Konzertkritik

Das SOV zwischen „Classique“ und klassisch

Vorarlberg
09.03.2026 18:25
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Ein nicht alltägliches Programm und der eingesprungene Dirigent Azim Karimov führten das Symphonieorchester Vorarlberg beim fünften Abokonzert zum Erfolg.

Klassische Musik ist im gängigen Sprachgebrauch die gesamte sogenannte E-Musik zwischen Monteverdi und Schönberg, das Atonale – und somit Anstrengende – gehört nicht mehr dazu. Präzise formuliert ist die Epoche der Klassik aber die von Haydn, Mozart, Beethoven und vielleicht noch Schubert. Und auf diese Klassik-Definition bezieht sich Sergej Prokofjew, wenn er seine Sinfonie Nr.1 „Classique“ nennt. Denn zumindest hier ist sein Vorbild Joseph Haydn, der das Genre der Sinfonie eigentlich erfunden hat. Mitten im Ersten Weltkrieg entstanden, ist Prokofjew Werk erstaunlich leichtfüßig und verspielt. Ein freundliches Stück Musik, das aber nicht an sein Vorbild heranreicht, wie man am Ende des Konzertes mit einer originären Haydn-Sinfonie erkennen konnte. Diese beiden Werke bildeten die Klammer des Programms des 5. Abokonzertes des Symphonieorchesters Vorarlberg am Wochenende in Feldkirch und Bregenz.

Dirigent Azim Karimov machte seine Sache als Einspringer ausgezeichnet und wurde wie das gesamte ...
Dirigent Azim Karimov machte seine Sache als Einspringer ausgezeichnet und wurde wie das gesamte SOV gefeiert.(Bild: Mathis Fotografie)

Leo McFall war erkrankt, Azim Karimov sprang ein
Als Dirigent war der Chef des SOV, Leo McFall, vorgesehen, der aber kurzfristig erkrankte. So holte man aus München als Einspringer den an der dortigen Staatsoper tätigen Azim Karimov, der am Ende vom Publikum begeistert gefeiert wurde. Der sympathische, in Russland ausgebildete Este überzeugte durch Eleganz und Präzision gleichermaßen. So klang das bestens disponierte SOV frisch und klar und machte das Programm, das möglicherweise mit weniger überzeugenden Musikern sperrig hätte werden können, zum spannenden Erlebnis. Nach Prokofjews „Klassischer Sinfonie“ kam das Oboenkonzert von Bohuslav Martinů mit dem Solisten Andrey Godik. Auch in seiner Biografie spielen die Metropolen Moskau und München eine Rolle, so ist er derzeit Solo-Oboist der Münchner Philharmoniker. Godiks Ton ist mühelos und klar, und er zeichnet die teils komplexen Bögen seines Parts mit großer Musikalität. Das SOV ist ihm ein sicherer Partner, auch im so gesanglichen zweiten und dem melodienreichen dritten Satz.

Haydn als Höhepunkt zum Abschluss
Eine harmlose Komposition von Gottfried von Einem mit Bezügen zu Mozart war nach der Pause zu hören, bevor man sich der Sinfonie Nr.96 von Joseph Haydn hingeben konnte, die den Beinamen „The Miracle“ trägt. Sie war frisch und begeisternd musiziert. Jedoch hätte Nikolaus Harnoncourt, dessen zehnten Todestag wir derzeit begehen und der Haydn so recht wieder salonfähig gemacht hat, etwas behutsamere Tempi und eine tiefere Stimmung gewählt. Dann hätte man das Wort Johannes Brahms’ nachvollziehen können, der sagte, dass eine Sinfonie „seit Haydn kein bloßer Spaß mehr“ sei, „sondern eine Angelegenheit auf Leben und Tod“.

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