So, 21. Oktober 2018

Eishockey-Coach warnt:

13.05.2018 19:25

„Überheblichkeit können wir uns nicht leisten“

Österreichs Eishockey-Team beendet am Montag mit dem Spiel gegen Tschechien (Beginn 20.15 Uhr) die so erfreulich verlaufene A-WM in Kopenhagen. Nach dem geschafften Klassenerhalt zog Teamchef Roger Bader Bilanz über das Turnier. Der 53-jährige Schweizer sprach mit der „Krone“ über die A-WM 2019, Stinkstiefel und Muskelkater.

„Krone“: Wie fühlt es sich an, den Klassenerhalt geschafft zu haben. Wie geht es Ihnen am Tag nach dem 4:0 gegen Weißrussland?
Roger Bader: Man steht natürlich gut auf in der Früh, es ist Erleichterung da, dass das Ziel geschafft wurde. Es wird einem mit etwas mehr Abstand klar, was das alles bedeutet. Dass wir jetzt eine A-Saison planen dürfen, wir hoffentlich in den Pool kommen, wo wir auch die besseren Länderspiele bekommen.

„Krone“: Was hat Österreichs Nationalteam in diesem Turnier ausgezeichnet?
Bader: Die Mannschaft hat, seit ich sie im November 2016 übernommen habe, immer schon einen guten Teamspirit gehabt. Ich habe auch darauf geachtet, dass wir Typen suchen, die da reinpassen. Meine Assistenten meinten, dass sie in der Vergangenheit schon mehrere österreichische Nationalteams erlebten, die während einer WM auseinanderfielen. Das war hier in Kopenhagen nie der Fall. Sie war zwar wie nach dem 2:5 gegen Frankreich enttäuscht, aber immer intakt.

„Krone“: Das Gros des Teams ist im Vorjahr in Kiew in die A-Gruppe aufgestiegen. Es gibt somit viele Cracks im Team, die beide WMs erlebt haben. Ein Vorteil?
Bader: Ja. Es ist ein Kern entstanden, ein neues Fundament in den letzten zwei Jahren. Der charakterliche Teil ist mir wichtig, denn man kann als Außenseiter nur als Team überzeugen. Und wir werden auch nächstes Jahr Außenseiter sein. Wenn Du ein, zwei Stinkstiefel in der Mannschaft hast, sich dann Gruppen bilden, das würde nicht gehen.

„Krone“: Was wünschen Sie sich unter anderem für die nächste Saison?
Bader: Ich hoffe, wir rutschen in diesen Pool mit den zwölf besten Nationen, dann hätten wir in den Vorbereitungsspielen deutlich bessere Gegner. Das würde uns schon sehr helfen, den nächsten Schritt zu tun. Norwegen und Dänemark waren in dieser Saison gute Länderspiel-Gegner, dieses Niveau sollten wir nicht mehr unterschreiten. Die Spiele in unserer Meisterschaft bereiten die Spieler nicht vor auf eine A-WM. Das ist nicht dasselbe Tempo, dieselbe Intensität.

„Krone“: Wie ist die Erwartungshaltung in Blickrichtung A-WM 2019, die am 10. Mai in der Slowakei beginnen wird?
Bader: Wir sind nach wie vor weit weg von diesem A-Niveau. Wir werden 2019 einen Aufsteiger in unserer Gruppe haben, nach jetzigem Stand wird es Italien sein. Wir dürfen aber nicht glauben, dass wir jetzt auf einem Bein Italien schlagen werden. Das wäre überheblich, Überheblichkeit können wir uns nicht leisten. Natürlich versuchen wir die Lücke zu den Teams vor uns, wie Dänemark oder Norwegen, zu schließen. Aber da braucht es viel Spielerfahrung.

„Krone“: Was muss sich bis dahin zum Beispiel verbessern?
Bader: Die Handlungsschnelligkeit muss besser werden, wir müssen athletisch besser werden. Es kann nicht sein, dass Spieler ins Nationalteam einrücken und regelmäßig Muskelkater bekommen, wenn sie Bauchübungen machen bei uns. Denn es passiert jedes Mal, dass die halbe Mannschaft Muskelkater hat, wenn wir athletisches Training haben. Das darf nicht sein, das sind Profis. Da müssen sie auch athletisch auf ein höheres Niveau kommen.

„Krone“: Wann erfolgt der Auftakt mit dem Team in die neue Saison?
Bader: Persönlich würde ich mir eine Art Kick-off Ende Juli wünschen. Wo wir die Nationalmannschaft eine Woche lang versammeln, bevor die Spieler mit den Klubs anfangen. Da gibt‘s zwei Ideen: entweder die richtige Nationalmannschaft mit den NHL-Cracks oder man macht eine Art U25 und nennt es Olympia-Team. Dann würden wir dort über internationales Eishockey reden, Tests machen und Informationen geben, als Basis für die Saison. Ich hoffe, dieser Kick-off kommt zustande.

„Krone“: Welche Botschaft haben Sie an unsere Liga, wo Ausländer seit Jahren tonangebend sind, viele Österreicher gerne links liegengelassen bleiben.
Bader: Als Nationalcoach will ich, dass jeder meiner Torhüter-Kandidaten in seinem Klub die Nummer 1 ist, egal wo er spielt. Und ich will selbstverständlich, dass meine Spieler regelmäßig spielen, in Powerplay und Boxplay zum Einsatz kommen, auch in den letzten fünf Minuten, wo es um alles geht. Unabhängig davon, ob die Spieler jetzt in Österreich oder woanders spielen.

„Krone“: Im letzten Spiel bei dieser WM geht es am Montag gegen Tschechien. Was erwarten Sie sich da von ihrem Team?
Bader: Wir wollen versuchen, jene Dinge, die wir am Samstag gut gemacht haben, zu wiederholen. Sprich, die einfache, geradlinige Spielweise mit der Scheibe, die uns gegen Weißrussland am besten gelungen ist von all den Matches. Wir wollen defensiv keine Überzahl-Gegenstöße zulassen, aufsässig verteidigen in der eigenen Zone, auch in Unterzahl. Einen Auftritt zeigen, der Freude macht. All das natürlich gegen einen Gegner, der besser ist.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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