Seit Monaten verweisen René Benkos Anwälte bei den Haftprüfungen auf einen geheimnisvollen „väterlichen Freund“, der dem Milliardenpleitier aus der U-Haft-Patsche helfen könnte: mit einer Innenstadtwohnung und der Übernahme der Lebenshaltungskosten. Die „Krone“ kennt die Hintergründe.
Am Tag vor Weihnachten setzen Benkos Anwälte noch einmal alles auf eine Karte. Tenor: Elf Monate Untersuchungshaft seien genug, noch dazu, wo Österreichs bekanntester Bankrotteur Wohnplatzzusagen vorlegen könne. Von seinen Eltern in Innsbruck, die ein Gästezimmer entbehren könnten. Oder eben von jenem „väterlichen Freund“ Benkos, der dem tief gefallenen Signa-Gründer nicht nur eine Wiener City-Wohnung überlassen, sondern auch dessen Lebenshaltungskosten übernehmen würde. Seit Monaten wird der „väterliche Freund“ vor der Haft-Richterin ins Treffen geführt – in den offiziellen Protokollen des Gerichts fand der Name jedoch keine Aufnahme, da sich Benkos Verteidiger vehement dagegen wehren.
„Habe eine Verantwortung“
Auch deshalb flogen zwischen der Vertreterin der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) und dem Benko-Anwalt an diesem 23. Dezember 2025 die Funken. Denn die Oberstaatsanwältin beharrte laut Protokoll auf Offenlegung der „zur Verfügung stehenden Wohnsituation in Wien“:
„Könnte man diesmal festhalten, von wem diese ist?“
Benkos Verteidiger: „Frau Staatsanwältin, ich trage jetzt hier so vor, wie ich es für richtig erachte und wie ich es dieser dritten Person auch versichert habe. Ich habe auch eine disziplinäre Verantwortung dieser Person gegenüber, wenn ich den Auftrag habe, so wie ich ihn habe.“
Antwort der Richterin: „Ich gehe davon aus, es handelt sich um den väterlichen Freund wie bisher. Ich nehme an, dass diese eidesstättige Erklärung aktualisiert ist?“
Benkos Verteidiger: „Ja, das ist richtig.“ Er, als Benkos Anwalt, habe sich erst gestern „ausdrücklich rückversichert“, dass „diese Erklärungen nach wie vor aktuell“ sind und Zusagen vorliegen. „Betreffend der Wohnsituation in Wien“ habe er „dieser Person zugesichert, dass ich sie aufgrund des medienwirksamen Verfahrens nicht benennen werde. und ersuche weiterhin um Verständnis dafür. Was das Gericht daraus für Schlussfolgerungen zieht, sei dem Gericht logischerweise selbst überlassen.“
„Beantrage namentliche Nennung“
In weiterer Folge erklärt die Staatsanwältin unter anderem: „Es wäre wichtig festzuhalten, von wem diese Wohnplatzzusage namentlich stammt. Ich beantrage die namentliche Nennung oder die Vorlage dieser Wohnplatzzusage, wo man sieht, wer dem René Benko in Wien eine Wohnmöglichkeit zur Verfügung stellt.“
Ich beantrage die namentliche Nennung oder die Vorlage dieser Zusage, wo man sieht, wer dem René Benko in Wien eine Wohnmöglichkeit zur Verfügung stellt.
Oberstaatsanwältin der WKStA
Benkos Anwalt erklärt darauf: „Ich weigere mich, den Namen bekannt zu geben, da ich darum gebeten wurde, und daher werde ich es nicht machen. Ich weiß auch nicht, wie Sie daraus eine Fluchtgefahr verifizieren können, anhand einer Person. Das ist wirklich außerhalb des Rechtsrahmens, in dem wir uns bewegen.“ Man könne Benko auch die Auflage erteilen, sich von dieser Adresse täglich bei den Behörden zu melden.
Laut „Krone“-Recherchen handelt es sich bei Benkos „väterlichem Freund“ um Siegfried Wolf.
„Habe mich nie an Hetzkampagnen beteiligt“
Auf Anfrage dazu, und warum er mit dem Thema nicht transparent umgehe, erklärt der 68-jährige Unternehmer: „Ich habe mich noch nie an medialen Hetzkampagnen beteiligt. Ich werde diese auch im Falle René Benko nicht tun. Ihre Anfrage betrifft im Übrigen den höchstpersönlichen Lebensbereich des Herrn Benko und – sollten Sie darüber tatsächlich berichten – auch meine Person.“ Im Falle einer Berichterstattung sehe er sich daher auch veranlasst, „umgehend rechtliche Schritte einzuleiten“.
Der Industrielle Wolf, der viele Jahre im Reich des russischen Oligarchen Oleg Deripaska tätig war, gilt als enger Vertrauter von René Benko. Wolf und Benko waren Teil einer elitären Jagdrunde, die es regelmäßig nach Ungarn, Tschechien oder in die rumänischen Karpaten zog. Man reiste standesgemäß im Privatjet und legte die letzten Meter mitunter im Helikopter zurück, um auch wildere Tiere wie etwa Bären vor die Flinte zu bekommen.
„Mein Freund schläft gut ...“
Am Jägerball 2024, kurz nach dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe, hatte der milliardenschwere Industrielle Wolf seinem Freund in einem ATV-Interview noch eine Art Absolution erteilt: Benko habe „nichts falsch gemacht“. Schuld seien die Medien: „Man hat das schon sehr oft gesehen, dass die Presse Urteile fällt, und der Richter führt sie dann aus.“ Und: „Mein Freund schläft gut, weil mein Freund hat nichts falsch gemacht.“
Seit dem 23. Jänner 2025 schläft René Benko hinter Gittern.
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