Kein Scherz: Weil die Vorarlberger Landeskrankenhäuser sparen müssen, bekommen die Patienten künftig ein Drittel weniger Suppenbrühe. Auch die Mitarbeitenden werden auf Magerkost gesetzt: Kernöl und Parmesan sind gestrichen.
Zwölf Millionen Euro muss die Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) in diesem Jahr einsparen. Ein Gutteil des Sparzieles soll durch die vom Land diktierten Zusammenlegungen von Abteilungen erreicht werden. Das allein wird aber nicht reichen, weshalb das Spitalsmanagement offenbar den Satz „Auch Kleinvieh macht Mist“ zum Leitspruch erhoben hat und nun auch an mikroskopisch kleinen Schrauben dreht: „Jeder Euro, den wir einsparen, ist ein gut gesparter Euro“, so KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch gegenüber dem ORF Vorarlberg.
Nicht ohne Stolz verwies er darauf, was für Sparpotenziale man schon alles gehoben habe: So würde den Patienten künftig ein Drittel weniger Suppenbrühe zum Mittagessen gereicht, zudem habe man aus dem Menüplan für die Mitarbeiter „ein paar Luxusthemen“ gestrichen. Zu diesen „Luxusthemen“ zählen unter anderem das bekanntermaßen mit Beluga-Kaviar gleichzusetzende steirische Kernöl sowie ein hochexklusiver Hartkäse, der unter dem Namen „Parmesan“ firmiert und die Geschmacksknospen von Gourmets aus aller Welt in Verzückung versetzt. Statt des Parmesans dürfen sich die Krankenhausmitarbeiter aber ein Ersatzprodukt über die Nudeln reiben – industriell gefertigt zwar, aber immerhin ebenfalls aus Italien.
„Hielt Meldung für einen Scherz“
Obwohl Sparsamkeit in Vorarlberg zu den hehrsten Grundtugenden zählt, hält sich der Applaus erstaunlicherweise in Grenzen: „Als ich die Meldung zu den Einsparungen gelesen habe, hielt ich sie zunächst für einen Scherz. Ist die Portionsgröße der Suppe tatsächlich das große Einsparungspotenzial der KHBG? Statt dringend notwendiger Reformen im Gesundheitsbereich und in den Landeskrankenhäusern werden nun Parmesan, Kernöl, Suppe und Dessert gestrichen. Das ist nicht ernsthaft nachvollziehbar!“, echauffiert sich etwa die Neos-Landtagsabgeordnete Katharina Fuchs, für die die Sparvorhaben vor allem eines zeigen, nämlich „die alarmierende Hilflosigkeit der KHBG“.
Grüne: „Menschenunwürdig!“
Grünen-Gesundheitssprecherin Eva Hammerer ist ebenfalls nicht zum Lachen zumuten: „Die Kürzungspolitik der schwarz-blauen Landesregierung nimmt immer absurdere Ausmaße an. Während Millionen an Euro in Straßen und Tunnel fließen, kürzt Schwarz-Blau nun beim Essen für Patientinnen und Patienten im Krankenhaus.“ Mit einer Anfrage an Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP) wollen die Grünen in Erfahrung bringen, wie viel Geld die Landesregierung mit dieser Maßnahme einsparen will und wie dies aus gesundheitspolitischer Sicht zu rechtfertigen ist. „Gesunde Kost ist für den Genesungsprozess von kranken Menschen wesentlich. Hier zu sparen ist menschenunwürdig und kurzsichtig“, betont Hammerer.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.