May: Keine neuerliche Verschiebung des Parlamentsvotums 
Die britische Premierministerin Theresa May ist am Sonntag Spekulationen über eine mögliche neuerliche Verschiebung des Parlamentsvotums über ihren umstrittenen Brexit-Deal mit der Europäischen Union entgegengetreten. Die Abstimmung werde wie geplant um den 14. oder 15. Jänner herum stattfinden, sagte May der BBC.

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