Di, 21. August 2018

„Krone“-Interview

22.07.2018 08:43

Anna Veith: „Dagegen bin ich jetzt voller Energie“

Das arx in Rohrmoos hoch über Schladming: Von der Terrasse blickt man aufs genau gegenüberliegende Dachstein-Massiv, gleich links neben dem Hotel-Eingang entsteht gerade der erste „Veith Shop“. 

Der Chef des Hauses heißt Manuel, seine Gattin Anna serviert im modern-gemütlichen Barbereich selbst Kaffee und Mineral, bevor die Olympiasiegerin, dreifache Weltmeisterin und zweifache Gewinnerin des Gesamtweltcups im großen Sommerinterview mit der „Krone“ ungewöhnlich tief in ihre Sportlerinnen-Seele blicken lässt.

 „Krone“:Anna, nach Operationen an beiden Patellasehnen gilt natürlich die erste Frage deiner Gesundheit: Wie geht es dir?
Anna Veith: Danke, ich bin sehr zufrieden. Man muss natürlich die Sehnen entsprechend auf die bevorstehenden Belastungen vorbereiten. Ich ziehe deshalb etwa beim Krafttraining manchmal sogar die Skischuhe an. Aber dem linken Knie geht’s brutal gut, im rechten zwickt’s immer mal wieder wo. Aber das ist normal nach so einem Sturz mit derart schweren Verletzungen, wie ich sie damals erlitten habe.

Rund um deinen Teamkollegen Marcel Hirscher gab es zuletzt immer wieder Spekulationen über ein Karriereende, bei dir nie - obwohl man nach all den Rückschlägen und dem erfolgreichen Comeback letzte Saison mit dem Sieg in Val d’Isère und Olympia-Silber damit vielleicht sogar gerechnet hätte.
Der Gedanke aufzugeben war nach den Verletzungen und während all der Therapien natürlich da. Oft sogar. Aber in den letzten Monaten kein einziges Mal. Von der geistigen Müdigkeit geht es mir jetzt viel besser als etwa nach den Siegen im Gesamtweltcup. Weil ich mich nicht mehr ständig selbst so unter Druck setze. Damals war ich oft völlig fertig, total leer. Jetzt bin ich dagegen voller Energie. Und wenn ich eine Pause brauche, nehme ich mir halt drei, vier Tage. Aber dann fehlt mir das Training ohnehin recht bald wieder.

Die Familienplanung muss also noch warten?
Der Kinderwunsch ist da, das habe ich immer betont. Aber als Mutter Rennen zu fahren, das kann ich mir nicht vorstellen. Weil ich mich dann immer meinem Kind widmen wollen würde. Jede Sekunde. Da hat man es als Vater sicher leichter als als Mutter. Ich spüre derzeit, dass ich das Leben lebe, das ich liebe. Wie lange das noch der Fall ist, kann ich nicht einschätzen. Aber noch vier Jahre wohl kaum.

Womit Olympia 2018 auch deine letzten Spiele gewesen wären: Ärgerst du dich mittlerweile eigentlich manchmal über die um nur eine Hundertstel verpasste Goldene im Super-G?
Die Gedanken, warum diese eine Hundertstel sein musste, kommen sehr wohl. Aber dann ermahne ich mich immer sofort selbst: ,Warum hinterfragst du das, Anna?‘ Genau jetzt vor einem Jahr wusste ich nicht einmal, ob ich je wieder Rennen fahren kann. Damals hätte ich die Silberne mit Handkuss genommen. Was mich bezüglich Olympia wirklich aufregt, ist die Tatsache, dass alle Pläne für Winterspiele in Österreich geplatzt sind. Letztes Jahr in Tirol, jetzt auch bei uns hier in der Steiermark. Das finde ich extrem schade. Es muss nicht jeder sportinteressiert sein, keine Frage. Aber man sollte imstande sein, aufzuklären, was derartige Veranstaltungen für eine Region bedeuten würden. Nicht nur für Hoteliers, für viele. Die Bauern, Gastronomie, Geschäfte - fast jeder würde davon profitieren. Aber offenbar ist unsere Politik nicht in der Lage, genau das zu vermitteln und sich dafür einzusetzen. Das ist für mich absolut unverständlich.

Letzte Woche hat deine Freundin Lara Gut den Schweizer Teamfußballer Valon Behrami geheiratet. Sie behält trotzdem ihren Nachnamen. Du hast den deines Gatten angenommen, obwohl Fenninger schon wie eine echte Marke war - warum eigentlich?
Ich war bei Laras Hochzeit nicht dabei, aber sie hat mir davor eine kurze Nachricht geschickt. Ich kann sie verstehen, aber ich selbst möchte schon, dass meine ganze Familie so heißt wie ich und umgekehrt. Und wenn ich jetzt im Starthaus stehe, würde ich danach als Fenninger sicher auch nicht schneller runterfahren als als Frau Veith.

Peter Frauneder, Kronen Zeitung

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