120-Stunden pro Woche

Bankerin will neun Stunden schlafen, wird gefeuert

Ausland
19.02.2026 21:44
Porträt von krone.at
Von krone.at

Wie viel Schlaf darf man sich leisten, wenn man an der Wall Street Karriere machen will? Genau darum dreht sich ein Prozess in den USA, der kommende Woche beginnt – und der einen seltenen Einblick in den Arbeitsalltag junger Investmentbanker in den Vereinigten Staaten geben dürfte.

Wie der „Business Insider“ berichtet, klagt die frühere Junior-Bankerin Kathryn Shiber gegen die Investmentbank Centerview Partners. Sie wirft dem Unternehmen vor, gegen Gesetze zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund einer Behinderung verstoßen zu haben. Shiber hatte im Juli 2020 nach ihrem Abschluss am Dartmouth College bei der New Yorker Boutique-Bank begonnen.

Arbeit bis tief in die Nacht hinein gefordert
Laut Klage habe sie nach mehreren aufeinanderfolgenden Arbeitstagen bis nach Mitternacht der Personalabteilung mitgeteilt, dass sie wegen einer zugrunde liegenden Stimmungs- und Angststörung regelmäßig acht bis neun Stunden Schlaf pro Nacht benötige.

Dafür seien ihr zunächst bestimmte Anpassungen genehmigt worden. Im September 2020 sei sie jedoch mit der Begründung entlassen worden, sie könne die wesentlichen Anforderungen der Stelle nicht erfüllen.

Arbeitszeiten unvorhersehbar
Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Nachwuchsbanker – sogenannte First-Year-Analysts – mit Wochenarbeitszeiten zwischen 60 und 120 Stunden rechnen müssen. Die Arbeitszeiten seien unvorhersehbar und könnten sich bis in die frühen Morgenstunden ziehen, erklärte ein damaliger Partner der Bank in einer Befragung. 24-Stunden-Tage seien möglich, wenn auch selten.

Centerview erklärte laut „Business Insider“: „Juniorbanker brauchen natürlich keine Erlaubnis, um schlafen zu gehen, werden aber erwartet, im Team zusammenzuarbeiten und ordnungsgemäß mit ihren Kollegen zu kommunizieren.“

Beeinflussung schon vor Prozessstart?
Noch bevor der Prozess startet, dürfte die Arbeitskultur selbst Thema werden. Im sogenannten „Voir dire“, der Befragung potenzieller Geschworener, wollen beide Seiten ausloten, wie diese zu langen Arbeitszeiten und zur Wall-Street-Kultur stehen.

Die Bank plant dabei unter anderem die Frage, ob es aus Sicht der Kandidaten gerechtfertigt ist, wenn Arbeitgeber lange oder unvorhersehbare Arbeitszeiten verlangen – sofern diese bezahlt werden.

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