Sa, 16. Dezember 2017

Netzhautscan

28.11.2017 15:15

Digitaler Blick ins Auge erkennt Krankheiten

Die Netzhaut des Auges ist das Fenster in den Organismus und sogar ins Gehirn. Man kann darauf nicht nur Alter und Geschlecht eines Menschen erkennen, sondern auch, ob er raucht, hohen Blutdruck hat und wie hoch sein Risiko für Diabetes, Herzinfarkt und Demenz ist.

Für all diese Informationen benötigt der neueste digitale Netzhaut-Scanner nur eine Minute - und er wird in Kürze (Anfang Jänner 2018) als einer von drei solchen Geräten weltweit an der MedUni Wien in Betrieb gehen! Anlässlich des heurigen Advanced Retinal Therapy-Kongresses ART 2017, der am 2.Dezember in Wien stattfindet, wurde bei einer Pressekonferenz eine Screeningmethode vorgestellt, die es ermöglicht, allein über die computergesteuerte Augenanalyse den Gesundheitszustand eines Patienten einzuschätzen. Verbesserte Geräte und Computerprogramme machen dies möglich. Denn die Netzhaut des Auges zeigt oft schon Gefäßveränderungen, etwa durch Diabetes oder Bluthochdruck, bevor sich die Schäden bemerkbar machen und bildet den Zustand des Gehirns ab. Der Sehnerv bildet die direkte Verbindung zu unserem Denkorgan.

Präzisionsmedizin

Die neue Möglichkeit revolutioniert nicht nur die Diagnostik, sie macht auch eine individuell angepasste Therapie - Stichwort "personalisierte Medizin" - möglich. Das Programm errechnet zudem, wie und wie oft behandelt werden soll, bzw. nennt notwendige Termine für Kontrollen und Nachbehandlung. Das gilt außerdem für Makuladegeneration (AMD, eine Erkrankung des Augenmittelpunktes mit Gefahr von Sehschwäche und Erblindung), bei der die optische Koheränztomografie (diagnostische Bildgebung) bereits ein enormer Fortschritt bei der Erkennung war. Univ-Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der MedUni Wien etablierte nun die "Artificial Intelligence" in Wien: "Der digitale Blick auf die Netzhaut liefert uns enorme Mengen an Informationen über sämtliche persönliche und medizinische Lebensdaten", so die Expertin.

Internist und Diabetes-Spezialist Dr. Florian Kiefer erhofft sich von der aktuellen Technologie ein besseres Diabetes-Management für die 600.000 Patienten in Österreich, um Erblindung durch Retinopathien zu verhindern.

Mit dem größtmöglichen Nutzen für den Patienten müssen auch besondere Sicherheitsmaßnahmen einhergehen.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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