Di, 23. April 2019
17.12.2017 06:00

Diabetes Typ 1

"Hart, als Zuckerkranke erwachsen zu werden"

Bettina Blanc war bei der Diagnose lediglich sieben Jahre alt. Das Leiden stellt nach wie vor eine lebenslange Herausforderung dar, mit der die Volksschullehrerin heute aber gut zurecht kommt. Als Jugendliche war das manchmal ganz anders...

"Denke ich an meine Volksschulzeit zurück, kommen mir dicke Spritzen und strenge Ernährungsvorschriften in den Sinn", erinnert sich die heute 48-jährige Bettina Blanc. "Meine Mutter musste mir das Hormon Insulin injizieren, und ich hatte sechsmal am Tag zu essen und dabei genau 12 Broteinheiten zu mir zu nehmen." Bei der kleinen Bettina wurde nämlich mit sieben Jahren Typ-1-Diabetes festgestellt. Das bedeutete: Ihre insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse wurden durch körpereigene Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, zerstört.

Von einem Tag auf den anderen fühlte sich das Mädchen nicht mehr wie eine Prinzessin - "Die haben schließlich nicht mit Insulinspritzen zu kämpfen" - sondern wurde in eine Außenseiterrolle gedrängt. "Meine Mutter musste sogar mit auf die Schullandwochen fahren." Die Orientierung verlor die junge Frau dann endgültig mit Beginn der Pubertät. "Ich war ein Wildfang, hatte aber wenig ausgereifte Zukunftsperspektiven. Es gab damals auch keine Vorbilder, die mit dieser oder einer anderen chronischen Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen wären und über ihre Leistungen gesprochen hätten", so die Wiener Volksschullehrerin. Der Teenager trug sich in dieser Zeit mit dunklen Gedanken und machte viel "Unsinn", der seinen Blutzucker gehörig durcheinander brachte.

"Erwachsenwerden ist immer schwer. Wenn man Diabetes hat, allerdings noch um einiges schwieriger", pflichtet Stoffwechselexpertin Ao. Univ.-Prof. Dr. Kinga Howorka, AKH Wien, bei. "Anfang der 1980er-Jahre gab es für die betroffenen Jugendlichen keine positiven Aussichten. Die Situation war erdrückend, weil sehr unflexibel. Wir bemühten uns, das Leben der Patienten leichter zu machen, indem wir die funktionelle Insulintherapie einführten. Es ging - und geht wie bei jeder anderen chronischen Erkrankung - darum, die Betroffenen durch spezielle Schulungen zu mündigen, eigenständigen Patienten zu machen. Wichtig: Nicht der Arzt trägt die Verantwortung, sondern jeder Einzelne für sich selbst."

Auch Bettina Blanc lernte durch strukturierte Gruppenschulungen langsam mit ihrer Krankheit zu leben. "Mit Anfang 20 Jahren bekam ich den Zucker endlich halbwegs in den Griff. Doch das bedeutete nicht, dass er mich in Ruhe ließ. Bei meinen drei Schwangerschaften bekam ich das besonders deutlich zu spüren: Stündlich musste ich Blutzucker messen, auch zweimal in der Nacht, außerdem fast wöchentlich ins Spital für Risikoschwangere ,pilgern‘", erzählt die quirlige Frau. "Jedes Schwangerschaftsdrittel stellte weiters unterschiedliche Anforderungen an die Zuckereinstellung. Die Geburten waren fast ein Kinderspiel dagegen!"

Ihre zwei Töchter und der Sohn zeigen bis jetzt glücklicherweise keine Anzeichen, den Diabetes der Mama geerbt zu haben. "Auch wenn es schon über 40 Jahre sind - ich hadere manchmal noch immer damit, dass ich mit dieser chronischen Erkrankung leben muss", gibt sich Bettina Blanc nachdenklich. Schließlich muss sie nach wie vor oft Blutzucker messen oder bei der Ernährung aufpassen. Pizza etwa und Feiern mit üppigen Torten sind schwierig. "Jemand aus der Selbsthilfegruppe schenkte mir aber einmal einen guten Gedanken: Die Bauchspeicheldrüse ist zwar kaputt, mein Hirn aber nicht. Und das Hirn kann die Bauchspeicheldrüse mit den heutigen Medikamenten brauchbar ersetzen."

Dr. Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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