Das freie Wort

Gute Nacht, liebes Heimatland

Ich bin viel in der Welt herumgekommen, habe beruflich und privat an die 100 Länder bereist. Und in jedem Winkel der Welt war ich stolz auf mein Heimatland, stolz darauf, ein Österreicher zu sein. „I am from Austria“, das war fast so etwas wie ein Türöffner in die Herzen der Menschen. Bewunderung allerorten für die Alpenrepublik und ihre Bewohner. Auch wenn man uns da und dort auch schon einmal mit Australien verwechselt. Mittlerweile hat sich in mir tiefe Ernüchterung breitgemacht. Unfassbar, was sich auf der politischen Bühne abspielt. Skandale am laufenden Band erschüttern die Republik in ihren Grundfesten. Korruption, Unfähigkeit, Postenschacher bringen das Land an den Rand des Abgrundes. Und was machen unsere Regierenden? Sie hüllen sich in Schweigen, wursteln vor sich hin oder reisen mit fragwürdigen Motiven im Gepäck in der Weltgeschichte herum, während in der Heimat der Hut brennt. Fast noch mehr als die ÖVP ärgern mich die Grünen. Die Saubermann/ Sauberfrau-Partei verrät ihre Ideale bedenkenlos, um an der Macht (und am Futtertrog?) zu bleiben. Bundeskanzler und Minister kommen und gehen, um dann nach ihrem Abgang fett bezahlte Posten in der Privatwirtschaft zu übernehmen, während sich viele Österreicher kaum noch das Leben leisten können. Unser wunderschönes Heimatland hat sich diese Politiker nicht verdient. Mittlerweile verschweige ich meine Herkunft, wenn ich in anderen Ländern unterwegs bin, weil ich mich für unser Land schäme. Und das tut verdammt weh. Angesichts der Zustände hierzulande sollen sich manche Menschen hüten, in ihrem Urteil über andere Länder das abwertende Wort Bananenrepublik in den Mund zu nehmen. Deprimierend, dass man diese Chaostruppe womöglich noch zwei Jahre aushalten muss, weil sie Neuwahlen verhindert. Gute Nacht, liebes Heimatland!

Walter Schrott, Thiersee

Erschienen am So, 15.5.2022

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