Immer mehr Betroffene wenden sich oft zum ersten Mal wegen Überschuldung an Beratungsstellen. Besonders betroffen sind Männer und ehemalige Selbstständige. Ursachen sind vor allem Jobverlust, mangelnde Finanzbildung und bei Jüngeren auch riskanter Online-Konsum.
Die staatlich anerkannten Schuldenberatungen in Österreich verzeichnen regen Zulauf. Wie aus dem aktuellen Schuldenreport 2026 hervorgeht, nahmen im vergangenen Jahr 61.221 Menschen Unterstützung in Anspruch, darunter 21.599 zum ersten Mal – der dritthöchste Wert in den vergangenen 15 Jahren. Die durchschnittliche Verschuldung lag dabei bei 56.432 Euro. Insgesamt wurden 8768 Privatkonkurse eröffnet, davon entfielen die meisten auf Männer (61,8 Prozent), die auch häufiger zur Beratung kommen.
Arbeitslosigkeit als Hauptursache
Über ein Drittel der Betroffenen nennt den Verlust des Jobs bzw. des Einkommens als Ursache für die Überschuldung. Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der ASB Schuldnerberatung betont, dass Arbeitslose im Schnitt nur 1351 Euro pro Monat an Arbeitslosengeld erhalten – ein Wert, der 455 Euro unter der Armutsgefährdungsschwelle liegt. Auch mangelnde Finanzbildung und eine ehemalige Selbstständigkeit sind bei rund 20 Prozent der Grund für rote Zahlen.
Online-Konsum belastet junge Leute
Ein Viertel der Klienten ist unter 30 Jahre alt. Ulrike Königsberger-Ludwig, Staatssekretärin für Konsumentenschutz, warnt dabei vor aggressiven Verkaufsstrategien bei Online-Plattformen und Influencern in sozialen Medien. Hier fehle es vielen an einer Basisbildung im Umgang mit Geld, die dabei helfe, gute finanzielle Entscheidungen im Alltag zu treffen.
Außerdem blickt Königsberger-Ludwig dem Auslaufen der verkürzten Entschuldungsdauer (aktuell drei statt fünf Jahre) bei Privatkonkursen Ende Juni mit gemischten Gefühlen entgegen und hofft auf eine Verlängerung. Viele Unternehmen plädieren aber auf eine längere Dauer, denn für Gläubiger bedeutet diese mehr Planungssicherheit und höhere Rückzahlungsbeträge.
Finanziert werden die Schuldenberatungen derzeit überwiegend aus öffentlichen Mitteln. Mitterlehner fordert deshalb eine Beteiligung der Kreditwirtschaft. Konkret schlägt er vor, dass 0,1 Prozent jeder Kreditsumme, die vergeben wird, als eine Art Bankenabgabe abgeführt und in einen Topf einbezahlt werden soll. Damit könne die Finanzierung langfristig gesichert und die öffentliche Hand entlastet werden.
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