Am Dachstein

Wirt zog zwei Bergwanderer aus Gletscherspalte

Nur rund zweieinhalb Stunden nacheinander sind zwei Bergsportler am Dachstein bei Hallstatt in die gleiche Gletscherspalte gestürzt. Wilfried Schrempf, der Wirt der Seethalerhütte, war in beiden Fällen als Helfer im Einsatz. Ein Steirer (61) wurde erheblich verletzt, ein 43-jähriger Niederösterreicher unverletzt geborgen.

Am Montag etwa gegen 12.30 Uhr hatten einige Gäste beobachtet, wie ein Mann etwa 100 Meter von der Hütte entfernt in einer Gletscherspalte verschwunden ist. "Ein Bergführer-Kollege und ich sind daraufhin sofort mit einem Skidoo hingefahren, der Mann ist fast 20 Meter abgestürzt", so Wilfried Schrempf.

20 Meter tief in zugewehte Spalte gestürzt
Der 61-jährige Karl T. aus Schladming hatte bei strahlendem Sonnenschein abseits des präparierten Gletscherweges Isolierplatten eingesammelt, die am Vortag von einer Baustelle der Dachsteinwarte verweht worden waren. Dabei war der Steirer in die zugewehte Spalte eingebrochen und zunächst acht Meter tief auf eine Schneebrücke gestürzt. "Die hat seinem Gewicht aber nicht standgehalten, er ist dann noch zwölf Meter tiefer gefallen und hat sich die Schulter ausgekegelt", erklärt Schrempf. Hätte es von dem Unglück keine Zeugen gegeben, wäre die Lage für den 61-Jährigen lebensbedrohlich geworden: "Er hatte ja nur ein T-Shirt und eine knielange Hose an, hatte keinerlei Ausrüstung."

Leicht verletztes Opfer ins Spital geflogen
Schrempf seilte seinen Kumpel zu dem Verletzten ab, gemeinsam hievten sie den Mann an die Oberfläche. Zufällig anwesende Bergretter aus Bad Mitterndorf halfen ihnen dabei. Der 61-Jährige wurde mit dem Rettungsheli ins Spital nach Schladming geflogen.

Ehefrau hielt Gletscheropfer am Seil fest
Kurz darauf, um 15.15 Uhr, passierte der nächste Unfall. Das Ehepaar Norbert (43) und Karoline Z. (39) aus Mauerbach  befand sich am Abstieg vom Hohen Dachstein zur Simonyhütte. Sie waren in einer Zweierseilschaft unterwegs, kamen an der Gletscherspalte vorbei. Schrempf: "Der Mann  wollten dem Loch ausweichen, ist jedoch fünf Meter daneben ebenfalls eingebrochen." Seine Frau konnte sich mit einem Pickel am Boden festkrallen und ihn am Seil sichern, die Sturzhöhe war dadurch nicht groß. Auch in dem Fall schlugen Augenzeugen Alarm. Wieder waren Schrempf und der Bergführer vor Ort und zogen Norbert Z., der unverletzt war, in Sicherheit.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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