Do, 13. Dezember 2018

Instagram & Co.

17.11.2018 06:00

Die Selfie-Krankheit

Übertriebene Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken wird in vielen Fällen mittlerweile als psychische Störung eingestuft. Dabei wird die Wirklichkeit verzerrt und ein unrealisitsches Körperbild gezeigt. Rund zwei Prozent der Bevölkerung sind bereits betroffen.

Im Jahr 2013 berichteten Medien über die Existenz der sogenannten „Selfitis“, der zufolge Psychologen im übermäßigen Aufnehmen und Posten von Selfies eine mentale Erkrankung sahen. Man verwies darauf, dass bei permanentem Posten von Selbstporträts in sozialen Netzwerken möglicherweise fachmännische Hilfe erforderlich sei.

Selfie-Sucht als Gefahr
„Obwohl sich diese Berichte zunächst als Ente erwiesen, können wir nun die Existenz der Erkrankung bestätigen und die erste Skala zu ihrer Messung präsentieren“, erklärt Dr. Mark Griffiths vom psychologischen Institut der Universität Trent (GB). Der Maßstab, der von 1 bis 100 reicht, wurde mittels Fokusgruppen mit 200 Teilnehmern in Indien festgelegt, da der südasiatische Staat neben den meisten Facebook-Usern auch die höchste Anzahl an Todesfällen aufweist, die durch das Aufnehmen von Selfies an gefährlichen Plätzen verursacht werden. Beim Erstellen eines Selbstporträts sind zwischen März 2014 und September 2016 weltweit 127 Menschen gestorben, 76 davon alleine in Indien.

Unrealistische Körperbilder
Ebenso bedenklich ist für Humanforscher die ständige Suche nach dem idealen Selfie und Filter, die den Körper noch perfekter machen. Vor allem junge Menschen, die diesen Körperbildern im realen Leben nacheifern, entwickeln neue Krankheiten - wie die „Snapchat Dysmorphie“. Dabei handelt es sich um die Zuspitzung eines schon bekannten Krankheitsbildes, der Dysmorphophobie, bei der die Körperwahrnehmung gestört ist. Studien zeigen, dass rund zwei Prozent der Gesamtbevölkerung von diesem psychischen Leiden betroffen sind und dass sich Patienten immer öfter in die Hände von plastischen Chirurgen begeben, um idealerweise so auszusehen wie Snapchat- oder Instagram-Bilder. Mit Hilfe von Filtern und Fotobearbeitungsprogrammen lassen sich diese Aufnahmen sehr einfach perfektionieren: Die Haut scheint glatter, die Figur schmäler, die Augen größer und die Lippen voller.

Schäden für die Psyche
„Bei der ,Snapchat Dysmorphie‘ wollen die Menschen so aussehen, wie die gefilterten Versionen ihrer selbst“, warnt die Dermatologin Neelam Vashi von der Boston University School of Medicine (USA). Ihren Patienten empfiehlt sie eine Psychotherapie, etwa verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Denn wer seine Instagram-Follower obsessiv mit Selfies versorgt, schadet seiner Psyche.

Mag. Katharina Lhotsky, Kronen Zeitung

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