07.06.2014 14:22 |

"Neue Stärke finden"

Frankreich: Ausfall von "König Franck" als Chance?

Der Schock war schnell verflogen. Schon wenige Stunden nach der Nachricht, dass Frankreichs Nationalteam am Montag ohne seinen "Chef" Franck Ribery zur WM nach Brasilien fliegen muss, herrschte eine "Jetzt erst recht"-Stimmung. Das Aus für den Bayern-Profi wegen seiner chronischen Rückenschmerzen wurde weniger als Verlust, sondern vielmehr als Chance für die "Equipe Tricolore" begriffen.

Mut macht den Franzosen vor allem ein Blick zum Nachbarn nach Deutschland: "Vor vier Jahren hat der Ausfall von Michael Ballack bei der WM in Südafrika ja einige deutsche Spieler sowohl auf als auch neben dem Platz befreit. Diesem Beispiel müssen die Blauen nun folgen", erinnerte am Samstag "L'Equipe" an den dritten Platz des deutschen Teams. Die französische Sportzeitung titelte daher auf Seite eins ohne viel Mitleid für Ribery: "Ende des Romans".

Mit "gebrochenem Herzen" WM-Lager verlassen
UEFA-Chef Michel Platini meinte dagegen: "Das ist ein großer Verlust für die französische Nationalmannschaft, ein schwerer Schlag. Franck ist ein sehr wichtiger Spieler." In der Tat: In der WM-Qualifikation war Ribery an elf der 18 Treffer beteiligt. Und seine Erfahrung aus 81 Länderspielen wäre in einem jungen Team sehr wichtig gewesen. Der Mann aus Boulogne-sur-Mer, der Freitagabend nach eigenen Worten mit "gebrochenem Herzen" das Trainingslager in Clairefontaine bei Paris verließ, hat mit zehn Einsätzen mehr WM-Erfahrung als alle anderen 22 Spieler aus dem französischen Kader, die nur auf neun WM-Spiele kommen.

Dennoch: Vertreter der Fußball-Szene und der Medien sowie auch Fans sind der Meinung, dass es ohne Ribery sogar besser klappen kann. In einer Onlineumfrage von "L'Equipe" meinten nur 41 Prozent von rund 35.000 Lesern, der Ausfall werde das Team schwächen. Der frühere Teamchef Raymond Domenech glaubt, dass die "Blauen" ohne den großen Star "zu neuer Stärke finden" können. "Die Abwesenheit von Ribery macht den Weg frei für neue Ideen, für andere Richtungen und Möglichkeiten", sagte der Mann, der Ribery debütieren ließ und mit ihm in Deutschland Vizeweltmeister wurde. 2010 erlebte er mit Ribery aber das Fiasko bei der WM in Südafrika samt Trainingsstreik.

Ohne Ribery mehr Tore geschossen
Frankreichs Trainer Didier Deschamps ist nun gefordert, das perfekte Spielsystem ohne Ribery zu finden. Ein Blick auf die Statistik sollte ihm dabei Hoffnung geben: Seit 2006 schossen "Les Bleus" in 41 Spielen ohne Ribery im Schnitt mehr Tore als in den 68 Begegnungen mit dem Bayern-Profi (1,56 zu 1,37). Auch die Siegesquote war mit 61 zu 50 Prozent ohne "König Franck" höher.

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