Fr, 21. September 2018

An der Atlantikküste

09.07.2018 08:00

Erholung mit der (Heil-)Kraft des Meeres

Haben Sie je von der Thalassotherapie gehört? Ich schon, von „Krone“-Gründer und Jahrhundertjournalist Hans Dichand, der diese Therapieform sehr schätzte und immer wieder dazu nach La Baule reiste. Seitdem geistert dieses Thema in meinem Kopf herum.

Hippokrates gilt als Vater der Thalassotherapie, aber die heilende Wirkung des Meerwassers wurde im vorigen Jahrhundert auch vom französischen Arzt Bonmardiere entdeckt, der seine Kur nach dem griechischen Wort für Meer benannte. Die Inhaltstoffe des Meeres haben vielfältige Wirkung. Algen, Meersalz, Schlamm und auch die physikalischen Eigenschaften des Wassers (Auftrieb und Druck) in Zusammenhang mit Temperatur und Badedauer lindern Beschwerden, sorgen für Wohlbefinden und belebendes Aussehen. Klingt gut, nicht wahr?

Qualitätsmerkmal für Thalasso ist, dass die Einrichtung direkt am Meer liegen muss und die Behandlungen mit frischem Meerwasser erfolgen sollen. Der führende Anbieter ist Frankreich, die meisten Thalassozentren liegen an der Atlantikküste. In der Bucht von La Baule mit ihrem kilometerlangen Sandstrand testen wir also einmal das Thalasso & Spa Barrière, das direkt mit dem schönen Hotel Barrière le Royal verbunden ist. Idealerweise sollte eine Kur drei oder sechs Tage lang dauern, die (höchstens vier) Behandlungen entweder am Vor- oder Nachmittag hintereinander eingeteilt sein. So kommt es, dass ich am ersten Tag unseres Frankreichaufenthaltes am Vormittag im wohlig warmen Meerwasser bade.

Die Düsen behandeln von der Zehe bis zum Nacken jede Körperzone abwechselnd. Anschließend wird ein Meeresalgenprodukt von den kundigen Händen in die Haut einmassiert. Jede Behandlungseinheit nimmt 25 Minuten in Anspruch. Wer Zeit hat, geht anschließend noch schwimmen oder macht bei der Wassergymnastik mit; das Wasser im Hotelpool wird übrigens täglich gewechselt, erfahren wir, als wir uns nach den Öffnungszeiten erkundigen. Wer eine Kur machen möchte, muss nicht zwingend im noblen Royal wohnen, das innen stilecht und modern renoviert wurde, während der Bau selbst aus den 20iger-Jahren stammt. Das Thalassozentrum ist öffentlich; zuerst lässt man sich beraten, führt am besten ein Gespräch mit dem Kurarzt, bevor man sich dann mit abgestimmten Behandlungen verwöhnen lässt.

Zur Barrière-Gruppe gehört auch das wenige Minuten entfernt liegende Hotel L’Hermitage, ehrwürdig und sehr schick. Vom Zimmer aus sieht man den sensationellen kilometerlangen Sandstrand, der mich schon lange vor dem Frühstück aus dem Bett lockte, um den Tag mit einem ausgedehnten Spaziergang zu beginnen. Das ist einzigartig, die Möglichkeit nutzen, barfuß dahinzuwandern und Muscheln zu sammeln. Ganz einsam bin ich natürlich nicht, hin und wieder sehe ich aus der Ferne andere Frühaufsteher, die zum Beispiel ihren Hund ausführen.

Wer am Meer urlaubt, sollte die Chance ergreifen, denn nirgends gibt es Fische und Meeresfrüchte frischer als hier. Vis-à-vis vom Hotel empfiehlt sich das Restaurant Eden Beach, direkt am Strand. Zur Vorspeise werden kleine Meerschnecken - Bigorneaux - serviert, nicht schlecht, aber es scheint so, dass man große Übung braucht, um diese mit einem speziellen Werkzeug aus dem Haus zu bekommen. Die Butter dazu ist reichhaltig, natürlich gesalzen, das Brot knusprig; der Fisch in der Salzkruste als Hauptgang eine wahre Spezialität. In Frankreich zählt die Kulinarik zum immateriellen Weltkulturerbe, der Genuss ist, egal, wo wir essen, vollkommen, einfach großartig.

Salz ist ein anderes großes Thema in dieser Region. Nicht weit entfernt liegen die berühmten Salzfelder von Guérande, die den Reichtum der gleichnamigen Stadt begründet haben. Das Salz wird in Handarbeit geerntet, das Fleur de Sel ist das Meersalz, das an heißen Tagen als dünne Schicht an der Wasseroberfläche ausfällt und abgeschöpft wird. Der Ertrag ist von Jahr zu Jahr verschieden, manchmal gibt es auch gar keines; es ist wirklich besonders und wird zum Würzen verwendet. Das Salz, das aus den Teichen gewonnen wird, ist unreiner, viel billiger und eignet sich zum Kochen. Die Salzfelder nehmen eine Fläche von etwa 2000 Hektar ein. Die Ernte ist abhängig vom Wetter und von den Gezeiten.

Die mittelalterliche Altstadt von Guérande ist von einer Stadtmauer umgeben und unbedingt einen Besuch wert, ebenso wie das Museumsdorf Kerhinet mit seinen schilfgedeckten denkmalgeschützen Häusern. In der Auberge de Kerhinet isst man übrigens vorzüglich, am besten wählt man das Menü. Zusammen mit Claude erkunden wir schließlich La Brière, nach der Camargue das zweitgrößte Sumpfgebiet Frankreichs. Mit einem Boot, das er mit einer langen Holzstange steuert, entdecken wir die wunderbare Landschaft, die ein Teil des Naturparks und Lebensraum für unzählige Vogelarten ist. Die Sonne kitzelt die Nase, Libellen schwirren herum, absolute Ruhe begleitet unseren kleinen Ausflug. Entspannung pur, eine wunderbare Ergänzung zu unserem Thalassoprogramm, das wir dann im Château des Tourelles in Pornichet weiterführen.

An das Schloss mit seinen vier Türmen hat man sehr geschickt ein modernes Hotel sowie ein Thalassozentrum angefügt. Vor der Tür liegt das Meer, die Küstenlinie hier am Ende der Bucht von La Baule hat sich verändert. Ist sie vor der Kleinstadt La Baule sandig und sehr breit, gibt es in Pornichet Felsen mit kleinen Buchten. In wenigen Minuten lässt sich der Jachthafen zu Fuß erreichen. Säumen in La Baule die großen Appartementhäuser der Zweitwohnbesitzer - am Wochenende und in den Ferien verzehnfacht sich die Einwohnerzahl - den Strand, ist hier alles ein wenig kleinteiliger. Die Qualität der Anwendungen ist in beiden Thalassozentren hoch, im Château haben wir nun auch ein wenig Zeit und Gelegenheit, den sogenannten Parcours im Wasser auszuprobieren, was Spaß macht und sich gut anfühlt. Einziger Wehmutstropfen ist, dass die drei Tage viel zu schnell vergehen, denn nun, nach dem Thalasso-Schnuppern, weiß ich, wie gut eine kleine Auszeit mit der Kraft des Meeres tun kann ...

Andrea Thomas, Kronen Zeitung

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