So, 19. August 2018

Kindgerecht ballern

06.06.2015 08:30

Farbenfroher Online-Shooter: "Splatoon" im Test

Mit dem kürzlich erschienenen "Splatoon" wagt sich Nintendo in neue Gaming-Gefilde vor und veröffentlicht seinen ersten Online-Shooter für die Wii U. Mit Genre-Größen à la "Battlefield" hat der kindgerechte Kunterbunt-Shooter wenig gemeinsam: Statt Blei fliegt Farbe, statt Abschüssen zählen eingefärbte Quadratmeter. Dem Spielspaß tut das keinen Abbruch, wie sich im Test gezeigt hat.

Von Multiplayer-Games versteht man bei Nintendo einiges: Mit "Mario Kart" haben die Japaner den wohl beliebtesten Mehrspieler-Fun-Racer im Programm, mit "Super Smash Bros." zudem ein überaus spaßiges Prügelspiel. Und mit "Splatoon" meldet sich Nintendo nun auch im Shooter-Bereich eindrucksvoll zu Wort. Der farbenfrohe Online-Shooter ist nämlich ziemlich gut geworden.

Baller-Tintenfische in Inkopolis
Die "Handlung" von "Splatoon" in aller Kürze: Der Spieler schlüpft in der von allerlei Meeresgetier bewohnten Stadt Inkopolis in die Haut eines sogenannten "Inklings". Dabei handelt es sich um nichts anderes als einen humanoiden Tintenfisch, dessen liebste Beschäftigung das Versprühen von Farbe mit Tinten-Schießprügeln ist.

Sich zwischendurch in einen Tintenfisch zu verwandeln und - sogar an der Wand oder unter Zäunen hindurch - durch die versprühte Farbe zu schwimmen, gehört ebenfalls zum Alltag der Inklings, schon allein, weil sie in der Tinte auch ihre Farbtanks auffüllen. Da liegt es nahe, die witzigen Gesellen in bunten Mehrspieler-Scharmützeln für acht Spieler gegeneinander antreten und Levels einfärben zu lassen.

Kurze Solo-Kampagne, lokaler Mehrspieler
Neben dem Online-Mehrspielermodus gibt's auch eine kurze, aber gut gemachte Solo-Kampagne, in der der Spieler im "Super Mario Galaxy"-Stil von Plattform zu Plattform hüpft, Farbe ballernd Rätsel löst und auf der Suche nach einem gekidnappten Elektrowels Bosse besiegt. Und auch einen eher mittelprächtigen Offline-Multiplayer für zwei Spieler gibt es, bei dem einer der Beteiligten am Wii-U-Gamepad spielt, der andere am TV.

Das Hauptaugenmerk bei "Splatoon" liegt aber klar auf den kurzweiligen Online-Revierkämpfen. Das zeigt sich schon allein daran, dass man vor dem Start der Kampagne zunächst einige Online-Kämpfe absolvieren und im Level aufsteigen muss.

Zahl von Modi und Maps noch überschaubar
Diese Online-Kämpfe spielen sich sehr amüsant, lassen bislang aber Abwechslung missen. Während der ersten Spielstunden gibt's nur den aus je dreiminütigen Matches bestehenden Revierkampf-Modus, später gesellt sich ein zweiter, etwas längerer "King of the Hill"-Modus dazu. Auch die Zahl der verfügbaren Karten ist überschaubar, Nintendo hat aber angekündigt, neue Maps und Modi nachzureichen.

Das Spielziel ist bei beiden Modi ident: Statt möglichst viele Gegner abzuschießen, muss der Spieler vor allem den Level in seiner Teamfarbe einfärben. Beim Revierkampf gewinnt am Ende das Team, das prozentuell den größeren Teil der Arena in der eigenen Farbe markiert hat. Und beim "King of the Hill"-Modus gewinnt, wer bestimmte Punkte der Map länger einfärben und halten kann.

Level einfärben oft nützlicher als Abschüsse
Abschüsse spielen in "Splatoon" dagegen nur am Rande eine Rolle. Zwar kann man andere Spieler durch Farbbeschuss eliminieren und so ein paar Sekunden herausholen, bevor sie neu spawnen. Wirklich viel Zeit gewinnt man durch den Abschuss eines Spielers aber nicht – zumal er sich, sobald er wieder im Level ist, mit dem Touchscreen des Gamepads sofort zu einem befreundeten Mitspieler katapultieren lassen kann und somit recht flott wieder im Spiel ist.

Im Test erwies sich der Revierkampf-Modus mit zwei Teams zu je vier Spielern, also das Kernstück von "Splatoon", als ausgesprochen spaßig. Die Matches sind rasant und chaotisch und lassen keine Langeweile aufkommen. Dass man sich auf Knopfdruck als Tintenfisch besonders schnell durch die eigene Farbe bewegen und den Gegner so überraschen kann, bringt ein paar taktische Möglichkeiten ins Spiel – zumal man in der Farbe nicht nur am Boden, sondern auch an Wänden schwimmen und schwer zugängliche Orte erreichen kann.

Viele neue Waffen und Outfits freischaltbar
Taktisch wertvoll sind auch die unterschiedlichen Waffen und Outfits, die der Spieler nach und nach freischalten kann. Dabei steht ein ordentliches Sortiment unterschiedlicher Farb-Schießprügel zur Verfügung – von Schnellfeuer-Farbgewehren über Scharfschützen-Spritzpistolen bis hin zum Farbroller, mit dem man den Level besonders effizient einfärben kann. Jede Waffe kommt inklusive Sekundär- und Spezialwaffe, ist also als Ausrüstungs-Set zu verstehen. Kleidungsstücke mit die Spielfigur verbessernden Eigenschaften können ebenfalls freigeschaltet werden.

Durch die Kombination aus verschiedenen Waffen und Items eröffnen sich trotz einfachem Spielprinzip und kurzen Matches taktische Möglichkeiten. Ein Farbrollen-Spieler, der seinen Mitspielern eine Tintenspur bis in die gegnerische Zone malt, durch die sie als Tintenfisch ruckzuck hinter die feindlichen Linien schwimmen, bietet sich taktisch ebenso an wie ein Scharfschützen-Inkling, der Gegner aus der Ferne ausschaltet und seinen Mitspielern so die Malerarbeit erleichtert. Erfreulich: Obwohl es jede Menge Items gibt, erwiesen sich die Matches beim Probespielen als gut ausbalanciert, höchstens die Farbrolle erschien uns teilweise etwas zu mächtig.

Komfortprobleme im Online-Modus
Umgesetzt werden Taktiken in der "Splatoon"-Praxis allerdings kaum. Der Grund: Es gibt in den Online-Matches keine Kommunikationsmöglichkeit bis auf ein paar Tastenkommandos, mit denen man beispielsweise Hilfe ruft oder Gegner verhöhnt. Ein Sprach-Chat hätte hier nicht geschadet. Ebenfalls unkomfortabel: Wer sich einmal in den Mehrspielermodus eingeloggt hat, kann bis zum Ende der Sitzung die Waffe nicht mehr wechseln. Das geht nur, wenn man zunächst die Multiplayer-Lobby wieder verlässt, im Hauptmenü die Farbspritze wechselt und sich neu einloggt.

Solche Problemchen zeigen zwar, dass Nintendo bei Online-Shootern noch nicht allzu viel Erfahrung mitbringt, sie schmälern den Spielspaß aber nur geringfügig. Zumal das Matchmaking beim Testen stets innerhalb kurzer Zeit genug Spieler für die nächste Partie fand, die Server stabil liefen – und die genretypischen Wartezeiten sogar mit einem Minispiel am Gamepad überbrückt werden können.

Hübsche Optik, gewöhnungsbedürftiger Stil
Optisch ist "Splatoon" ebenfalls recht gut gelungen, auch wenn der Comicstil wohl nicht jedermanns Sache ist. Inklings und Levels strotzen zwar nicht vor Details, sind aber liebevoll gestaltet und gut animiert. Die chaotischen Farbschlachten selbst sehen ebenfalls gut aus: Die aus den Kanonen strömende Farbe verteilt sich nachvollziehbar in den Levels und texturiert selbige in kürzester Zeit neu, was vor allem dank gelungener Farbeffekte cool aussieht. Die Tinte in "Splatoon" sieht plastisch aus und lässt die Struktur der Objekte erahnen, die unter ihr liegen. Der Vollständigkeit halber muss aber gesagt werden: Mit grafisch opulenten Produktionen für die Konkurrenzkonsolen oder gar den PC kann der Nintendo-Shooter nicht mithalten.

Soundtrack Geschmackssache, Steuerung intuitiv
Der Soundtrack von "Splatoon" ist ebenso wie der optische Stil Geschmackssache. Er passt zum Geschehen am Bildschirm, die teils auffallend quietschig-aufdringlichen Musikstücke könnten aber gerade älteren Spielern zu penetrant sein. Nintendo-typisch gibt es keine Sprachausgabe, sondern Gebrabbel und Textboxen, das hat uns im Test aber nicht gestört. Lobenswert: Die Soundeffekte – schlürfende Bewegungen im Tintenfisch-Modus, die Geräusche von am Boden auftreffenden Farbbatzen – hat man gut getroffen.

Noch ein Wort zur Steuerung: Die erfolgt mit dem Wii-U-Gamepad und gestaltet sich weitgehend shootertypisch, allerdings hat Nintendo die im Gamepad vorhandenen Bewegungssensoren clever genutzt und für das Feintuning beim Zielen in die Steuerung integriert. In "Splatoon" läuft man also mit dem linken und zielt mit dem rechten Analogstick, während man durch leichtes Neigen des Gamepads Feinkorrektur betreibt. Nach kurzer Eingewöhnungszeit funktioniert das richtig gut – für manch einen Spieler vielleicht sogar besser als eine reine Ana />"Splatoon" ist einer der ungewöhnlichsten Online-Shooter der letzten Jahre und als einer der wenigen Genrevertreter kindgerecht. Es hebt sich spielerisch wie optisch wohltuend von der Konkurrenz ab. Die chaotischen Farbschlachten bieten Suchtpotenzial, die freischaltbaren Items sorgen für Langzeitmotivation. Optik und Sound sind gewöhnungsbedürftig, aber stimmig umgesetzt und die Steuerung wurde sehr gut gelöst.

Dass der Umfang noch überschaubar ist, es keine Möglichkeit gibt, sich mit Mitspielern abzusprechen und das Matchmaking eher unkomfortabel gelöst ist, trübt den Spielspaß dabei nur ein wenig – zumal "Splatoon" für 40 Euro sogar einen kurzen, aber gut gemachten Einzelspielermodus und stabile Server mitbringt. Bleibt zu hoffen, dass Nintendo Wort hält und dauerhaft neue Inhalte nachliefert, die "Splatoon" interessant machen.

Plattform: Wii U
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 8/10

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