Fr, 19. Oktober 2018

Polizist getötet

01.09.2017 16:20

Weltweite Fahndung nach Red-Bull-Erben

Er ist reicher als reich - und auf der Flucht: Vorayuth Yoovidhya, ein Enkelsohn des verstorbenen thailändischen Milliardärs und Red-Bull-Mitbegründers Chaleo Yovidhya, wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Ihm wird vorgeworfen, 2012 alkoholisiert einen Motorradpolizisten angefahren und dabei tödlich verletzt zu haben. Er soll danach Fahrerflucht begangen und versucht haben, den Vorfall zu vertuschen. Erst jetzt wurde der Thailänder, der sich von seinen Freunden gerne "Boss" nennen lässt, von Interpol zur Fahndung ausgeschrieben.

Sein Großvater gilt als Erfinder des führenden Energiedrinks Red Bull. Der Unternehmer Dietrich Mateschitz machte Red Bull zum Weltmarktführer, der Yoovidhya-Clan scheffelte Milliarden. Das Vermögen der Familie wird auf über 27 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Seit fünf Jahren sucht die thailändische Polizei nun nach jenem Spross, der einen Polizisten auf dem Gewissen haben soll. Der Verkehrspolizist hatte 2012 einfach das Pech gehabt, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Der heute 31-jährige Red-Bull-Erbe soll den Motorradpolizisten mit seinem 660 PS starken Ferrari niedergefahren haben, der Mann hatte keine Chance.

Über Singapur nach Taiwan geflüchtet
Vorübergehend festgenommen und wieder freigelassen, erschien "Boss" dann nicht zu Anhörungen bei den Strafverfolgern. Die thailändischen Behörden schienen das lange Zeit hinzunehmen. Wo sich der Firmenerbe aufhält, war zuletzt unbekannt. Der Thailänder soll sich laut Recherchen der Nachrichtenagentur AP im vergangenen Mai zunächst von Thailand nach Singapur abgesetzt haben und von dort weiter nach Taiwan gereist sein - wo er im Nobelhotel Mandarin Oriental untergekommen sein soll, dort verlor sich seine Spur.

Erst nach massiver öffentlicher Kritik über den Anschein einer Zweiklassenjustiz kommt nun langsam Bewegung in den Fall. Jetzt landete Yoovidhya auf der Fahndungsliste von Interpol.  Die thailändischen Behörden machten zuvor mit zahlreichen fragwürdigen Verzögerungen Schlagzeilen: So dauerte allein die Übersetzung eines Auslieferungsantrags mehrere Monate.

Vorayuth Yoovidhya ließ sich indessen im Ausland auch angesichts der Ermittlungen gegen ihn nicht die Lust am Luxusleben nehmen. Fotos auf Instagram und Facebook zeigten ihn noch vor wenigen Monaten beim Snowboarden in Japan, in Londoner Restaurants und im VIP-Bereich des Red-Bull-Formel-1-Teams. Die Fahndungsausschreibung durch Interpol könnte seine Reisefreiheit nun jedoch deutlich einschränken.

Tat teilweise bereits verjährt
Dem Milliardenerben wurde zunächst rücksichtsloses Fahren mit Todesfolge, unterlassene Hilfeleistung und Geschwindigkeitsüberschreitung vorgeworfen. Der letzte Punkt ist jedoch bereits verjährt. In den nächsten Tagen muss nach fünf Jahren auch der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung zu den Akten gelegt werden. In zehn Jahren verjährt dann der Hauptvorwurf.

Die Frau des getöteten Polizisten hat die Hoffnung auf Gerechtigkeit indessen offenbar längst aufgeben: Si soll thailändischen Medien zufolge ein "Blutgeld" in der Höhe von 100000 US-Dollar angenommen haben. Anklage gegen den milliardenschweren Red-Bull-Erbe Vorayuth Yoovidhya wolle sie nicht mehr erheben, hieß es.

Auch Ex-Regierungschefin auf der Flucht
Der Red-Bull-Erbe ist nicht der einzige Prominente aus Thailand, der sich derzeit auf der Flucht befindet. Vergangene Woche machte auch die ehemalige Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra Schlagzeilen, als sie bei einem Strafprozess gegen sich nicht zur Urteilsverkündung in einem Verfahren wegen Verschwendung von Steuergeldern in Milliardenhöhe erschien.

Über ihren Anwalt ließ sie mitteilen, sie sei erkrankt. Wenige Stunden später stellte sich heraus, dass sie das Land verlassen hatte. Nach Angaben ihrer Partei hat sich Yingluck nach Dubai in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) abgesetzt. Sie selbst weist alle Vorwürfe als "politische Machenschaften" zurück.

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