Notstand ausgerufen

Ungarn: Skandal um Asbest-Schotter aus Österreich

Ausland
05.05.2026 10:53
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wie ungarische Medien berichten, weitet sich der Asbest-Skandal weiter aus. Befürchtungen zufolge könnten immer mehr Gemeinden in Westungarn wegen kontaminierten Schotters aus dem Burgenland betroffen sein, sagte András Nemény, Bürgermeister von Szombathely. Außer Szombathely sollen etwa 30 weitere Ortschaften Schotter in Wohnsiedlungen und im Straßenbau verwendet haben.

Experten zufolge handle es sich möglicherweise um die größte Asbestbelastung in Ungarn, berichtete das Onlineportal kontroll.hu. In Szombathely wurde aufgrund extrem hoher Asbest-Konzentrationen in einer Wohnsiedlung ein Gesundheitsnotstand ausgerufen. Hier sei ein zwölf Kilometer langer Straßenabschnitt von der Asbestverschmutzung betroffen. Dieser werde ständig gewässert, um die gesundheitsschädigende Staubbildung zu verhindern, mit der krebserregende Fasern in die Luft gelangen.

Das kontaminierte Material soll aus dem Steinbruch in Pilgersdorf stammen.
Das kontaminierte Material soll aus dem Steinbruch in Pilgersdorf stammen.(Bild: Christoph Miehl)

Nemény erstattete Anzeige gegen Unbekannt und betonte, dass auch die Bevölkerung dieses Material gekauft hätte, da die beigefügten Zertifikate eine Asbestfreiheit belegten.

In ungarischen Medien ist von einem „beispiellosen Asbest-Skandal in Szombathely“ die Rede, wie das Nachrichtenportal index.hu berichtet:

Laut Greenpeace Österreich hatten ungarische Messungen eine extrem hohe Asbestbelastung in der Luft ergeben, mit einem Ergebnis zwischen 35.000 und 292.000 Fasern pro Kubikmeter Luft, wobei die Taskforce im Burgenland einen Maximalwert von 1000 Fasern pro Kubikmeter empfiehlt.

Greenpeace fordert Krisenstab
Greenpeace nimmt nun die österreichische Bundesregierung in die Pflicht und fordert in einer Aussendung die Einrichtung eines Krisenstabs. „Dieser muss aus Vertretern der verschiedenen Ministerien, der betroffenen Bundesländer sowie anerkannter, unabhängiger Experten unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft aus Österreich und Ungarn bestehen. Der Skandal hat jetzt endgültig eine Dimension erreicht, die die Kapazitäten der burgenländischen Landesregierung und der dortigen Task-Force um ein Vielfaches übersteigt.“

Steinbruch Pilgersdorf weist Vorwürfe zurück
Greenpeace hatte der burgenländischen Landesregierung Totalversagen vorgeworfen. Der Betriebsleiter des betroffenen Steinbruchs Pilgersdorf, Frank Eichhorn, hatte den Vorwurf zurückgewiesen und die Messungen als „unwissenschaftlich“ bezeichnet. Eichhorn betonte weiters, dass es in Österreich keinen Grenzwert gebe für die Asbestkonzentration im Gestein, zitierte das Onlineportal infostart.hu.

Kritik an Messmethoden
Laut István Orbán, Generaldirektor des Regierungsamtes des ungarischen Komitats Vas, stamme das kontaminierte Material aus dem Steinbruch in Pilgersdorf, wobei auch die Steinbrüche Glashütten bei Schlaining, Bernstein, Badersdorf mit dem Vorfall in Verbindung gebracht wurden. Diese Unternehmen wurden im Jänner aufgrund von Asbestbelastung behördlich gesperrt. Sie alle wiesen Vorwürfe der Kontamination zurück und meinten: Die von den österreichischen Landesbehörden und Greenpeace angewandten Messmethoden waren unzureichend.

Inzwischen wurde ein ungarischer Regierungsbeschluss erlassen. Darin werden die zuständigen Ministerien aufgefordert, das Ausmaß der Belastung zu ermessen, Maßnahmen zur Beseitigung von Gesundheits- und Umweltschäden zu prüfen sowie die Frage der Ermittlung der Verantwortlichen zu behandeln.

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