12.04.2017 11:46 |

Nach Skandal-Video

Passagier-Rauswurf: Airline-Chef entschuldigt sich

Nach dem gewaltsamen Rauswurf eines Passagiers aus einem überbuchten Flugzeug hat sich der Chef der US-Fluggesellschaft United Airlines offiziell für den Vorfall entschuldigt. "Ich bin noch immer erschüttert davon, was auf diesem Flug passiert ist, und ich entschuldige mich aufrichtig", erklärte Oscar Munoz am Dienstag. Seine Entschuldigung gelte dem Mann, der aus dem Flugzeug gezerrt worden sei sowie "allen Kunden an Bord". In Chicago kam es nach dem Vorfall zu Protesten gegen United Airlines.

Munozs Erklärung ging deutlich weiter als bisherige Äußerungen des United-Chefs. Zuvor hatte er auf der Website des Unternehmens lediglich erklärt, es sei "für uns alle ein erschütternder Vorfall". Sein Unternehmen werde den Fall untersuchen und bemühe sich darum, "die Lage zu klären". United Airlines will auch den internen Umgang mit Überbuchungen prüfen und bis Ende des Monats Ergebnisse dazu vorlegen.

Von der Gewaltanwendung gegen den Passagier gibt es Videoaufnahmen, die seit Montag im Internet kursieren. Sie zeigen, wie drei Polizisten vor dem Abflug aus Chicago nach Louisville im Bundesstaat Kentucky am Sonntag den offenbar asiatischstämmigen Mann auffordern, seinen Platz zu räumen. Als er sich weigert, wirft ihn einer der Beamten zu Boden und schleift ihn über den Gang zum Ausstieg. Der Passagier schreit laut, die anderen Insassen reagieren schockiert.

Proteste Asiatischstämmiger in Chicago
Der Vorfall sorgte in den USA sogar für eine Kundgebung asiatischstämmiger Bürger. Sie protestierten am Mittwoch am Flughafen von Chicago gegen Polizeigewalt. Mittlerweile veröffentlichen Anwälte des betroffenen Fluggasts ein Statement - nach Angaben des US-Senders CNBC heißt es darin, dass sich die Familie für die Anteilnahme und Unterstützung bedanke. Man konzentriere sich nun darauf, dass die Verletzungen behandelt würden und bitte darum, die Privatsphäre zu wahren.

Auch in China ist der Aufschrei groß, denn der Passagier, der aus der Maschine geworfen wurde, soll chinesischer Abstammung sein. Für United Airlines ist China ein wichtiger Markt, auch die Anleger werden nervös. Die Aktie sank am Dienstag zeitweise um mehr als vier Prozent.

Teenagern mit Leggins Einstieg verwehrt
Dabei ist es nicht lange her, dass United auch in einem anderen Fall Negativschlagzeilen gemacht hatte. Ende März wurde das Unternehmen kritisiert, weil die Fluggesellschaft zwei Teenagern den Einstieg ins Flugzeug verboten hatte. Begründung damals: Sie trugen Leggings.

Affäre kommt für United Airlines zur Unzeit
Der Rauswurf in Chicago aber hat eine andere Dimension. Schon seit der von Experten als verpfuscht angesehenen Fusion mit dem US-Rivalen Continental im Jahr 2010 gab es Probleme. Von Mängeln im Reservierungssystem und Computerpannen, die zu vielen Flugausfällen führten, über Imageschäden wegen fehlender Rollstühle an Bord bis hin zu einem Korruptionsskandal, der Munoz' Vorgänger den Job kostete. Vor diesem Hintergrund war die bei vielen US-Kunden als Inbegriff von schlechtem Service geltende Airline gerade erst auf dem Wege der Besserung. Die neue Affäre kommt für United zur Unzeit.

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