Was macht man, wenn man an den Erfolg eines nahezu perfekten Vorgängers anknüpfen möchte? Richtig: Man packt überall noch ein Schippchen drauf. Im konkreten Fall von "Uncharted 2: Among Thieves" bedeutet dies noch mehr Action, schönere Texturen und Animationen, mehr Abwechslung und last but not least ein Multiplayer-Modus. Doch der Reihe nach.
In Sachen Gameplay bleiben die Entwickler von Naughty Dog ("Crash Bandicoot", "Jak and Daxter") ihrer Mischung aus Shooter-Kost, Rätseln und Akrobatik treu. Wie bereits im Vorgänger überwiegen jedoch die bleihaltigen Auseinandersetzungen, während die Knobeleinlagen und Turnübungen in zumeist schwindelerregender Höhe mehr der Entspannung zwischen den Gefechten dienen.
Weniger Rätsel, mehr Action
Die Anzahl der Rätsel wurde dafür nochmals zurückgeschraubt; die noch verbleibenden Denksportaufgaben können mit einem Blick in Nates Tagebuch meist schnell erledigt werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Klettern: Mauervorsprünge, Stangen und ähnliches werden nun deutlicher hervorgehoben, was die Wegfindung erleichtert. Unfreiwillige Abstürze treten hingegen kaum noch auf.
Im gleichen Maße, wie der Schwierigkeitsgrad auf der einen Seite gesenkt wurde, wurde er auf der anderen Seite angehoben: Die Kämpfe mit Bösewicht Zoran Lazarevic und dessen Gefolge sind dank verbesserter KI wesentlich fordernder. Statt einfach voranzupreschen, versuchen die stets auf Deckung bedachten Gegner Nate beispielsweise zu flankieren, während stark gepanzerte Einheiten den Weg durch die Mitte suchen.
Angesichts der erdrückenden Gegnerüberzahl bleibt Nate oftmals keine andere Wahl, als von seinen neuen Stealth-Fähigkeiten Gebrauch zu machen und Feinde lautlos auszuschalten. Aber auch wer die Brachialmethode bevorzugt, wird in "Uncharted 2" nicht enttäuscht. Zu dem bereits ohnehin beachtlichen Waffenarsenal des Vorgängers - bestehend aus allerlei Pistolen, MGs, Granaten, Panzerfaust, Schrotflinte und Scharfschützengewehr – gesellen sich das FAL-Gewehr samt Laservisier und Zielfernrohr sowie der Polizeischild, hinter dem Drake Schutz vor feindlichem Kugelregen findet.
Auf der Suche nach den verlorenen Schätzen
Wer sich zwischendurch von der Action eine Auszeit nehmen möchte, kann sich aber auch auf eigene Faust auf die Schatzsuche begeben und Ausschau nach insgesamt einhundert im Spiel versteckten Reliquien halten. Für das Absolvieren bestimmter Aufgaben, zum Beispiel "Besiege X Gegner im Nahkampf", sammelt Nate wiederum Credits, mit denen Konzeptgrafiken, Behind-the-Scenes-Videos, Cheats, Kostüme oder auch Waffen für den Mehrspieler-Modus gekauft werden können.
Online geht das Abenteuer weiter
Letzterer bietet nach gut zehn bis zwölf Stunden Einzelspielerkampagne die Möglichkeit, sich mit bis zu neun weiteren Spielern zu messen. Dafür stehen neben Modi wie (Team-)Deathmatch, Capture the Flag, King of the Hill und anderen auch ein Koop-Modus zur Verfügung, in dem zu dritt anrollende Feindeswellen abgewehrt werden dürfen. Im eigenen Kino können sämtliche Multiplayer-Partien schließlich noch einmal angesehen werden, während der Machinima-Modus Gelegenheit bietet, mit Bildmaterial und Charakteren aus dem Spiel eigene Computeranimationen zu erstellen.
Ein Spiel wie ein Hollywood-Blockbuster
Was "Uncharted 2: Among Thieves" jedoch mehr als alles andere bisher Erwähnte auszeichnet, ist die fulminante Inszenierung: Zwischen- und Spielsequenzen gehen nahtlos ineinander über (und das auf der PS3 sogar ohne Installation) und lassen so das Gefühl entstehen, einem interaktiven Film beizuwohnen. Die überaus authentische schauspielerische Leistung der Charaktere, Dialoge, denen wahrhaftig Leben eingehaucht wurde, satte Soundeffekte und ein Bombast-Soundtrack bestätigen dieses Gefühl.
Jeder Level, vom orientalischen Museumskomplex in Istabul über den Dschungel Borneos bis hin zu den eisigen Berglandlandschaften Tibets, ist für sich genommen ein kleines Kunstwerk und lässt die Kinnlade dank atemberaubender Licht- und Wassereffekte das eine ums andere Mal vor Erstaunen nach unten klappen. Besonderes Lob haben auch die vielen unterschiedlichen Animationen verdient, die Nate und Kollegen fast schon menschlich wirken lassen. Kurzum: ganz großes Kino.
Fazit: Erschöpft, aber mehr als zufrieden bleibt nach einer zehnstündigen Marathon-Session an einem verregneten Wochenende nur ein Schluss: "Uncharted 2: Among Thieves" gehört zu den Titeln, die heuer auf keiner PS3 fehlen sollten. Sicher: Ein paar Rätsel und Klettereinlagen hätten es schon mehr sein dürfen. Das Gesamtpaket aus Spitzen-Grafik, -Sound und –Story, glaubwürdigen Charakteren, abwechslungsreichem Gameplay und nicht zuletzt dem mehr als umfangreichen Mehrspielermodus lässt über dieses klitzekleine Manko jedoch getrost hinwegsehen und beschert dem Titel die volle Punktzahl.
Plattform: PS3
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 10/10
von Sebastian Räuchle









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