Fest für Jugendstil

Mit größeren Augen aufs Wien um 1900 geschaut

Kultur
24.02.2026 07:00

Der Künstler Markus Schinwald hat nach 33 Jahren den Jugendstil-Bestand des Wiener MAK bezugsreich, heutig und faszinierend neu inszeniert. Am Dienstagabend wird mit einem Eröffnungsvortrag von Daniel Kehlmann eröffnet.

Man steht ab Mittwoch vor einem großen Stück Fassade, wenn man die Neuaufstellung des Wien-um-1900-Bestandes im Museum für angewandte Kunst (MAK) besucht. Markus Schinwald hat sie vor seine Gestaltung geblendet. Als Initial. Sie stammt von Josef Hoffmanns Pavillon der Exposition Internationale des Arts Décoratifs 1925 in Paris.

Hoffmann, der mächtige und fleißige Mitbegründer und Hauptvertreter der Wiener Werkstätte, zieht sich wie ein roter Faden durch die Präsentation. Die möchte gar nicht trocken chronologisch und brav didaktisch Wiens Jugendstil feiern. Denn Markus Schinwald, als Künstler selbst firm in vielen Medien, lehrt in Karlsruhe und weiß, „wie schwer man 22-Jährige ins Museum bringt“.

Josef Hoffmanns Boudoir für einen großen Star von 1937, dahinter der Maschinenmensch aus Fritz ...
Josef Hoffmanns Boudoir für einen großen Star von 1937, dahinter der Maschinenmensch aus Fritz Langs Film „Metropolis“(Bild: kunst-dokumentation.com / Manuel)
Margarete Schütte-Lihotzkys Zimmer für Caroline Neubacher von 1925
Margarete Schütte-Lihotzkys Zimmer für Caroline Neubacher von 1925(Bild: kunst-dokumentation.com / Manuel)
Luster-Parade von der Jahrhundertwende bis hinauf in die 1960er-Jahre
Luster-Parade von der Jahrhundertwende bis hinauf in die 1960er-Jahre(Bild: kunst-dokumentation.com / Manuel)
Kinderstühle von Josef Hoffmann vor Dagobert Peches Schaukasten für die Kunstschau Wien, 1920
Kinderstühle von Josef Hoffmann vor Dagobert Peches Schaukasten für die Kunstschau Wien, 1920(Bild: kunst-dokumentation.com / Manuel)
Ferdinand Andris Bank für die XIV. Secession-Ausstellung 1902, flankiert von Carl Otto Czeschkas ...
Ferdinand Andris Bank für die XIV. Secession-Ausstellung 1902, flankiert von Carl Otto Czeschkas Kostümentwürfen für Wagners Tristan und Wotan (re.).(Bild: kunst-dokumentation.com / Manuel)
Dagobert Peches Schreibtisch für Eduard Ast von 1922 setzt den großen Schlusspunkt der ...
Dagobert Peches Schreibtisch für Eduard Ast von 1922 setzt den großen Schlusspunkt der Neuaufstellung.(Bild: kunst-dokumentation.com / Manuel)

Modepostkarten als Kurznachrichten von 1900 
Er bedient daher sowohl „Flach- als auch Tiefwurzler“. In raffiniert gestalteten Schaustationen konzentriert er Aspekte der Kunst um 1900 anschaulich, hochästhetisch, bezugsreich. Modepostkarten der Wiener Werkstätte sind wie die Instagram-Postings an der Wand aufgefächert – und fungierten damals, mehrmals täglich zugestellt, auch wie Kurznachrichten.

Neun Hörstationen vertiefen dazu Podcast-artig 18 Themen. Man erlebt keine Parade der Stars von Hoffmann, Moser, Klimt & Co. – selbst wenn Klimts Werkzeichnung für den Mosaikfries im Palais Stoclet jetzt Platz zum Wirken bekommen hat. Schinwald weitet den Blick über die Hochkultur hinaus, spürt der Stimmung der Jahrhundertwende nach: „Es war auch eine Zeit, wo die Flipperhallen aufgekommen sind und die Science-Fiction geboren wurde.“ Also strahlt hinter Hoffmanns silbrigem Boudoir von1937 der Maschinenmensch aus Fritz Langs „Metropolis“in seinen Leuchtkreisen.

Vor Margarete Schütte-Lihotzkys bezauberndem Boudoir für Caroline Neubacher (1925) denkt man noch nicht an die Kommunistin und Erfinderin der Frankfurter Küche (1926). Daneben steht die Bank für die XIV. Secession-Ausstellung 1902 von Ferdinand Andri, ein feuriger Nazi, der 1938 die politische Säuberung der Akademie betrieb. Flankiert ist sie von Carl Otto Czeschkas Kostümentwürfen für Wagners Tristan und Wotan – die Fritz Lang wiederum für seine „Nibelungen“-Ausstattung inspirierten.

Formenrausch und Handwerk bis in die 60er 
Dahinter öffnet sich das Atelier Flöge, leuchten Lampen, bis hinauf zum berühmten MET-Luster, der zeigt, wie sich die Handwerkstradition der Jahrhundertwende in die 60er-Jahre fortsetzte. Zum Finale gibt es ein Feuerwerk aus Schmuck, Glas, Keramik, Möbeln. Und Dagobert Peches Schreibtisch für Eduard Ast explodiert als Schlusspunkt im barocken Formenrausch.

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