So, 18. November 2018

Chaos-Tage bei der SPÖ

19.10.2018 12:29

Reaktion auf „Nazion“-Tweet: „Geh hackln, Bursche“

Der „Nazion“-Tweet von Luca Kaiser, Sohn des Kärntner Landeshauptmanns Peter Kaiser und Kandidat der Sozialdemokraten bei der kommenden EU-Wahl, lässt die SPÖ nicht zur Ruhe kommen. Kaiser junior wurde - wie berichtet - am Donnerstag von den Parteigranden nur auf den aussichtslosen neunten Platz der EU-Liste gesetzt. Kritik an der fragwürdigen Twitter-Aussage erntete Kaiser aber nicht nur aus den Reihen von ÖVP und FPÖ, sondern auch aus den Reihen der SPÖ. So gab der frühere Nationalratsabgeordnete Christian Faul dem Nachwuchspolitiker zu verstehen, er solle doch erst einmal einer richtigen Arbeit nachgehen …

„Geh amol wos hackln Bursche. Der Nepotismus schadet Deinem Vater und der SPÖ insgesamt“, richtete der ehemalige steirische SPÖ-Politiker Faul dem Sohn von Landeshauptmann Kaiser via Facebook aus. Es ist nicht das erste Mal, dass der frühere SPÖ-Nationalratsabgeordnete mit markigen Sprüchen auffällt. So attestierte er dem damaligen BZÖ-Politiker Gerald Grosz im Jahr 2009 in einer Rede im Parlament eine „große Klappe, kleines Hirn“ (siehe Video unten).

Für gleich drei Sager erhielt Faul damals Ordnungsrufe: „Du bist genau um den Schädel zu klein, wo das Hirn drin sein sollte“, „Mit Ihrem Intelligenzgrad haben Sie gar keine Berechtigung, hier aufzutreten“, und schließlich das „Sternzeichen Krokodil: große Klappe, kleines Hirn“.

Nach der verbalen Entgleisung musste Faul mehr oder weniger freiwillig als Abgeordneter zurücktreten. Bei den Nationalratswahlen 2013 unterstützte er dann das Team Stronach, stand selbst aber nicht zur Wahl. Nach der Selbstauflösung der Stronach-Partei stand der Ex-SPÖler zuletzt einer oststeirischen Regionalliste nahe.

Kaiser über Listenplatz verärgert: „Hat nichts mit meinem Sohn zu tun“
Auch der Vater von Luca Kaiser ist verärgert. Allerdings nicht über den „Nazion-Tweet“ seines Sohnes, sondern über die am Donnerstag beschlossene Kandidatenliste für die EU-Wahl. Die Darstellung, er habe den sechsten Platz auf der EU-Kandidatenliste deshalb gefordert, weil sein Sohn von der Kärntner SPÖ nominiert worden sei, wies er am Freitag kategorisch zurück: „Das hat nichts mit der Nominierung meines Sohnes zu tun, sondern basiert auf den Leistungen der Landespartei, auch bei der parteiinternen Arbeit für die Bundes-SPÖ.“ Nicht zuletzt könne Kärnten auch auf das beste Landtagswahlergebnis aller SPÖ-Landesorganisationen verweisen. Aus all diesen Gründen sei man der Ansicht, dass der Kärntner SPÖ ein Mandat an wählbarer Stelle zugestanden hätte werden müssen.

Kaiser will jetzt die Spitze der Bundespartei zu einer Aussprache nach Kärnten einladen. Dabei sollen die Vorkommnisse rund um die Reihung des Kärntner Kandidaten für die EU-Wahl auf Platz neun der Liste diskutiert werden, sagte Kaiser. Als Termin nannte der Kärntner SPÖ-Chef die nächste reguläre Sitzung des Kärntner Landesparteivorstandes, die am 19. November stattfinden soll. Was er von der Bundespartei verlangen will, sagte Kaiser nicht: „Das sind interne Dinge und die werden auch intern besprochen.“ Jedenfalls passe der Termin der Vorstandssitzung sehr gut, da er knapp vor dem Bundesparteitag sei.

Der Shitstorm gegen Luca Kaiser will indessen nicht abflauen: In den sozialen Medien gab es bis Freitagmittag bereits nahezu 1000 Kommentare, die teilweise äußerst aggressiv bzw. untergriffig ausfielen.

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