Was ist, wenn plötzlich alles aus den Fugen gerät? „Anna erzählt“ bringt die wahre Geschichte von Anna Hackl auf die Bühne, die einst die „Mühlviertler Hasenjagd“ beobachtete. Mit der Uraufführung in der Arbeiterkammer Linz gelang Thomas Arzt und der Gruppe theater@work ein Musterbeispiel an lebendiger Geschichtsvermittlung.
Anna Hackl (95), geborene Langthaler, ist Altbäuerin in Schwertberg. Und sie ist eine der letzten Zeitzeugen, die die Erinnerung an die „Mühlviertler Hasenjagd“, die sich am Ende des Zweiten Weltkriegs ereignet hat, am Leben halten.
400 Häftlingen gelang im Februar 1945 die Flucht aus dem KZ Mauthausen. Das NS-Regime rief zur mörderischen Jagd auf die Flüchtenden auf, an der sich auch die Bevölkerung beteiligte. Nur elf geflohene Gefangene überlebten. Zwei von ihnen, Michail und Nikolaj, versteckte Annas Familie bis zum Kriegsende am Heuboden ihres Bauernhofes. Ein Unterfangen, dass die Familie das Leben hätte kosten können.
Ein intensives Theatererlebnis
Der oberösterreichische Dramatiker Thomas Arzt und die Linzer Regisseurin Heidelinde Leutgöb entwickelten im Auftrag der AK Oberösterreich aus diesen Erinnerungen einen Theatermonolog für junges Publikum. Es handelt sich bewusst um eine kleine, intensive Produktion mit einer Schauspielerin und einem Musiker, wodurch die persönliche Geschichte von Anna Hackl besonders unmittelbar wirkt.
Am Dachboden des Elternhauses (Bühne: Jan Hax Halama) macht sich Anna – gespielt von Julia Frisch – Gedanken über Krieg und Menschlichkeit, den Mut und den Glauben der Mutter, das Schicksal ihrer Brüder, die bis auf einen im Krieg sind.
Die schauspielerische Leistung von Frisch wird unterstützt und verstärkt durch den Perkussionisten Andreas Huber.
Als sich Julia Frisch und Regisseurin Heidelinde Leutgöb am Ende des einstündigen Monologes vor Anna Hackl, die in der ersten Reihe saß und heftig applaudierte, verbeugten, hatten viele im AK-Saal Tränen in den Augen. Das Jugendstück (ab 14 Jahren) der Initiative theater@work zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Mut, Menschlichkeit und Zivilcourage in Zeiten von Hass und Gewalt sind – und das Bühnenerlebnis beeindruckt auch Erwachsene.
Weitere öffentliche Vorstellungen werden am 9., 12., 22. Oktober und 12. November 2026, jeweils um 19 Uhr angeboten.