Do, 20. September 2018

Moderne Schrittmacher

25.05.2018 06:00

Das Herz digital im Blick

Digitale Herzschrittmacher schicken die Daten automatisch täglich an den behandelnden Arzt. Er kann bei Problemen rasch reagieren. Weiters ersparen sich die Patienten auf diese Weise mitunter sinnlose Kontrolltermine in der Ambulanz.

Digitalisierung„ ist ein Wort, das einen in der heutigen Welt mittlerweile überall begleitet. Natürlich ebenfalls in der Medizin. Auch Herzschrittmacher gibt es seit ein paar Jahren in „digitalisierter“ Form. Doch genutzt wird diese praktische Möglichkeit nur selten. Dabei sieht der Kardiologe Univ. Doz. DDr. Gerold Porenta, Rudolfinerhaus Wien, eigentlich nur Vorteile in dem fortschrittlichen System: „Jährlich werden in den 70 Zentren Österreichs 10.000 Herzschrittmacher verschiedener Art implantiert. Damit muss man alle 12 oder sogar sechs Monate zu einer Kontrolluntersuchung ins Spital fahren. Das würde man sich oft ersparen, wenn der Arzt den Zustand seines Patienten täglich aktuell via eigenem Computer überprüfen kann.“

Das funktioniert so: Moderne Geräte senden während der Nacht, gleichsam im Schlaf, die Daten an ein „Kästchen“, welches am Nachttisch liegt und aussieht wie ein Handy. Dieses meldet einmal täglich ein Update an den Hersteller. Darauf können die Ärzte dann zugreifen und die Daten kontrollieren. Dabei erfolgt eine stetige Rhythmusanalyse sowie technische Überprüfung - alles mit Alarmfunktion. „Ich kann sofort - und nicht nur einmal pro Jahr - mittels EKG-Aufzeichnungen sehen, ob die Therapieeinstellung angepasst gehört, ob sich mein Patient sportlich betätigt, ganz einfach, wie es ihm geht. Bei Bedarf wird der Patient zur Schrittmacherprogrammierung in die Ordination oder Ambulanz bestellt“, erklärt Doz. Porenta. „Die Daten werden mit Funk verschlüsselt gesendet, es ist kein WLAN oder dergleichen nötig. Man kann verreisen wie vorher, ebenso vermag niemand ,von außen‘ den Schrittmacher zu manipulieren.“

50 bis 70 Prozent der Patienten müssten laut dem Experten eigentlich gar nicht regelmäßig ins Krankenhaus kommen, vorausgesetzt, die Geräte funktionieren problemlos. Ein Batteriewechsel hat, je nach Modell, nur alle 10 bis 15 Jahre durchgeführt zu werden. Ob dieser notwendig ist, könnte der Arzt ebenfalls auf seinem PC sehen. Ohne Telemedizin sollte ein Patient, dessen Schrittmacherbatterie kurz vor dem Ende steht, sich noch öfter, nämlich alle drei Monate, in die Ambulanz begeben.

Mittels Funkübertragung könnte man diese Überwachung also weitaus günstiger gestalten. Nicht nur aufgrund der Kosten, auch für die Lebensqualität der Betroffenen. Denn die Kranken haben bei Implantation des Schrittmachers ein mittleres Alter von etwa 80 Jahren. Wie die Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes Ingrid Korosec ebenfalls anmerkt, ist es gerade für diese oft gebrechlichen Patienten mit erheblichen Mühen verbunden, halbjährlich oder öfter in eine Spezialambulanz zu gelangen. Mitunter brauchen diese einen Krankentransport. Ältere Menschen müssen lange unangenehme Wartezeiten auf sich nehmen, um gerade einmal zehn Minuten ,durchgecheckt‘ zu werden.

„Eine kontinuierliche Überwachung macht auch deshalb Sinn, weil 20 Prozent der über 80-Jährigen an oft unerkanntem Vorhofflimmern leiden, das medikamentös behandelt werden sollte - ansonsten erhöht sich das Schlaganfallrisiko auf bis zu 20 Prozent im Jahr“, merkt Doz. Porenta an. „Die meisten Krankenkassen bezahlen die digitalen Komponenten der Schrittmacher allerdings nicht. Dabei wäre diese Lösung bequemer und billiger."

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.