Der überraschende Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor sorgt für ein politisches Beben im Land. Während die SPÖ das rasche Handeln des Stiftungsrats lobt und die Grünen den Rücktritt begrüßen, preschen die NEOS vor und fordern eine Reform der ORF-Gremien.
Grund für den Rücktritt sind Vowürfe der sexuellen Belästigung gegen Roland Weißmann. Er bestreitet sie, laut seinem Anwalt wurden sie auch nicht inhaltlich überprüft. Der ORF-Stiftungsrat hatte Weißmann aber ein Ultimatum gestellt, diesem kam er mit seinem Abgang zuvor.
ORF-Beben kurz vor Song Contest
Die SPÖ begrüßt das „rasche und konsequente“ Handeln des Gremiums „angesichts offenbar gravierender Vorwürfe“, so Mediensprecher Klaus Seltenheim. Die Vorwürfe müssten nun aufgeklärt und die betroffene Person geschützt werden. Für den ORF sei es jetzt im ersten Schritt wichtig, dass er gut weitergeführt werde. Schließlich muss er im Mai in Wien mit dem Eurovision Song Contest ein Riesen-Event ausrichten, der eine ganz eigene politische Brisanz birgt.
Es ist bezeichnend, dass – wie so oft – es Frauen sind, die es wieder einmal richten müssen.

SPÖ-Mediensprecher Klaus Seltenheim
Bild: APA/TOBIAS STEINMAURER
Transparenter Prozess gefordert
Ingrid Thurnher, die zuletzt Radiodirektorin war, übernimmt interimistisch die Führung des ORF. Sie sei eine überaus erfahrene und höchst kompetente Medienmanagerin, streute Seltenheim ihr Rosen. „Es ist bezeichnend, dass – wie so oft – es Frauen sind, die es wieder einmal richten müssen“, so der SPÖ-Mediensprecher. Er fordert einen transparenten Prozess zur Neubestellung.
Zuvor hatten bereits die NEOS ein „transparentes, professionelles und objektives Verfahren“ bei der Bestellung von Weißmanns Nachfolge gefordert. Nur „absolute Transparenz“ könne wieder Vertrauen in den ORF schaffen, erklärte NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos per Aussendung.
Regierungsziel: ORF entpolitisieren
Hoyos erinnert an das Bekenntnis der Bundesregierung, den ORF als Teil einer Gesamtreform zu entpolitisieren. Nun sieht er dafür die Chance gekommen. „Für uns NEOS kann jetzt nur ein transparenter und gesetzeskonformer Prozess im Rahmen der Neubestellung Vertrauen schaffen“, betonte er.
NEOS wollen Stiftungsrat abschaffen
Hoyos brachte auch alte Forderungen seiner Partei auf den Tisch. So solle es anstatt des Stiftungsrats, in dem sich die verschiedenen politischen Lager in sogenannten Freundeskreisen sammeln, einen unabhängigen Aufsichtsrat geben. Dieser solle einen Vorstand mit klarer Kompetenzverteilung bestellen und überwachen. So könne man verhindern, dass der ORF „weiterhin zum Spielball wechselnder Regierungen verkommt“, ist der NEOS-Politiker überzeugt.
Grüne: ORF braucht andere Unternehmenskultur
Sigrid Maurer, Mediensprecherin der Grünen, begrüßt den Rücktritt von Roland Weißmann als richtig und notwendig. Er sei auch ein Auftrag an den gesamten ORF: „Ein zeitgemäßer öffentlich-rechtlicher Rundfunk braucht eine Unternehmenskultur und Strukturen, die Machtmissbrauch verhindern, Betroffene schützen und ein sicheres Arbeitsumfeld schaffen, in dem Respekt und Integrität selbstverständlich sind“, so Maurer in einer Aussendung.
Der frühere ORF-Star Sonja Sagmeister meldete sich in der Causa zu Wort:
„Hat mir geschadet“
Deutliche Kritik am Arbeitsumfeld im ORF hatte in der Vergangenheit die TV-Journalistin Sonja Sagmeister geübt. Sie meldete sich auch jetzt zu Wort. „Für mich ist heute ein besonderer Tag“, tweetete die langjährige ORF-Journalistin Sonja Sagmeister. Sie sei von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann persönlich zweimal gekündigt worden. Dass sie gegen Missstände wie „Bestell-Interviews“ und Hass von Männern aufgestanden sei, habe ihr „geschadet“.
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