Mo, 16. Juli 2018

Schreckensbilanz

19.01.2018 13:41

Orkan „Friederike“ fordert zahlreiche Todesopfer

Elf Tote, Chaos auf den Verkehrswegen, Sachschäden: Mit Böen auf Orkanniveau ist Sturmtief "Friederike" am Donnerstag über Europa hinweggefegt. Sechs Todesopfer waren allein in Deutschland zu beklagen, drei weitere Menschen starben in den Niederlanden, je eine weitere Person in Belgien und Italien. Die Deutsche Bahn stellte am Nachmittag sogar den Zug-Fernverkehr im ganzen Land ein. Mittlerweile wird der Betrieb sukzessive wieder aufgenommen, es kommt jedoch nach wie vor zu Einschränkungen. "Friederike" war einer der schwersten Stürme in den letzten zehn Jahren, so der Deutsche Wetterdienst.

"Friederike" habe eine höhere Windgeschwindigkeit erreicht als der Sturm "Kyrill" im Jahr 2007, hieß es weiter. "Friederike schlägt Kyrill, was die maximale Windböe betrifft. Vor exakt 11 Jahren gab es 202 km/h auf dem Wendelstein, heute meldete der Brocken eine Böe von 203 km/h."

Der Sturm war todbringend: So wurde auf einem Campingplatz in Emmerich (Nordrhein-Westfalen) ein 59-Jähriger von einem Baum erschlagen. Er sei sofort tot gewesen, hieß es seitens der Einsatzkräfte. In einer Sturmböe verlor im westfälischen Lippstadt ein Mann (68) bei einem Verkehrsunfall sein Leben. Der Transporterfahrer hatte im Orkan die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war in den Gegenverkehr geraten. 

Auch Einsatzkräfte unter den Toten
Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr starb bei einem Sturmeinsatz im sauerländischen Sundern. Ein weiterer Feuerwehrmann erlag in Bad Salzungen in Thüringen seinen schweren Verletzungen, als er von einem umstürzenden Baum getroffen wurde. Sein Kollege wurde schwer verletzt. Bei einem Unfall inmitten der Sturmböen kam im Süden Brandenburgs ein Lastwagenfahrer ums Leben. Das Fahrzeug war auf der Autobahn 13 (Berlin-Dresden) bei Ortrand nahe der Grenze von Brandenburg zu Sachsen in die Mittelleitplanke geprallt und umgestürzt. In der Nähe von Neubrandenburg starb eine 61-jährige Autofahrerin. Sie verlor sie südlich von Penzlin vermutlich wegen widriger Straßenverhältnisse und zu hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über ihr Auto und schleuderte gegen einen entgegenkommenden Lastwagen.

Drei Todesopfer in den Niederlanden
In den Niederlanden kamen nach Behördenangaben drei Menschen ums Leben, die von Bäumen oder Trümmerteilen getroffen wurden. In der Ortschaft Olst im Osten des Landes sei ein 62-jähriger Mann von einem abgebrochenen Ast erschlagen worden, teilte die Polizei mit. In Enschede nahe der deutschen Grenze starb nach Polizeiangaben ein Autofahrer, nachdem ein Baum auf das Auto gefallen war. Über das dritte Todesopfer war zunächst nichts Näheres bekannt. Mehr als 60 Lastwagen wurden auf niederländischen Straßen umgeweht, Fußgänger hatten allerlei Mühe, sich überhaupt auf den Beinen zu halten, wurden von den Orkanböen regelrecht über Plätze geschleudert. 

Je ein Todesopfer gab es in Belgien und Italien. In Belgien wurde eine Autofahrerin von einem Baum erschlagen, als sie südöstlich von Brüssel durch einen Wald fuhr. In der süditalienischen Stadt Crotone wollte ein Mann sein Dach auf Sturmschäden prüfen. Der Wind warf ihn um, sodass er in den Tod stürzte.

Zug-Fernverkehr in Deutschland eingestellt
Die Deutsche Bahn stellte am Nachmittag den Fernverkehr in ganz Deutschland ein. Schwerpunkt des Unwetters waren Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dazu wurde in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen auch der Nahverkehr eingestellt. Ebenso verkehrte die Bahn in Nordhessen nicht mehr. In zehn Fernbahnhöfen richtete die Bahn sogenannte Aufenthaltszüge ein, in denen gestrandete Reisende zur Not auch übernachten können. 
Mittendrin im Chaos war auch ein Wiener Geschäftsreisender, der im niederländisch-deutschen Grenzgebiet sieben Stunden lang in einem ICE gefangen war.

Österreich "mit blauem Auge davongekommen"
Der Stopp des Fernverkehrs hatte auch Auswirkungen auf Österreich: Für die planmäßig im Zweistundentakt verkehrenden Züge Richtung Nürnberg ist in Passau Endstation, wie ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder sagte. Der Bahnverkehr von Salzburg, Kufstein und Lindau nach München und retour verläuft planmäßig. Auch der Korridorverkehr zwischen Salzburg und Kufstein ist nicht betroffen. "Insofern sind wir mit einem blauen Auge davongekommen", sagte Rieder. 
Die ÖBB riet Reisenden, die noch am Donnerstag Richtung Nürnberg und allenfalls weiter nach Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg wollten, sich genau zu informieren. "Es ist möglich, dass doch der eine oder andere Zug fährt, es gibt allerdings keine Garantie", sagte Rieder. Er empfahl grundsätzlich, geplante Reisen zu verschieben.

Auch Flughäfen von "Friederike" betroffen
Auch in den Niederlanden brach der Bahnverkehr zeitweise zusammen. Zu zahlreichen Zugausfällen kam es weiters in der Schweiz. Der Amsterdamer Flughafen Schiphol wurde zeitweise geschlossen, so dass Hunderte Flüge gestrichen wurden. Auch der Flughafen Köln/Bonn stellte kurz den Betrieb ein. Dort wie auch in Düsseldorf oder Frankfurt hielten sich die Auswirkungen aber in Grenzen.

Stürmische Geburt im Auto
In Köln gab es eine stürmische Geburt. Dort brachte eine Frau ihr Baby in einem Auto zur Welt. Vater und Mutter waren am Donnerstagnachmittag zur Entbindung auf dem Weg in die Klinik, als eine sturmbedingte Straßensperrung die pünktliche Ankunft zunichte machte, berichtete die Feuerwehr. Der kleine Anton erblickte noch vor Ankunft von Rettungsdienst und Notarzt im Auto das Licht der Welt.

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