Di, 18. Dezember 2018

Generalüberholung

05.10.2018 11:02

Schmerzfrei leben: Schluss mit dem Rückenleid!

Fast jeder hat sie, jeder hasst sie: Rückenschmerzen machen nicht mehr nur älteren Generationen zu schaffen, auch immer mehr Jüngere leiden chronisch unter der Volkskrankheit. In seinem Werk „Rücken-Reparatur“ zeigt der Professor, Wirbelsäulenexperte und Bestsellerautor Stuart McGill, wie man schmerzauslösende Impulse erkennen, bewerten und vermeiden und Schmerzen selbst heilen kann.

„Jeder Mensch hat das Recht, unbeschwert mit seinen Kindern herumzutoben. Niemand sollte nachts vor Schmerz aus dem Schlaf schrecken, nur weil er sich auf die andere Seite gedreht hat“, so Stuart McGill, Professor für Biomechanik an der University of Waterloo in Kanada und international bekannter Dozent und Experte für die Mechanik und Rehabilitation der Wirbelsäule. Doch ob Hausfrau oder Profisportler - wer von (Rücken-)Schmerzen gebeutelt wird, kann oft einfachste Bewegungen nicht, oder nur unter Schmerzen ausführen. Die Lebensqualität wird enorm beeinträchtigt.

Wirbelsäule ist wie Sendemast
McGill vergleicht die Wirbelsäule mit einem Sendemasten, „der über Abspannseile verankert ist“. Diese Spannseile haben eine ähnliche Funktion wie „die Muskeln und Bänder, die unsere Wirbelsäule umgeben: Sie sorgen für Stabilität und Kraft. In Bezug auf den Rücken ermöglicht diese ‘Ankermuskulatur‘ auch die Mobilität. Denn wie bei allen beweglichen Körperteilen, ob Ellbogen oder Kiefergelenk, geht die Bewegung nicht von den Knochen aus, sondern von den daran befestigten Muskeln.“ Eine schwache, schlaffe und unausgewogene Rumpfmuskulatur fördert Rückenschmerzen ... So muss eine gesunde, bewegliche Wirbelsäule, die drei natürliche Krümmungen (Halswirbelsäule, Brustwirbel- und Lendenwirbelsäule) aufweist, in erster Linie „stabilisiert werden, um belastbar zu sein. Diese entscheidende ‘ausreichende Stabilität‘ entsteht durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Muskelgruppen“, so McGill.

Gezielt gegen Ursache(n) vorgehen
„Bei Rückenschmerzen haben Ärzte häufig nicht die nötige Zeit für eine umfassende Untersuchung. Mitunter steht der Patient ohne konkrete Diagnose da, oder es wurde nur durch einen kurzen Blick auf eine MRT- oder CT-Aufnahme etwas sehr Spezielles festgestellt. Schon dies ist in meinen Augen eine unzureichende Untersuchung. Die Schmerzquelle für einen Patienten allein durch den Blick auf ein solches Bild zu bestimmen, gleicht dem Versuch, über ein bloßes Foto des Autos herauszufinden, warum der Motor nicht anspringt. Selbst wenn die richtige Diagnose gestellt wird - eingeklemmter Ischiasnerv oder ein Bandscheibenvorfall -, ist dies für die Heilung nur selten hilfreich“, so der Experte. Für die Behandlung müsse man sich darauf konzentrieren, die Ursache der Symptome zu finden - und gezielt gegen diese vorzugehen: „Das ist deutlich wichtiger als die Suche nach dem offiziellen diagnostischen Fachausdruck“.

Rückenschmerzen haben fast immer körperliche Ursache
Heutzutage werde jedoch vielerorts eine „schnelle Reparatur“ durch Operationsempfehlungen und auf Schmerzmittel vorgezogen, das Problem sozusagen unter den Teppich gekehrt: „So treten Gerüchte und Halbwahrheiten an die Stelle einer adäquaten und korrekten Ursachenfindung. Manche Experten suggerieren sogar, dass Schmerzen ‘reine Kopfsache‘ sind. Schmerzen haben nahezu immer eine körperliche Ursache. Deshalb warne ich davor, Rückenschmerzen durch Psychotherapie behandeln zu wollen“, erklärt McGill.

McGill: „Es ist eine Schande, dass die Patienten darunter zu leiden haben, dass die Wahrheit unter so viel Desinformation verborgen liegt. Falsche Überzeugungen behindern die Genesung, und die bisherigen Therapieerfahrungen bestärken viele in ihrem Glauben, dass ihnen nur noch eine Operation helfen kann. Das macht Angst, und die wird durch die Geschichten von Freunden, die nur dank massiver Schmerzmittel durch den Tag kommen, nicht gerade gelindert. Solche Patienten verlieren oft jede Hoffnung und sind davon überzeugt, dass sie ihre Schmerzen eben ertragen müssen.“

Schmerzen machen sensibel
Sehr verbreitet ist auch die Idee, man könne - oder müsse - sich an Rückenschmerzen gewöhnen, wachse sozusagen mit dem Schmerz und werde somit mit der Zeit unempfindlicher. Doch ist es genau umgekehrt, so McGill: „Je länger der Schmerz unbehandelt bleibt, desto stärker nehmen wir ihn wahr, und desto sensibler werden wir dafür. Stellen Sie sich vor, Sie würden sich immer wieder mit einem Hammer auf den Daumen schlagen. Der Daumen wird mit jedem Mal schmerzempfindlicher. Irgendwann ist das Gewebe so gereizt, dass Sie schon bei der geringsten Berührung vor Schmerz zusammenzucken. Hier hilft kein Sport, sondern ich muss den Hammer weglassen.“

So räumt der Autor auch mit einigen Mythen rund um das Thema Rückenschmerzen auf: Yoga und Dehnübungen sind nicht immer gut für den Rücken, übermäßiges Training oder zu lange Bettruhe können der Wirbelsäule ebenfalls schaden. Und nur, weil chronische Rückenleiden „in der Familie liegen“, muss nicht jedes Familienmitglied automatisch davon betroffen sein. 

Die ersten Schritte
Wenden Sie sich an einen Arzt, der in Fachkreisen empfohlen wird und dem Sie vertrauen. Rät Ihnen dieser in erster Linie zu Schmerzmitteln, holen Sie die Meinung eines zweiten Spezialisten ein. Auch sollten Sie Übungen, die Ihnen in der Physiotherapie ohne weitere Erklärungen empfohlen werden, hinterfragen. Helfen Massagen und Besuche beim Chiropraktiker nur kurzfristig, bauchen Sie ebenfalls einen anderen Ansatz.

McGill ist überzeugt:  Ob Hausfrau, Profisportler - mit etwas Disziplin, Entschlossenheit und neuen Bewegungsmustern wird die Wirbelsäule wieder funktionstüchtig. Welche Werkzeuge sie dafür in die Hand nehmen müssen, verrät der Experte in seinem Buch.

Buchtipp:
Stuart McGill, Rücken Reparatur, Die McGill-Methode, um Rückenschmerzen selbst zu heilen, Münchner Verlagsgruppe GmbH, 2016

Mara Tremschnig
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