Mo, 24. September 2018

Manuelle Medizin

02.07.2018 14:45

Am Anfang war die Hand

Tasten, streicheln, halten, heilen: So vielseitig sind unsere Greifwerkzeuge. Mit dem Gebrauch unserer Hände hängt sogar die Entwicklung der Sprache zusammen. Grund genug, ihnen jetzt einen ganzen Kongress zu widmen.

Greifen-Begreifen, Handeln-Behandeln. Funktionen, die zusammengehören, einander ergänzen und nicht nur ein Grundbestandteil unseres Alltags sind, sondern auch in der Medizin. Seine Hände stellen für einen Arzt ein wichtiges Diagnose- und Behandlungswerkzeug dar. Univ.-Prof. Dr. Hans Tilscher, Präsident Österreichische Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin und konservative Orthopädie, SOS-Körper, KH Hietzing: „Der Gebrauch der Hände lässt sich auf den zweifüßigen Gang unserer Vorfahren zurückführen. Damit hängt die Entwicklung unserer Sprache genauso zusammen wie auch jene der ganzen Gesellschaft.“

Schon die Bewegung der Finger ist eine grundlegende Fähigkeit. Nicht nur zum Fühlen, Tasten und Arbeiten, sondern auch für das Körperempfinden. Die Hände fallen zu lassen löst Entspannung aus, das Ballen der Fäuste aber erhöht die Aggression und den Muskeltonus. „Gewisse Fingerhaltungen scheinen tatsächlich entsprechend spezieller Yogaübungen auch auf die Atmung Einfluss zu nehmen. Im Sitzen wird das Durchatmen gehemmt, wenn man beide Handrücken auf die Oberschenkel drückt. Der Spitzgriff - Daumen und Zeigefinger kommen zusammen, die restlichen 3 Finger werden gestreckt - so sagt man, erleichtert die Brustkorbatmung, während das sogenannte Daumenhalten die Flankenatmung (Zwerchfellatmung) fördern soll“, so Tilscher weiter, der als Kongresspräsident bei einer Fachveranstaltung, die am kommenden Wochenende in Pörtschach, Kärnten, sattfindet, referieren wird.

Eines besonders aktuellen Themas nimmt sich dort Univ.-Prof. Dr. Gerold Ebenbichler, Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation & Arbeitsmedizin, AKH Wien, an. „Durch den übermäßigen Gebrauch der Computermaus entstehen eine Reihe von klinischen Beschwerden und Störungen in Hand und Unterarm, aber auch in Schulter und Nacken sowie sogar an der Lendenwirbelsäule, die unter dem Begriff der ,Strain injuries‘ zusammengefasst werden.“ Im allgemeinen Sprachgebrauch als „Maus-Hand“ bekannt. Ergonomische Unterlagen, Ausgleichsbewegung und fachliche Abklärung sind wichtig.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Preisinger, Vorstand d. Inst. f. Physikalische Medizin und Rehabilitation, KH Hietzing, betont in ihrem Referat, dass bei lokal schmerzhaften Muskelverspannungen sowohl Wärme als auch Kälte zur Behandlung im Sinne manueller Medizin geeignet ist. Ersteres verbessert die Dehnbarkeit des Bindegewebes, Kälte hilft bei akuten Entzündungen, nach Trauma oder Verbrennung.

Daten & Fakten
Der Fachkongress „50 Jahre Manuelle Medizin, Am Anfang war die Hand“, findet von 6.-8. Juli statt und spannt einen Bogen von Diagnostik über Therapie, Konservative Orthopädie, Manuelle Medizin, Physikalische Medizin, bis hin zu Rheumatologie und Allgemeinmedizin. Info: www.prof-tilscher.atwww.manuellemedizin.org

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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