Do, 20. September 2018

Anwalt bestätigt

08.09.2017 20:11

Knalleffekt: Seisenbacher wieder auf freiem Fuß

Paukenschlag im Fall Peter Seisenbacher: Der zweifache Judo-Olympiasieger ist am Freitag in Kiew aus der Auslieferungshaft entlassen worden. Der 57-Jährige wartet nun in der Ukraine das weitere Verfahren ab. "Die Gerichte vor Ort werden nun entscheiden, wie es mit der Überstellung weitergeht", sagte sein Anwalt Bernhard Lehofer gegenüber der "Krone". Seisenbacher war am 1. August - nach 225 Tagen auf der Flucht - verhaftet worden.

Wie ausführlich berichtet, steht der 57-Jährige unter dem dringenden Verdacht, im Zuge seine Trainertätigkeiten mindestens drei minderjährige Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Seit dem für 19. Dezember 2016 angesetzten Gerichtstermin war Seisenbacher auf der Flucht. Am 1. August ging der weltweit gesuchte ehemalige Spitzensportler den heimischen Zielfahndern des Bundeskriminalamts ins Netz.

Zugriff mit Sondereinheit
Während in den Monaten zuvor immer wieder unterschiedlichste Gerüchte um seinen angeblichen Aufenthaltsort die Runde gemacht hatten, hatten die Ermittlungsexperten die wahre Fährte bereits aufgenommen. Die Spuren in Richtung Ukraine wurden immer konkreter. Bis es am 1. August dann in einem heruntergekommenen Plattenbau so weit war: Mit Unterstützung der Polizei-Sondereinheit von Kiew schlugen die eigens angereisten österreichischen Zielfahnder mitten in Kiew zu - und legten dem Doppel-Olympiasieger Handschellen an.

Video: Die Festnahme Seisenbachers in seiner Wohnung in Kiew

Telefonate mit seiner Familie und vor allem mit seiner Mutter in Österreich hatten die Zielfahnder auf die Spur des mittels internationalen Steckbriefs gesuchten Verdächtigen geführt. Die Bilder, die den ehemaligen Sportstar mit Vollbart in Handschellen und in der Unterhose auf einem Sofa sitzend zeigten, gingen um die Welt. Ende August wies Seisenbacher über seinen Anwalt Berichte zurück, wonach im Gefängnis für ihn Schutzgeld bezahlt worden sei.

Überstellung nach Österreich soll noch im September stattfinden
In einem zweiten Anlauf soll nun in Wien der Prozess gegen Seisenbacher wegen sexuellen Missbrauchs starten. Die Verhandlungen im Wiener Landesgericht sollen noch vor Weihnachten beginnen. Dazu müsste freilich die Ukraine den ehemaligen Olympiahelden ausliefern. Die Überstellung soll noch im September stattfinden. "Der aus der Haft entlassene Seisenbacher wartet in der Ukraine auf die weiteren Auslieferungsmodalitäten", so Lehofer zur "Krone".

Daten und Fakten
Geboren am 25. März 1960 in Wien, sorgte Peter Seisenbacher 24 Jahre später bei den Olympischen Spielen in Los Angeles mit der Judo-Goldmedaille erstmals für Furore. Ein Jahr später, 1985, holte er sich in Seoul auch den WM-Titel. 1986 folgte EM-Gold. Endgültig in die Geschichte ging Seisenbacher 1988 ein: Als erstem Judoka überhaupt gelang dem Österreicher die erfolgreiche Titelverteidigung bei Olympia.

Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Seisenbacher dem Sport treu: als Trainer des österreichischen Judoverbandes, Präsident des Wiener Landesverbandes und später als Coach der georgischen sowie aserbaidschanischen Nationalmannschaft. 2014 kamen dann erstmals Missbrauchsvorwürfe auf - zwei Jahre später wurde Anklage erhoben.

Florian Hitz, Martina Prewein, Kronen Zeitung, und krone.at

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