ORF-Wahl 2026

ORF-Landesdirektor Herics: „Ich trete wieder an!“

Burgenland
22.02.2026 05:00

Im ORF werden 2026 personelle Weichen neu gestellt. Das gilt auch für die Besetzung der Top-Jobs im Funkhaus in Eisenstadt. Sollte Werner Herics Direktor bleiben: Was erwartet die Mitarbeiter? Wie reagiert er auf politische Einmischungen? Und was muss der neue Chefredakteur können? Das Interview.

Im ORF steht heuer ein umfassender Wechsel in der Führungsetage an: Im August werden der Generaldirektor und im September die neun Landesdirektoren neu bestellt. Werner Herics, seit zehn Jahren Chef des ORF Burgenland, will sich ein drittes Mal bewerben, wie er der „Krone“ bestätigt. Der 61-jährige Burgenlandkroate aus Schandorf, der als Sohn eines Maurers und einer Hausfrau in einem sozialdemokratischen Elternhaus aufwuchs, Geografie und Geschichte studierte und mit seiner Frau Astrid und zwei erwachsenen Töchtern in Wien lebt, hat beste Chancen auf Verlängerung. Schließlich hat er sich nicht nur im ORF, sondern auch in anderen Medienunternehmen als Manager bewährt. 

„Krone“: Herr Herics, Sie sind seit 1. Jänner 2017 Landesdirektor und Chef von 130 Mitarbeitern. Nach zwei Perioden bewerben Sie sich ein drittes Mal um diese Position. Warum?
Werner Herics: Weil ich es gern mache und es noch viel tun gibt. Die kommenden Jahre werden anstrengend für das Haus. Einsparungen bei Personal und Kosten sind schon angekündigt. Trotzdem haben wir den gesetzlichen Auftrag, den Output gleichzuhalten oder gar zu steigern, hier in Eisenstadt, dem personell größten Landesstudio, im Speziellen. Wir produzieren darüber hinaus auch Programm für die Burgenlandkroaten, die Ungarn, die Roma, die Tschechen und Slowaken – das ist relativ viel. Meine Genese zeigt aber, dass ich Herausforderungen nicht scheue, im Gegenteil. Deshalb möchte ich mir gemeinsam mit dem Führungsteam intelligente Lösungen überlegen, wie wir künftiger noch verschränkter arbeiten können. 

Landesdirektor Werner Herics beim „Krone“-Interview in seinem Büro
Landesdirektor Werner Herics beim „Krone“-Interview in seinem Büro(Bild: Reinhard Judt)

Walter Schneeberger ist noch bis Ende des Jahres Chefredakteur. Sollten Sie tatsächlich mit 1. Jänner 2027 wiederbestellt werden: Was für einen Redaktionsleiter oder -leiterin wünschen Sie sich in Bezug auf Ihre Visionen?
Es sollte eine Person sein, die den kooperativen Ansatz sehr stark pflegt. Wir sind ein Räderwerk und brauchen einander. Je besser Räder ineinandergreifen, umso besser funktioniert es. Das Rückgrat des ORF sind die Landesstudios. Wir sind am nächsten bei den Menschen, garantieren eine regionale Berichterstattung mit lokaler Relevanz in allen neun Bundesländern und sichern so kulturelle Identität und eine flächendeckende Präsenz.

Trotzdem wird hinsichtlich Kostenstruktur immer wieder die Existenzberechtigung der Landesstudios infrage gestellt.
Ich hielte das Aufgeben der lokalen Berichterstattung für einen kapitalen Fehler. Die Menschen interessiert am meisten, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert: Wo entstehen neue Kindergärten, wo werden neue Pflegestützpunkte eröffnet etc.

Das ORF-Funkhaus in Eisenstadt ist laut Herics das Landesstudio mit den meisten Mitarbeitern.
Das ORF-Funkhaus in Eisenstadt ist laut Herics das Landesstudio mit den meisten Mitarbeitern.(Bild: Reinhard Judt)

Wie würden Sie Ihre bisherige Amtszeit bewerten? Was waren Ihre größten Erfolge?
Ein Erfolg ist zweifellos, dass wir jedes Jahr alle Sparvorgaben und Budgetziele erreicht haben. Wir konnten Marktanteile und Reichweiten im Fernsehen stabilisieren, das Radioprogramm inhaltlich und organisatorisch erneuern, unseren Social Media-Auftritt etablieren und die Besucherzahlen deutlich steigern. Außerdem haben wir in ein neues Fernsehstudio und einen neuen Regieplatz investiert, die technischen Voraussetzungen für Homeoffice-Arbeit geschaffen und das Funkhaus saniert. Für den Umstieg von Gas auf Fernwärme und unseren Elektrofuhrpark wurden wir sogar mit dem Umweltzertifikat ausgezeichnet. Ebenso ist es gelungen, neue Ertragsquellen zu erschließen und neue Kooperationspartner und Kunden im Marketing zu gewinnen.

Ein beachtlicher Lebenslauf

Werner Herics‘ Karriere begann 1991 als freier Mitarbeiter im ORF Burgenland. Bald darauf wurde er Redakteur und Moderator. Später wechselte er zu Ö1 und leitete das Korrespondenzbüro in Belgrad – als Vorgänger von Christian Wehrschütz. Außerdem war er Medienmanager bei der OSZE im Kosovo, der WAZ-zugehörigen Tageszeitung „Politika“ und Vorstand der Regionalmedien Austria. Neben Englisch spricht er Kroatisch, Serbisch und Bosnisch.

Nachrichtenvermeidung nimmt zu. Wie wollen Sie Hörer und Seher künftig ansprechen?
Mit sympathischer, positiver und konstruktiver Berichterstattung. Natürlich will ich das Burgenland nicht rosarot einfärben – auch hier ist nicht alles eitle Wonne. Außerdem müssen wir politische Themen covern. Aber wir wissen, was die Konsumenten wünschen: weniger Berichterstattung über Pressekonferenzen – etwa zu Neuerungen in der Klinik Oberwart – sondern spannende Beiträge z.B. wie der neue Da Vinci-Roboter in der Praxis funktioniert.

Ein Foto aus früheren Tagen: Herics mit Landeshauptmann Doskozil, als dieser noch Landesrat war.
Ein Foto aus früheren Tagen: Herics mit Landeshauptmann Doskozil, als dieser noch Landesrat war.(Bild: Reinhard Judt)

Glauben Sie, dass der ORF Burgenland seine journalistische Distanz zur Landespolitik ausreichend wahrt?
Ja, auch wenn uns von der Opposition oft vorgeworfen wird, dass wir Landeshauptmannfernsehen machen. Wir sind zur Objektivität verpflichtet. Das ist ein hehres Ziel, dem wir uns immer wieder annähern müssen. Ich finde, dass uns das grosso modo gut gelingt. Trotzdem sei gesagt: Politischen Parteien kann man es nie recht machen. Das Spannungsverhältnis wird es immer geben und das ist auch gut so. Wenn sich alle gleichmäßig aufregen, ist es am besten.

Im Zuge der vorigen Landesdirektorenwahl sickerte durch, dass Sie nicht der Wunschkandidat von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil waren. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis aktuell zu ihm?
Wir haben ein professionelles, korrektes Arbeitsverhältnis.

Außerdem sind beide passionierte Golfer. Herics schwimmt auch gern.
Außerdem sind beide passionierte Golfer. Herics schwimmt auch gern.(Bild: zVg)
Am „Green“ kann er so richtig abschalten.
Am „Green“ kann er so richtig abschalten.(Bild: zVg)
Mit seiner Ehefrau, der Juwelierin und Schmuckexpertin Astrid Fialka-Herics, geht er gerne ins ...
Mit seiner Ehefrau, der Juwelierin und Schmuckexpertin Astrid Fialka-Herics, geht er gerne ins Theater, zu Konzerten und ins Kino.(Bild: zVg)

Wie oft pro Monat gibt es Interventionen oder Beschwerdeanrufe vonseiten seines Büros?
Bei mir kaum. Heuer gab es noch keinen einzigen Anruf. Man weiß, dass ich gegen Wünsche in der Berichterstattung relativ immun bin, es sei denn es sind Fehler passiert. Die sind zu korrigieren. Ob man in der Chefredaktion interveniert, weiß ich nicht, ich höre nichts davon.

Der Landesdirektorenposten mit einer Jahresgage von rund 220.000 Euro brutto ist heiß begehrt. Man hört, dass es auch Mitbewerber aus den eigenen Reihen geben wird. Wie gehen Sie mit dieser Konkurrenz um?
Selbstbewusst. Jeder kann sich bewerben. Der oder die Beste möge gewinnen.

Mit Volksanwätin und Ex-ORF-Moderatorin Gaby Schwarz und „Wetterfrosch“ Wolfgang Unger.
Mit Volksanwätin und Ex-ORF-Moderatorin Gaby Schwarz und „Wetterfrosch“ Wolfgang Unger.(Bild: Reinhard Judt)

Zuletzt haben viele beliebte und bewährte Moderatoren und Korrespondenten den Küniglberg in Wien verlassen – oft unfreiwillig. Welche Prioritäten setzen Sie im Bereich Personalentwicklung und Nachwuchsförderung?
Wir brauchen arrivierte, erfahrene Mitarbeiter im gesamten Betrieb. Es geht wahnsinnig viel Knowhow verloren, wenn jemand das Unternehmen verlässt. Das habe ich in den vergangenen zehn Jahren selbst gesehen, wenn Kollegen in Pension gegangen sind. Sie reißen ein Riesenloch ins Unternehmen. Dieses Loch zu füllen, dauert irre lang – gerade in der Systemtechnik. Selbst wenn ein Hochtalentierter kommt, braucht er ein Jahr Ausbildungszeit, bis er an Wochenenden selbstständig agieren kann. Wir sind da personell sehr dünn aufgestellt. Zum Glück ist es uns bisher gelungen, auch in allen anderen Bereichen junge engagierte Mitarbeiter ins Haus zu holen. Auch in der Redaktion waren bis vor kurzem zwei Stellen ausgeschrieben. 40 Personen haben sich beworben. Die Unterlagen werden gerade gesichtet. 

Es gibt ORF-Angestellte, die offen zugeben, dass sie sich kein Bein ausreißen. Freie Mitarbeiter müssen wiederum rennen – für schlecht bezahlte Honorare. Ist das fair?
Ich weiß, dass es Kollegen gibt, die meinen „Vor 20 Jahren war alles leichter und lockerer“. Denen sage ich: Willkommen in der Realität! So ein Mindset geht schon aufgrund der Personalsituation so nicht mehr. Und es wird noch enger werden, denn den Menschen, die Haushaltsabgabe zahlen, ist zurecht egal, wie viele Menschen hier arbeiten. Sie wollen gutes Programm und das müssen wir als Dienstleister, der sich mit öffentlichen Geldern finanziert, liefern.

Wer wird nächster ORF-Landesdirektor im Burgenland?
Auch diese Namen kursieren

Walter Schneeberger (65) arbeitet seit 35 Jahren beim ORF, davon allein 15 Jahre als Chefredakteur im Landesstudio. Diese institutionelle Erfahrung wäre für eine noch verantwortungsvollere Führungsrolle von Vorteil. Bei der letzten Landesdirektorenwahl galt er als Wunschkandidat von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Werner Herics und Walter Schneeberger (rechts) fingen beide 1991 als Freie Mitarbeiter beim ORF ...
Werner Herics und Walter Schneeberger (rechts) fingen beide 1991 als Freie Mitarbeiter beim ORF Burgenland an.(Bild: Reinhard Judt)

Zwar hat der 65-jährige bereits das gesetzliche Pensionsantrittsalters erreicht, dennoch wäre eine Weiterbeschäftigung möglich. Schneeberger könnte dann eine Art Stabilitätsfaktor in einer Übergangsphase sein. Werden der Kurs der personellen Verjüngung fortgesetzt und die Landesstudios neu aufgestellt, sieht die Sache anders aus. 

Elisabeth Pauer-Gerbavsits (60) hat sich bereits 2021 als Landesdirektorin beworben. Auch jetzt gilt sie als aussichtsreiche Kandidatin. Sie ist ein bekanntes Gesicht der Sendung „Burgenland heute“. Zudem ist sie Chefin vom Dienst, zentrale Berichterstatterin bei wichtigen Ereignissen wie Landtagswahlen und großen Initiativen („Licht ins Dunkel“) und wurde im Burgenland als „Journalistin des Jahres“ ausgezeichnet.

Elisabeth Pauer-Gerbavsits mit Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich und ihrem ...
Elisabeth Pauer-Gerbavsits mit Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich und ihrem Ehemann Michael Gerbavsits (links). Er ist seit Oktober 2025 Geschäftsführer der Joseph-Haydn-Privathochschule.(Bild: Reinhard Judt)

Die Eisenstädterin hat sich ein breites Netzwerk in Politik, Kultur und Gesellschaft aufgebaut und genießt das Vertrauen regionaler Akteure. Würde sie das Rennen machen, könnte sie als erste Frau im Land den begehrten Chefposten bekleiden. 

Gute Karten hätte auch Matthias Schrom (51), seit dem Vorjahr Kommunikationschef der Burgenland Holding. Er war im ORF schon Chefredakteur von ORF 2, TV-Informationschef und Leiter der „Zeit im Bild“ und war somit auch für große Teams, Budgets und Programmentscheidungen verantwortlich.

Steht Matthias Schrom im Jänner 2027 ein Jobwechsl bevor?
Steht Matthias Schrom im Jänner 2027 ein Jobwechsl bevor?(Bild: ServusTV / Ulrich Aydt )

Nach der Chat-Affäre rund um politische Einflussnahme stand Schrom stark in der Kritik. Wer eine solche Phase durchläuft, lernt mit medialem und politischem Druck umzugehen. Eine Fähigkeit, die in einer exponierten ORF-Führungsposition wichtig ist. 

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