Sa, 23. Juni 2018

Fußball-Fieber

23.10.2007 14:19

Fifa 08

Auch bei "Fifa 08" muss das Runde immer noch ins Eckige. Sonst hat sich aber in einem der erfolgreichsten Computerspiele der Welt einiges geändert. Zu den Highlights der 15. Auflage des Kult-Games zählt die endlich wieder integrierte T-Mobile Bundesliga mit allen heimischen Klubs, eine spielerisch anspruchsvolle Steuerung sowie die Möglichkeit, für ein ganzes Spiel in die Rolle eines einzelnen Spielers zu schlüpfen. Wenige Wochen nach dem Release spricht ein Großteil der Fans nicht zu Unrecht vom besten Fifa, das es je gab.

Jedes Jahr erwarten Freunde des virtuellen Fußballs im Herbst sehnlich den Release eines neuen Fifa-Games. Wie groß die Vorfreude wirklich war, zeigt die Tatsache, dass alleine in Europa bereits eine Woche nach dem Release im September mehr als eine Million Exemplare über den Ladentisch gewandert sind. Heuer hat sich das Warten ausgezahlt – viel mehr noch, als in den Jahren zuvor, denn das Fußballspiel erfreut sich in seiner 15. Auflage zahlreicher Neuerungen, die das Herz des E-Kickers höher schlagen lassen.

Unter den 620 lizenzierten Teams, 30 offiziellen Ligen und über 15.000 Spielern findet sich zur Freude österreichischer Fans endlich auch wieder die T-Mobile-Bundesliga mit Klubs wie Rapid, Austria oder Meister Salzburg. Am Cover der in der Alpenrepublik vertriebenen Version thront neben Fußballgott Ronaldinho gar Team-Kapitän Andreas Ivanschitz, der im Spiel zwar im rot-weiß-roten Nationalteam, nicht aber mit seinem derzeitigen Klub Panathinaikos Athen vertreten ist.

In "Fifa 08" haben die EA-Spielemacher einige Verbesserungen erfolgreich umgesetzt. Die Spieler bewegen sich besser, haben in der Offensive deutlich dazugelernt und beherrschen auch einige neue Tricks, die allerdings erst nach einigen Trainingsstunden effektiv im Spiel angewendet werden können. Im Internet kann man sich sogar seinen eigenen Avatar basteln, der später auch in Online-Spielen angezeigt wird. Gelingt einmal ein besonders spektakuläres Tor, kann es gespeichert und auf die Fifa08-Website hochgeladen werden.

Luft an der Weltspitze wird dünner
"Fifa 08" ist anspruchsvoller als sein Vorgänger. Es bedarf schneller und vor allem präziser Kombinationen sowie eines guten Zweikampfverhaltens, um in die gegnerische Hälfte vordringen und Torschüsse versuchen zu können. Passes finden nicht mehr so selbstverständlich ihr Ziel, denn Gamer müssen nun neben der Richtung auch die Stärke des Passes per Knopfdruck festlegen. Wer bisher sein Angriffsspiel gerne über die Flügel aufgezogen hat, dürfte üben müssen. Flanken, Kopfbälle und Direktabnahmen sind nicht mehr so einfach – Position und Timing sind von entscheidender Bedeutung.

"Be a Pro" – der Modus für Einzelkämpfer
Die größte Neuerung seit dem Scheitern der umstrittenen Off-the-Ball-Steuerung, die das gleichzeitige Steuern von zwei Spielern erlaubte, ist zweifellos der "Be a Pro"-Modus. Hier kann der Spieler in die Rolle eines einzelnen Kickers schlüpfen, der ganz im Sinne der Mannschaft agieren sollte und auch unangenehmere Aufgaben in Sachen Manndeckung und Positionsspiel übernehmen muss. Gelingt das nicht, so gibt’s nach dem Spiel eine schlechte Bewertung. Schade nur, dass in diesem Modus nur ein Einzelspiel absolviert werden kann, denn das "Be a Pro"-Offline-Training macht Lust auf Liga- oder Online-Multiplayer-Kämpfe. Auch ein Feedback in Form einer Standpauke vom Trainer anstatt einer langweiligen Balken-Skala würde den Spaßfaktor zweifellos erhöhen.

Torhüter nicht immer weltklasse
Wie jedes Jahr hat der virtuelle Spaß allerdings auch heuer seine Schattenseiten: Top-Torhüter wie Olli Kahn und Iker Casillas machen teilweise haarsträubende Fehler, die sie sich auf dem realen Rasen nicht zu oft erlauben dürften. Auch bei manchen Schüssen aus 30 oder 40 Metern Distanz glänzt so mancher Schlussmann aus unerklärlichen Gründen nur durch Untätigkeit. In Online-Partien werden gegen abgefeimte Zocker Gewaltschüsse direkt nach dem Anstoß von der Mittelauflage leider immer noch zum Problem und können – wenn überhaupt – nur gerade noch über die Latte geboxt werden. Das Rauslaufen des Tormanns funktioniert nicht mehr so zügig, gelegentlich führt ein unmotiviertes Zaudern des Goalies unweigerlich zum Gegentreffer.

Auch in den Abwehrreihen macht sich immer wieder Unsicherheit breit. Daran ändert auch die Tatsache nicht viel, dass man nun gezielt bestimmte Verteidiger anklicken kann. So mancher Patzer im und um den Strafraum kommt aber überhaupt erst zustande, weil die Abseitsfalle etwas zögerlicher funktioniert als beim Vorgänger.

Steuerung mit mehr Simulations-Charakter
Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem aus dem Lager der "Pro Evolution Soccer"-Fans immer wieder Unkenrufe laut wurden, "Fifa" sei zu arcadelastig, hat die EA-Gamesschmiede in der heurigen Auflage optional eine neue Steuerung eingeführt. Diese hat mehr Simulationscharakter und dürfte Gamern auch über einen längeren Zeitraum ausreichend Langzeitmotivation bieten: Für Pässe, Steilpässe, Schüsse, Flanken und Heber sind die Hilfen in den Controller-Optionen deaktivierbar. Wer allerdings mit manueller Steuerung gut spielen möchte, muss zweifellos nicht nur ein paar Stunden an Übungszeit investieren, um sich auf der Weltfußballbühne von Xbox Live nicht anzuschütten.

Neue Tastenbelegung lockt "Pro Evolution Soccer"-Fans
Fix ist: Wer "Fifa 08" spielt, muss sich bei einigen Tastenbelegungen umgewöhnen. In den Controller-Optionen stehen – getestet wurde auf Xbox 360 – sowohl eine neue, als auch eine klassische Steuerungsvariante zur Verfügung. Wählt man die klassische, dann muss man sich nur damit abfinden, das Anwählen und In-den-Raum-Schicken eines anderen Spielers anstatt mit LT mit LB durchzuführen. Schuss- und Flankenknopf sind aber nach wie vor dort, wo sie der eingefleischte Fifa-Gamer erwartet.

Größer fällt die Veränderung bei den Steuergewohnheiten aus, wenn man sich an die neue Einstellung heranwagt. Hier haben Schuss- und Flanken-Taste den Platz getauscht, was mitunter für große Verwirrung am Platz und stümperhafte Aktionen der Hauptakteure sorgen kann. Verunglückte Torschüsse, die sich auf die Galerie verirren, sind da keine Seltenheit.

Die Tastenbelegung der neuen Steuerung soll vermutlich vor allem Fußballfans ansprechen, die bisher Konamis "Pro Evolution Soccer" (PES) – den Hauptkonkurrenten der Fifa-Reihe – bevorzugt haben. Dieser Plan scheint – zumindest kurz vor Erscheinen von PES 2008 – zumindest im Ansatz aufgegangen zu sein: In diversen Games-Foren outet sich mancher PES-Fan bereits als neuer FIFA-Freund.

Fazit: "Fifa 08" ist eine gelungene Fortsetzung der erfolgreichen Reihe mit einigen Verbesserungen, die den Spielspaß erhöhen und selbst anspruchsvollere Zocker zufriedenstellen dürften. Nach wie vor gibt es allerdings einige Bugs, die sich jedoch nicht mehr so negativ auf das Spielerlebnis auswirken, wie beim Vorgänger. Neben diversen Erweiterungen der Online-Funktionen fällt vor allem der neue "Be a Pro"-Modus auf, in dem man für ein ganzes Match in die Rolle eines Einzelspielers schlüpfen kann. Allerdings bremst die Tatsache die Freude, dass man als "Pro" nur einzelne Trainings-Spiele und Herausforderungen bestreiten kann. Eine Erweiterung des Modus um Liga-, Turnier- und Online-Funktionen wäre wünschenswert.

Plattform: Xbox360 (getestet), PC, PS2, PS3, PSP, Wii, NDS
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 83%

von Martin Schrapfeneder

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