05.11.2007 17:15 |

Brettspiel

Tony Hawk's Proving Ground

Mit "Skate." hat Publisher Electronic Arts frischen Wind in das über Jahre hinweg von der Tony-Hawk-Reihe dominierte Genre der Skateboard-Games gebracht. Jetzt setzt Activision mit "Tony Hawk's Proving Ground" zum Gegenschlag an. Ob der neueste Teil des beliebten Franchise den neuen Mitbewerber wieder vom Markt drängen kann, erfährst du hier.

Spiel Nummer 13, das den Namen der aus Kalifornien stammenden Skate-Legende im Titel trägt, fängt wie die Vorgänger auch ganz unten an: Als Nobody im Skate-Zirkus gilt es, sich nach oben zu arbeiten. Anders als bisher kann der Spieler jedoch drei unterschiedliche Karriere-Pfade einschlagen und sich und sein Können somit spezialisieren.

Der Rigger-Skater etwa ist der Bastler unter den Skateboardern. Er kann nicht nur kletternderweise neue Spots auskundschaften, sondern zudem auf Knöpfchendruck über einen Editor neue Rails und Pipes in der Landschaft platzieren. Der Hardcore-Skater setzt hingegen ganz auf schnelles Fahren und hohe Sprünge. Hierbei kommt der "Aggro Kick" zum Einsatz - ein starker Push, der zu den drei neuen Bewegungen des Spiels zählt.

Die beiden anderen neuen Tricks sind eine Weiterentwicklung des aus dem Vorgänger bekannten "Nail The Trick", bei dem die Füße des Spielcharakters gesteuert werden: Mit "Nail The Grab" können nun auch im Sprung die Arme gesteuert werden, während "Nail The Manual" das Balancieren auf der Achse des Boards ermöglicht. Diese Tricks zu beherrschen, ist die Aufgabe des Karriere-Skaters.

Für welchen der drei Typen man sich nun entscheidet oder ob man lieber einen Allrounder ausbildet, bleibt jedem Spieler selbst überlassen. Unglücklicherweise muss jedoch, egal wie man es angeht, jeder Trick erst freigeschaltet werden. Gerade Tony-Experten, die von Anfang an voll durchstarten wollen, werden so gebremst. Anfänger tun sich dank der von einem jeweiligen Promi-Skater erteilten Trick-Lektionen zwar etwas leichter, dürften aber damit zu kämpfen haben, dass die lieblose Aneinanderreihung diverser Challenges keinerlei Anreize schafft, sich dauerhaft zu motivieren.

Mit Schuld daran trägt auch die Misere, dass die einzelnen Stadtviertel erst freigespielt werden müssen. Während man bei "Skate." auch als blutiger Anfänger stundenlang frei umherskaten und auf Entdeckungstour gehen kann, stößt der Tony-Hawk-Spieler in der Elemente von Philadelphia, Baltimore und Washington DC vereinenden Stadt schnell auf Grenzen. Zugute halten muss man den Machern jedoch, dass sie jedes Viertel wieder mit allerlei Grind-Gelegenheiten, Halfpipes und dergleichen ausgestattet haben.

Dennoch kann Tony Hawk in Sachen Optik nicht mit der neuen Konkurrenz mithalten. Zwar sind die Animationen flüssig, und vor allem die Wassereffekte sehen hervorragend aus, gerade das Stadtbild lässt jedoch zu wünschen übrig und wirkt insgesamt grau und trüb. Gepatzt hat man schließlich auch bei der deutschen Sprachausgabe, die nicht nur alles andere als lippensynchron ist, sondern zudem durch ihre zwanghaft hippe Ausdrucksweise und unverständlichen Skater-Slang negativ auffällt.

Auch eher missglückt ist der neue Video-Editor. Dieser bietet zwar prinzipiell mehr Funktionen als das EA-Gegenstück, etwa die Untermalung mit Musik aus dem Game-Soundtrack, muss aber manuell gestartet werden. Während bei "Skate." die letzten 30 Sekunden automatisch im Zwischenspeicher aufgezeichnet werden, um spontan geglückte Tricks festzuhalten, muss bei Tony Hawk erst der Aufnahme-Knopf gedrückt werden. Ein weiteres Manko: Es gibt keine Sharing-Funktion, die den Austausch von Clips oder Screenshots mit anderen Usern ermöglicht.

Als recht praktisch erweist sich hingegen die Einbindung des Multiplayer-Modus in die Einzelspielerkampagne: Ohne umständlich in das Hauptmenü wechseln zu müssen, kann der Spieler nahezu nahtlos zwischen Einzelspieler- und Multiplayer-Modus wechseln, um mit bis zu acht Spielern etwa die eigens gebauten Skate-Parks zu erkunden oder sich in diversen Spielvarianten untereinander zu messen.

Fazit: Die Tony-Hawk-Reihe setzt auch im neuesten Teil auf Altbewährtes. Die Neuerungen sind rar und oftmals leider nur mangelhaft in Szene gesetzt. Gerade der Karriere-Modus, das Herzstück des Spiels, lässt den Gamer oftmals Hilfe suchend im Regen stehen. Dennoch fällt der Einstieg in das Skate-Universum durch die weitestgehend bekannte Tastenbelegung noch immer um einiges leichter als bei "Skate.", das wiederum mit einer besseren Grafik, dem hohen Grad an Realismus, der Sharing-Funktion und einem letzten Endes praktischeren Video-Editor punkten kann. Da jedoch Konkurrenz das Geschäft belebt, bleibt zu hoffen, dass der nächste Tony-Hawk-Titel wieder eine klarere Linie erkennen lässt.

Plattform: Xbox 360 (getestet), Wii, PS2, PS3, DS
Publisher: Activision
Krone.at-Wertung: 79%


von Sebastian Räuchle

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