Das Duell zwischen den ÖFB-Gruppengegnern Irland und Israel lässt die Wogen weiter hochgehen. Gleich mehrere irische Protestaktionen sorgen in Israel für Empörung – selbst der Außenminister schaltet sich ein. Doch auch in Irland selbst spricht man von einer „trostlosen Farce“ und es gibt weiterhin nicht wenige Stimmen, die das Antreten des Teams zum Duell kritisch sehen. Und im Nationalteam selbst könnte es personelle Folgen geben.
Sportlich war das Match eine eindeutige Sache. Mit 3:0 setzten sich die Iren in Ungarn gegen Israel durch. Doch das Spiel selbst war längst zur Nebensache geworden. Schon im Vorfeld dominierten andere Themen. Lange Zeit stand ein irischer Boykott im Raum, eine Abstimmung innerhalb des Teams sorgte dann doch für ein Antreten.
Torhüter Gavin Bazunu wollte die Entscheidung nicht mittragen und erklärte in einem emotionalen Statement auf Instagram, dass er nicht am Spiel teilnehmen werde. Nationalcoach Heimir Hallgrimsson zog sich mit seinem „Völkermord“-Sager die Wut der Israelis zu, ließ seine Kritik aber auch anschließend nicht Verstummen. Vom israelischen Verband gab es eine klare Reaktion und nicht weniger scharfe Kritik.
In dieser aufgeheizten Stimmung war es klar, dass auch das Spiel selbst nicht ohne Aufregung über die Bühne gehen würde. Die Iren liefen mit schwarzen Armbinden auf, „um all derer zu gedenken, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben“, wie man mit Verweis auf den Gaza-Krieg mitteilte. Bei der israelischen Hymne senkten die Iren ihre Köpfe – Abklatschen vor oder nach dem Match gab es keines. Torschütze Jack Moylan küsste nach seinem Treffer demonstrativ die schwarze Armbinde.
Außenminister reagiert mit umstrittenem Tweet
Ob die Armbinden dem UEFA-Regelwerk für Traueranlässen entsprechen oder es in dieser Hinsicht Folgen gibt, ist unterdessen noch unklar. Es ist aber auch ein Randaspekt. Denn vor allem auf politischer Ebene gingen die Wogen hoch. Israels Außenminister Gideon Sa’ar reagiert auf X empört und erinnerte die Iren an ihre Neutralität im Zweiten Weltkrieg und ein Freundschaftsspiel gegen das Deutsche Reich im Jahr 1939, wo das damalige irische Team den Hitlergruß gezeigt hatte. Die Iren würden nun, so Gideon Sa‘ar, auf der Seite des „palästinensischen Terrorismus“ und des „Dschihadismus“ stehen.
Und auch die israelischen Nationalspieler zeigten wenig Verständnis für die irischen Proteste. „Das alles beruht auf Unwissenheit“, erklärte Trohüter Daniel Peretz. „Wenn ich sage, was ich von ihnen halte, würde ich wahrscheinlich für einige Spiele gesperrt werden“, drückte es Kapitän Manor Solomon deutlich schärfer aus und ergänzte wütend: „Offensichtlich hassen sie uns. Wir mögen sie nicht.“
„Gefühl der Bitterkeit und des Verrats“
Die Spannungen zwischen Israel und Irland, das das israelische Vorgehen in Gaza schon seit langer Zeit scharf kritisiert, intensivieren sich jedenfalls. Denn auch in Irland selbst gibt es Kritik. Aber vor allem darüber, dass man zum Match angetreten ist. „Irland besiegt Israel in einer trostlosen Farce, die bei allen ein Gefühl der Bitterkeit und des Verrats hinterlässt“, schrieb etwa die „Irish Times“. In der Zeitung „Irish Independent“ ist zudem zu lesen: „Punkte geholt, aber kaum etwas gewonnen.“
Innerhalb des irischen Teams könnte es zudem personelle Folgen haben. Ersatztorwart Finn Aziz, der Wurzeln in Israel hat, soll Berichten zufolge einen Rücktritt aus dem Nationalteam erwägen. Er gilt als Gegner der Protestaktionen.
Welche Folgen sonst noch zu erwarten sind, wird sich zeigen. Denn schon am 4. Oktober soll in Serbien das Rückspiel über die Bühne gehen. Ob und in welcher Form dieses stattfinden wird, ist derzeit bisher nicht final abzusehen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.