Mi, 12. Dezember 2018

Frankreich

27.09.2018 09:34

Auvergne: Auf den Spuren des Mythos Vercingetorix

Im Herzen Frankreichs finden sich manche Überraschungen: echte Helden, gleich 80 Vulkane, spannende Städtchen, die besten Linsen und der teuerste Reifen der Welt!

Er kam, sah und siegte! Diesmal ausnahmsweise nicht Cäsar, sondern sein Widersacher Vercingetorix. Der keltische Kriegerfürst fügte Cäsar in der Schlacht von Gergovia eine von dessen wenigen Niederlagen zu. Der Siegesrausch währte zwar nicht lang, doch seit Gergovia ist der Averner-Fürst in Frankreich ein Mythos. Vor allem in der Auvergne. Hoch droben auf dem erloschenen Vulkan Puy de Dome zeigt uns Bergführer Didier stolz das in der weiten Ebene liegende Schlachtfeld von Gergovia. Und Alesia, wo Vercingetorix wenig später gegen Cäsar verlor? „Irgendwo da droben im Norden“, murmelt Didier und deutet unbestimmt in die Gegend. Kommt den Fans von „Asterix und Obelix im Avernerland“ irgendwie bekannt vor …

Clermont-Ferrand
Auch in Clermont-Ferrand, der Hauptstadt der Region Auvergne, ist Vercingetorix präsent. In den Gehwegen eingelassene Medaillons führen auf seinen Spuren durch die Stadt, am großartigen Place de Jaude steht seine Reiterstatue - ein Superheld mit wehender Mähne. Ob der Gallier wirklich so ausgesehen hat? „Man hat Münzen mit seinem Bild gefunden“, erzählt unsere Begleiterin Karin. „Darauf hat er ein griechisches Profil und gekräuselte Haare.“ Da ist der blonde Macho von Clermont-Ferrand ungleich attraktiver.

Clermont-Ferrand hat noch einen zweiten Helden, der ist allerdings kugelrund. Das allseits bekannte Michelin-Männchen begrüßt die Besucher in der „Michelin-Welt“, einer Ausstellung über die Geschichte des weltumspannenden Reifen-Konzerns, der hier seinen Hauptsitz hat.

An guten Lokalen hat es in Clermont-Ferrand keinen Mangel, vor allem nicht in der Altstadt. Aus dem Gewimmel von kleinen Gassen mit ausgefallenen Läden ragt der Dom in den Himmel. Errichtet aus schwarzem Vulkanstein - von Mineralogen „Volvic-Stein“ genannt und aus derselben Gegend stammend wie das Mineralwasser -, ist der mächtige Bau selbst vom Puy de Dome zu sehen.

Zwischen Stadt und Berg besteht überhaupt eine enge Verbindung. Vom Westtor der Kathedrale aus führt die Straße schnurgerade auf den markanten Gipfel zu. Auf dem stand schon vor zweitausend Jahren ein Heiligtum des keltischen Gottes Lug, später bauten die Römer hier einen dem Merkur geweihten Tempel. Heute ziert die Spitze eine Antenne, von der über eine Million Franzosen mit Fernsehen versorgt werden.

Chaine de Puys
Der Ausblick von dem erloschenen Vulkan ist überwältigend: Nach Süden und Norden schließen sich je weitere 40 Vulkane an - ein einmaliges Ensemble auf so kleinem Raum. Das befand auch die UNESCO und nahm die Vulkan-Kette „Chaine de Puys“ ins Weltnaturerbe auf. 
Auch wenn sie schon lange kein Feuer mehr speien, ist ihre eigentümliche Atmosphäre spürbar. Der Wiener Architekt Hans Hollein hat sie in seinem „Vulcania“-Museum in Saint-Ours eingefangen. Auf den Puy de Dôme führt die elektrische Zahnradbahn „Panoramique des Dômes“, vom Gipfel können Mutige huckepack per Gleitschirm ins Tal fliegen. Die Gegend ist aber auch ideal zum Wandern und Biken.

Rhône-Alpes
Vorzüge, welche auch die Nachbarregion Rhône-Alpes bietet. Hier lockt die „ViaRhôna“, ein 815 Kilometer langer Radweg vom Genfer See bis zum Mittelmeer. Ein Teilstück, etwa von Vienne nach Tournon, tut es auch. Die fast autofreie Strecke führt entlang des Flusses durch Weinberge und kleine Dörfchen. Und wer nach 33 Kilometern am Ende der süßen Versuchung widersteht, ist selber schuld: In der Cité du Chocolat kurz vor Tournon stellt die Firma Valrhona Schokoladen mit Kakaosorten aus aller Welt her.

Vienne ist eine alte gallo-römische Siedlung, in der sich die Jahrtausende wie ein Puzzle ineinanderfügen. Mittelpunkt des belebten Stadtzentrums ist der fast vollständig erhaltene Tempel des Augustus und der Livia. Das römische Theater, heute Schauplatz des jährlichen Jazz-Festvals, schmiegt sich in den steilen Pipet-Hügel. Auf dessen Spitze steht eine Marien-Kapelle, der Blick reicht weit über Stadt, Fluss und Weingärten.

Wem eher der Sinn nach fleischlichen Gelüsten steht, der sollte in Vienne im „L’Etable du Boucher“ vorbeischauen. Loïc, der Wirt, hat hier eine Wette laufen: Wer ein 2,4 Kilo schweres Entrecôte samt zwei Beilagen in einer Stunde aufisst, braucht nichts zu bezahlen und wird auf einer Ehrentafel abgelichtet. Wer scheitert, blecht 150 Euro. „Drei haben es bisher geschafft“, grinst Loïc. Er selbst natürlich auch. Die Kalorien können dann bei einem Ausflug mit dem „Train de l’Ardèche“ abgearbeitet werden. Die alte Dampflock pfaucht und zischt und rumpelt mit ihren Wägelchen durch die Schlucht Gorges du Doux von Tournon bis hinauf nach Lamastre. Dort hat man für den Rückweg die Wahl zwischen Wandern oder Radeln: Die Drahtesel werden in einem eigenen Waggon mitgenommen.

Puy-en-Velay
Unbedingt ansehen sollten sich auch Kultur-Desinteressierte Puy-en-Velay. Auf den Schloten ehemaliger Vulkane wurden in mühevoller Arbeit zwei Kirchen und eine Marienstatue errichtet, das Städtchen ist längst UNESCO-Weltkulturerbe und Teil des Jakobsweges. Beim Aufstieg zur Kathedrale büßt mancher seine Sünden ab: Nach der steilen Straße sind noch 134 Stufen zu bewältigen, die mittendrin im Gotteshaus enden. 
Doch es geht noch höher: Weitere 265 Stufen führen hinauf zur Madonna, die 23 Meter hohe Statue kann dann noch im Inneren bis zur Krone erklommen werden.

Die deftige Kost des ländlichen Frankreichs kommt bei solchen Ausflügen gerade richtig. Eine Spezialität sind die weltbekannten Linsen von Puy, weniger bekannt ist „Pounti“, kleine Bällchen aus Spinat oder Mangold mit Leber und Schweinefleisch. Jedes Restaurant und Bistro hat sein eigenes Rezept, auf dem Bauernhof Jameysse in Désaignes serviert uns Madame die Mischung als Pastete. So eigene Gerichte wie überbackene Markknochen oder die Kuttelwurst „Andouillette“ mögen eine Herausforderung sein. Wer sich aber darauf einlässt, wird besondere Genüsse kennenlernen.

Bleibt noch der Wein, um wie Gott in Frankreich zu speisen. Eine müßige Aufgabe: Entlang der Côtes du Rhône reiht sich ein Weingut an das andere, allein im Tourismusbüro in Vienne finden sich Dutzende Tropfen zum Verkosten. Ein ganz besonderer, aber unerschwinglicher wächst am Hügel gegenüber von Tournon: Der „Hermitage“ soll einer der Lieblingsweine von Napoleon gewesen sein.

Kronen Zeitung

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